Ob lokal oder international: Norbert Möller hat im Kleinen und Großen viel von der Welt gesehen und Heimat transparent gemacht. Am Sonntag wird der ehemalige Redakteur 90 Jahre alt. Aus dem erfüllten Ruhestand bannt ihn weiter die Nachrichtenlage und die Welt der Musik.
Ausgebombt kam Möller 1945 mit seiner Mutter mit Kriegsende nach Hammelburg. Der gelernte Einzelhandelskaufmann arbeitete zunächst in der Verwaltung des von der US-Armee übernommenen Truppenlagers. Als Quereinsteiger kam er 1948 zur Zeitung und war über 40 Jahre ihr Gesicht vor Ort.
"Es stand so wenig über Hammelburg drin", erinnert sich Möller über seine Ambitionen, das Leben besser zu dokumentieren. Die Zeitung erschien anfangs drei Mal in der Woche. Ab und zu kam ein Redakteur mit dem Moped aus Bad Neustadt vorbei. Dabei drängten sich viele Themen auf. Es ging turbulent zu, im Nachkriegs-Hammelburg. Auf ein Kriegsgefangenenlager folgte nach Kriegsende ein Lager mit Inhaftierten, die während der NS-Zeit Verantwortung getragen hatten. "Es gab zwölf Spruchkammern vor Ort", weiß Möller. Diese Kammern versuchten in öffentlichen Gebäuden und Gaststätten, Verstrickungen in das düstere Regime aufzuarbeiten.
Seinen ersten Bericht schrieb Möller über einen Chor von Inhaftierten, der in der Gegend auftreten durfte. Das Geschriebene kam gut an. Überraschend gab es für Möller nach der Währungsreform das erste Monatsgehalt von 38 D-Mark. "Da war ich baff", schwärmt Möller.


Krönung zum Abschluss

Die Stoffe gingen dem jungen Journalisten nicht aus. Zumal der Hauch der Weltgeschichte öfters durch Hammelburg wehte. Hier kamen in einem Landesdurchgangslager ausgezehrt jene ehemaligen Wehrmachtsoldaten an, die nach der sowjetischen Kriegsgefangenschaft in Bayern Fuß fassen sollten. "Das war ein furchtbares Bild", lässt Möller der Anblick auch heute noch nicht kalt. Präsent sind ihm auch die Demonstrationen auf dem Marktplatz gegen die Erweiterung des Truppenübungsplatzes in den 50er Jahren, die die Gegend nachhaltig verändert hätte. Fast zehn Gemeinden zusätzlich sollten abgesiedelt werden. Politischen Zündstoff und viel zu schreiben bot die Gebietsreform 1972 mit Zusammenlegung der drei früheren Landkreise zum Landkreis Bad Kissingen. Kurz vor seinem Ruhestand war die Grenzöffnung mit dem Landesdurchgangslager für DDR-Bürger eine Krönung des Redakteur-Alltages.
Zusammen mit Edgar Hirt gründete Möller den örtlichen Kreisverband der Europa-Union. Er machte ihn als Organisator des Theaterringes und Reiseleiter quer durch Europa und bis nach Nepal zum größten Kreisverband Deutschlands. Die Grenzöffnung bot Anstoß für viele Kulturfahrten in den Raum Weimar und Leipzig. Möller hob auch den Lionsclub und den FC mit aus der Taufe und sang im Kammerchor.
Dankbar ist der Ruheständler für die Unterstützung durch seine Frau Ingrid, die ihn nach der Hochzeit 1962 anfangs bei der Redaktionsarbeit von daheim aus unterstützte. 18 Jahre engagierte er sich im Vorstand des Bayerischen Journalistenverbands, von dem er dafür die Goldene Feder verliehen bekam. Gerne besucht er Konzerte. Zum Geburtstag gratulieren zwei Söhne und drei Enkel. dübi