Wegen der Corona-Pandemie musste die Firma Pro-log die Offroad-Messe im Juni absagen. Doch dann kam den Veranstaltern die zündende Idee, die Großveranstaltung 2020 digital aufzubereiten. "Wir haben eine Online-Plattform geschaffen, auf der die Aussteller jetzt ihre Fernreisen, Caravans, Offroad-Fahrzeuge und Outdoor-Equipment in einer 3-D-Version des Reiterswiesener Messegeländes anbieten können", sagt pro-log-Geschäftsführerin Marion Ripberger (Schwäbisch Gmünd) im Gespräch mit der Zeitung.

Jeder Aussteller trägt das, was er an Produkten und Messeneuheiten zu bieten hat, dort ein und ist so das ganze Jahr bei der Allrad & Abenteuer präsent, sagt Ripberger. Das habe auch Vorteile für die Kunden, die so jederzeit bestellen können.

Kalt erwischt

Irgendwie muss es ja schließlich weitergehen, findet die Geschäftsführerin und erzählt, wie die ersten Auswirkungen der Pandemie sie und ihr Team kalt erwischt haben. "Im Januar und Februar waren wir mit den Buchungen für die Messe im Juni, mit Fahrtrainings und Produktpräsentationen noch voll in der Spur." Im März hieß es zunächst abwarten. Doch dann sei relativ schnell klar gewesen, dass auch der Ausweichtermin für die Messe im August 2020 nicht zu Stande kommen wird.

Eine Offroad-Messe unter den ersten gültigen Hygienebedingungen - das habe man sich nicht so richtig vorstellen können. "Das hätte nicht zu uns gepasst." Vermutlich wäre zu dem Totalausfall der Einnahmen seit März auch noch ein weiterer finanzieller Verlust durch eine solche abgespeckte Messe hinzugekommen, glaubt die Geschäftsführerin. Sie verfolgte unterdessen eine andere Strategie: Alle Aussteller, die sich zur Messe 2020 angemeldet hatten, bekamen von pro-log das Geld zurück, das sie bereits im Voraus bezahlt hatten.

Vertrauen der Aussteller

"Dazu waren wir nicht verpflichtet, aber es war uns wichtig", so Ripberger weiter. Es gab dann sogar etliche unter den langjährigen Anbietern, die das Geld für die Anmeldung und Miete bei Pro-log für 2021 stehen ließen, um die Firma zu unterstützen. "Dieses Vertrauen, das die Leute offensichtlich zu uns haben, hat mich beflügelt." Denn der finanzielle Ausfall für das Unternehmen liegt 2020 bei 90 Prozent, sagt die Geschäftsführerin. Auch das Incentive-Geschäft - die Abenteuer-Veranstaltungen, die Firmen für ihre Belegschaften buchen - sei ab März nahezu komplett eingebrochen.

Die augenblickliche Lage schmerzt Ripberger umso mehr, wie sie sagt, als sie in den vergangenen rund zehn Jahren, seitdem sie bei Pro-log mit in der Verantwortung ist, zusammen mit ihrem Team alle möglichen Anstrengungen unternommen und selbst sehr viel investiert hat, um die Abenteuer & Allrad noch größer, moderner und bekannter zu machen.

Seit 2004 waren sie und ihr Mann Miran Percic bei der Offroad-Messe mit ihrer Firma für Sonderfahrzeuge und Prototypen (Schwäbisch Gmünd) zunächst als Aussteller dabei gewesen. "Dann hat man sich halt über die Jahre angefreundet", schildert Ripberger das Verhältnis zu den damaligen Pro-log-Chefs Peter Rößner und Claus-Peter Laufer."2008 habe sie uns gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, die Firma zu kaufen." Aber man habe sich erst mal weiter beschnuppert. "2011 haben wir gesagt, dass wir es machen, aber nur, wenn Rößner und Laufer mit im Boot bleiben."

Große Investitionen

2013 stieg Marion Ripberger dann als Hauptgesellschafterin mit ein. "Wir haben alles, das Gelände und die Messe, erst mal durchleuchtet und Etliches im Hinblick auf Logistik, Bauten, Personal, Fahrzeugen und Internet modernisiert", blickt die Geschäftsführerin zurück. "Letztendlich haben wir eine größere, sechsstellige Summe investiert, um mehr Attraktivität für die Besucher zu schaffen."

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Mit zuletzt 350 internationalen Ausstellern wurde die Abenteuer & Allrad das wichtigste Jahresereignis für Offroad-Freunde aus der ganzen Welt, sagt Ripberger. Bald war die 50 000-Besucher-Marke geknackt. 2018 waren es sogar schon 58 000 Gäste. "Natürlich geht das nur, wenn man ein Superteam um sich hat", sagt Ripberger über die rund 100 Helferinnen und Helfer, die bei jeder Messe parat stehen.

Die Messe wurde nicht nur in Deutschland und Europa, sondern auch international immer bekannter, so die Pro-log-Chefin weiter. "Auch auf die Marke ,Bad Kissingen‘ hat sich das ausgewirkt, weil der Name Pro-log überall stets mit dem Namen der Kurstadt verknüpft ist." Es gebe zahlreiche Offroad-Freaks, die nach der Messe wieder Urlaub in Bad Kissingen buchen.

Auch die Incentive-Veranstaltungen und Produkt-Präsentationen seien bisher hervorragend gelaufen. "Und auch die haben uns wieder Zulauf zur Messe gebracht."

Ripberger will sich nicht entmutigen lassen: Die nächste Messe soll, wenn es die Corona-Pandemie zulässt, vom 3. bis 6. Juni 2021 stattfinden. "Wir sind dabei, ein ausgeklügeltes Pandemie-Konzept zu entwickeln." Schon bald soll es diesbezüglich erste Gespräche mit der Stadt Bad Kissingen geben.

Isolde Krapf