Jedes Grundschulkind hat ab 2030 das Recht auf eine Ganztagesbetreuung. Die Regelung soll schrittweise eingeführt werden und greift ab dem Schuljahr 2026/2027 für Kinder der 1. Klasse. Wer den ganzen Tag in der Schule ist, muss etwas in den Magen bekommen.

Für Nüdlingen stellt sich damit die Frage: Was für eine Küche soll in das Untergeschoss des neuen Hortgebäudes eingebaut werden, das am Schloßberg entstehen soll? Eine Catering- oder eine Kochküche?

Diese Frage ist auch für Eltern relevant, sind ihnen doch oft folgende Aspekte wichtig: Die Kinder sollen etwas "Gescheites", also gesund, essen. Und: Die Essenspreise sollten bezahlbar bleiben.

Cateringküche oder Kochküche

Der Geschäftsführende Partner Herbert Osel vom Architekturbüro "hjp", das den Hort und die Grundschule plant, erläutert die Unterschiede zwischen den Küchen: Bei einer Cateringküche kommt ein Lieferant mit dem Essen, macht es warm und gibt es an die Schulkinder aus. Man könne dort zwar mal eine Suppe warm machen oder Weihnachtsplätzchen backen, Essen für 100 Hortkinder zubereiten, das könne man aber nicht. Eine Cateringküche im neuen Hort einzubauen, das koste etwa eine halbe Million Euro.

Die Alternative ist eine Kochküche. Sie benötigt zusätzliche Räume und eine andere Haus- und Küchentechnik mit Vorrats-, Personal- und sogenannten "Schwarz-weiß-Bereichen" für die hygienische Zubereitung der Speisen. Neben einem eigenen WC würde sie etwa über einen Fettabscheider und eine Abluftanlage verfügen, zählt Osel zusätzlich benötigte Technik auf. Die Kochküche bräuchte außerdem rund 60 Quadratmeter mehr Platz als die 85 Quadratmeter große Cateringküche. Und sie ist teurer: "Diese Küche kostet grob gesagt eine Million mehr."

Stimmen aus dem Gemeinderat

Christine Fell (UWH) ist selbst Lehrerin. Sie sagt: "Ich komme aus einer Schule mit einer Cateringküche, wir haben damit nur Probleme." Wenn etwa das Essen nicht so zur Schule komme, wie es eigentlich sollte, Kartoffeln etwa nicht fertig gekocht seien, dann äßen die Kinder gar nichts. Das Essen, so Fell, sei meistens besser, wenn selbst gekocht werde, statt auf einen Caterer zurückzugreifen. "Die Eltern sind wesentlich zufriedener, wenn vor Ort gekocht wird."

Auch Bürgermeister Harald Hofmann (CSU) warb für die Kochküche: "Das Gebäude hat eine Nutzungsdauer für die nächsten 50 Jahre und es geht um unsere Kleinsten." Hier werde das Essen für die Kinder im Alter zwischen einem und zehn Jahren zubereitet und hier werde die Entscheidung getroffen: "Mit welchen Rohstoffen wird gekocht? Wo sind die Rohstoffe her? Sind Konservierungsmittel drin?".

Auf dem Land gebe es außerdem ohnehin nicht so viele Caterer. Es müsse den Gemeinderäten klar sein, dass jedes Essen, das aus der Kochküche rausgehe, bezuschusst werden müsse.

Uwe Beer (CSU) sprach sich - ähnlich wie Marcus Lipsius (CSU) - gegen eine Kochküche aus. Zu den hohen Baukosten kämen weitere Personal- und Betriebskosten. "Wir haben nicht nur eine Schule zu bauen, sondern noch zig kommunale Ausgaben." Da man in der Küche nur rund 100 Essen für Schul- und Kindergartenkinder zubereiten könne, zerschlage sich der Gedanke, die Küche gewerblich zu verpachten.

Nach einer langen Diskussion stimmten die Gemeinderäte schließlich mit zwölf Ja-Stimmen und vier Nein-Stimmen für den Bau einer Kochküche.