Es hätte schlimmer kommen können, nach dem, was der Deutsche Wetterdienst prognostiziert hat. Sturmtief Ignatz hat Bad Kissingen und Umgebung zwar durchgeschüttelt, große Schäden blieben aber aus. Der Wermutstropfen: Die Offroad-Messe "Abenteuer Allrad" musste geschlossen werden.

Dass er am Donnerstag nun nicht die vielen Autos begutachten konnte, ist sicherlich das letzte, an was Marinus Hoogendoorn an diesem Tag dachte. Für ihn ging es vielmehr darum, welches Glück im Unglücker und seine Frau hatten. Er parkte seinen Mercedes Kombi am Waldrand an Camp 2, jenes, das hinter der Firma Trigema liegt. "Es hat ordentliche gewindet", erzählt der Mann aus den Niederlanden. Als dann Äste - keine Zweige, sondern armdicke Stücke - im nur wenige Meter entfernten Wald zu Boden krachten, verließen er und seine Frau das Zelt und warnten andere Camper.

Eiche stürzt auf Auto

"Wir standen mit Sicherheitsabstand vor dem Wald, in dem der Wind tobte - und ich habe auch da noch nicht geglaubt, dass tatsächlich ein Baum fallen wird." Das geschah dann aber doch: "Plötzlich fiel eine sehr große Eiche um - und streifte mein Auto am Heck." Zumindest soweit war das Auto noch fahrbereit, dass er es von der vom Regen aufgeweichten Wiese auf eine asphaltierte Straße bringen konnte. Wie die nächsten Tage für das Ehepaar aussehen, wissen die beiden noch nicht. Aber um die Reparatur werden sie sich jetzt kümmern müssen.

Die Feuerwehr Reiterswiesen zersägte den Baum und verkündete dann per Lautsprecher, dass die Eröffnung der Messe um einen Tag, auf Freitag, verschoben wird.

"Safety first"

Für diese Entscheidung ist David Rybag verantwortlich. Er ist Abteilungsleiter im Referat Bürgerservice-Entwicklung-Ordnungsamt. "Der Deutsche Wetterdienst hatte eine Unwetterwarnung herausgegeben. Ich habe die Verantwortung zu tragen und als am Donnerstagmorgen der Wind wirklich sehr stark war, habe ich entschieden, die Messe heute nicht zu eröffnen. Ja, es ist sehr schade, die Messe ist schließlich ein Juwel für Bad Kissingen - aber es gilt: Safety first."

Für Thomas Schmitt, Sprecher der Offroad-Messe, ist das zwar schade, "aber nachvollziehbar". Auch die Händler sahen es gelassen, wissen doch gerade die Offroad-Experten, dass das Wetter nicht zu beeinflussen ist. Oben am Ausstellungsort hatte der Sturm keine Schäden verursacht, außer ein paar umgeworfenen Absperrgitter.

Die Entscheidung scheint richtig gewesen zu sein. Denn auf dem Weg per Shuttle-Bus nach oben zum eigentlichen Messegelände musste die Feuerwehr den Weg von mindestens drei umgestürzten Bäumen befreien. Als sich gegen Mittag der Wind legte, kontrollierte Stadtbrandinspektor Harald Albert mit einigen Feuerwehrmännern und städtischen Mitarbeitern den Wald - und musste weitere Bäume fällen, die in Straßennähe in gefährliche Schieflage geraten waren.

Busfahrer mit Riesenglück

Riesenglück hatte Claus Schubert, der Leiter des Kreisomnibusbetriebes. Die windumtoste Messewelt schien noch halbwegs heil, als er gegen 8 Uhr mit seinem Bus die politische Prominenz zur offiziellen Eröffnung am Veranstaltungsgelände absetzte. Doch dann das: Während seiner Rückfahrt stürzten Bäume auf die Fahrbahn. "Ich sah einen im Rückspiegel fallen", beschreibt er den bangen Augenblick im Wald. Vorher sei eine regelrechte Windhose durch die Straßenschneise gezogen.

Besonders dramatisch: Gleichzeitig auf der Strecke unterwegs war seine Frau Rita ebenfalls mit einem Bus und Küchenpersonal an Bord. "Wir waren gewissermaßen durch den Baum getrennt", beschreibt er die Lage. Rasch sei die Feuerwehr eingetroffen, um das lästige Hindernis zu beseitigen. Doch der Vorfall führte vor Augen, dass auf der Fahrt durch den Wald Lebensgefahr für die Besucher bestanden hätte.

Sichern und Evakuieren hieß denn auch zunächst das Motto auf dem Ausstellungsgelände. Im Wind peitschende Zeltplanen sowie umgestürzte Absperrgitter und Schautafeln hätten den Besuch zu einem unkalkulierbaren Risiko gemacht. Manche Aussteller verzichteten auf eine Anfahrt, weil die Erreichbarkeit des Geländes längere Zeit nicht zu garantieren war. Mangels Besuchermassen musste für Donnerstag kurzfristig auch den verpflichteten Shuttelbussen regionaler Busunternehmer abgesagt werden. Sie hoffen nun auf die drei verbleibenden Veranstaltungstage. Ihr Einschnitt durch die Absage ist beträchtlich. Immerhin sind pro Tag rund 25 Busse geordert, die nun am Donnerstag leer ausgingen.

Wenige Einsätze in Hammelburg

Im Zuständigkeitsbereich der Hammelburger Polizei hielten sich die Schäden in Grenzen: "Es sind mehrere Äste abgebrochen, zwischen Gräfendorf und Waizenbach musste ein Baum beseitigt werden", fasst Dienststellenleiter Christian Pörtner die Meldungen zusammen. Die Hammelburger Polizei sei lediglich von der Integrierten Leitstelle informiert worden, Einsätze und Personenschäden habe es keine gegeben. "Mit der Beseitigung haben wir nichts zu tun", verweist Pörtner auf Feuerwehren und Bauhöfe, und: "Wegen der Unwetterwarnung waren alle in Alarmbereitschaft, das klappt immer sehr gut." Einzige Einschränkung für die Polizei: Der für Donnerstagvormittag angesetzte Schwertransport des letzten Rotorblatts vom Lager Hammelburg zum Windpark Fuchsstadt wurde wegen des starken Windes verschoben.

In Bad Brückenau musste die Feuerwehr zu einem geparkten Auto ausrücken, auf das ein Baum gefallen war.