Was ist eigentlich mit der Fußgängerzone? Passiert da noch was? Das Rathaus hat erkannt, dass viele Bürger da Informationsdefizite haben. Und reagiert mit einem Infoblatt. Früher ging alles leichter. 1886, als das bayerische Königreich die Stadt Bad Kissingen zur zweiten im Lande mit Schwemmkanalisation und zur ersten mit Zwangsanschluss aller Haushalte an den Kanal machte, hat sich das nicht so lange hingezogen wie die jetzt anstehende Erneuerung des alten Kanals in der Innenstadt. Früher, sagt Oberbürgermeister Kay Blankenburg, war wegen der Arbeiten an der Kanalisation und der damit verbundenen Eingriffe in das Grundwasser "dann aber auch der Maxbrunnen plötzlich weg".


Starttermin war nicht zu halten

Um so einen Effekt bei der Sanierung der historischen Kanalisation im Stadtkern von Bad Kissingen zu vermeiden, dauert die Vorarbeit jetzt bereits viel länger, als er selbst anfangs dachte, räumt Blankenburg ein. Er hat inzwischen auch schon mehrfach öffentlich bereut, bereits einmal einen Starttermin genannt zu haben, der nicht zu halten war. Um die wasserrechtliche Genehmigung zu bekommen, müssten viele Voraussetzungen erfüllt sein. Und letztlich ist das aus seiner Sicht auch gut so.
Als Blankenburg jetzt mit Bauamtsleiter Jan Voll den Stand der Vorarbeiten für das Projekt Neue Altstadt erläuterte und ein Informationsfaltblatt zu dem Vorgang vorstellte, nannte er keinen neuen Termin. "Wir sind mittendrin", erklärte er. So heißt übrigens auch das Informationsfaltblatt, das über das nächste Stadtblatt verbreitet wird und an der Infotheke im Rathaus ausliegt. Dieses Faltblatt ist angelegt als Zeitstrahl mit Informationen, was in den Jahren seit 2009 für das Projekt geschehen ist und was, soweit absehbar, in Zukunft noch geschehen muss, bis die Bagger tatsächlich anrücken können.
Zwei Grundbedingungen, beschrieben Blankenburg und Voll bei der Vorstellung des Infoblatts mehrfach. Die Kanäle dürften kein Abwasser ins Erdreich und damit ins Grundwasser abgeben. Gleichzeitig müsse die komplexe Grundwassersituation stabil gehalten werden. Das sei wichtig, um die Heilquellen zu schützen und auch um die Statik der Gebäude in der Innenstadt nicht negativ zu beeinflussen. All das bedürfe genauer Vorbereitung. "Wir haben nur einen Versuch", berichtet Blankenburg, laute der Satz, mit dem das in der Verwaltung begründet werden. Taktische Erwägungen in Bezug auf die Kommunalwahl in 2020 spielten für die Festlegung eines Termins jedenfalls keine Rolle, ergänzte er auf Nachfrage.


Forschungserfolg

In Bezug auf die für das Projekt so wichtigen hydrogeologischen "Wechselwirkungen von Grundwasser, Kanal und Bodengegebenheiten" sei jetzt ein wichtiger Forschungserfolg gelungen, erzählten Voll und Blankenburg. Der historische und im Grundsatz nach wie vor funktionierende Kanal habe nicht nur die Funktion, Abwasser abzuleiten. Weil er auch eindringendes Grundwasser aufnimmt und ableitet, sorge er zusätzlich in dieser Hinsicht für ausgewogene Verhältnisse.
Wie ausgeprägt dieser Effekt ist, hätten Versuche jetzt ergeben. 0,46 Liter Grundwasser dringe pro Sekunde in den Kanal ein. Das seien 40 000 Liter am Tag. Binnen 40 Tagen fließe also durch die städtischen Kanäle eine Grundwassermenge ab, die das Sportbecken im Freibad einmal füllen würde.
Diese Funktion müsse auch nach der Sanierung in vergleichbarer Größenordnung erhalten bleiben. Das erreiche die Stadt durch ein ausgeklügeltes Konzept, den Abwasserlauf durch einen Inlinekanal abzudichten und den Drainage-Effekt für das Grundwasser gleichzeitig zu erhalten. Zum Einsatz kommen dabei auch Schalen aus glasfaserverstärktem Kunststoff und besonderer Mörtel, der einerseits für Standfestigkeit sorgt und andererseits wasserdurchlässig ist. Solche Dinge ließen sich nicht von heute auf morgen entwickeln, sagen Voll und Blankenburg zur Erklärung der langen Dauer des Projekts.


Nicht alles auf einmal aufreißen

Den Anwohnern habe die Stadt zugesichert, sie bekämen mindestens ein Jahr bevor ihr Bereich an der Reihe ist, Bescheid über den Beginn der Arbeiten. Auch für betroffene Geschäftsleute wird über Problemlösungen nachgedacht. Ein Stichwort lautet hier: Ersatzverkaufsflächen. Es werde zudem nicht so sein, "dass wir das ganze Gebiet auf einmal aufreißen", so Blankenburg. Andererseits könne man sich auch nicht jeweils nur auf eine einzige Gasse beschränken. Es bleibt also spannend.