Investitionen für die Kleinsten in der Gemeinde sind zwar meist mit Kosten verbunden. Doch andererseits dienen sie auch den Eltern, die ihre Sprösslinge gut betreut wissen wollen. Und es macht es einen Ort attraktiv, wenn es genügend Angebote in schönen, neuen Gebäuden gibt. Und so machten die Mitglieder des Nüdlinger Gemeinderates sich in der jüngsten Sitzung darüber Gedanken.

Mehr Bedarf in der Krippe in Haard

"Ich bin im November 2020 von Eltern in Haard angesprochen worden, dass Bedarf für Kinderkrippen da ist", sagte Bürgermeister Harald Hofmann (CSU). Der Gemeinderat hatte daraufhin den Bedarf in einer Sitzung festgestellt, anschließend leitete Hofmann die nächsten Schritte ein. In der jüngsten Sitzung brachte er den Gemeinderat auf den neuesten Stand, "wo im Moment die Überlegungen sind, oder ob andere Überlegungen angestrengt werden". Denn: Wo mehr Kinder untergebracht werden müssen, braucht es Platz.

Musikraum soll umgebaut werden

Das Architekturbüro Perleth aus Schweinfurt hatte daher eine Kurzanalyse der Kindertagesstätte in Haard gemacht. Der Plan ist, den ursprünglichen Musikraum im Erdgeschoss für eine Krippengruppe mit Aufenthalts-, Wasch- und Ruheraum umzubauen. Die Kostenschätzung beläuft sich auf rund 105 500 Euro. Das Gebäude ist vor der Gebietsreform gebaut worden. Dessen Struktur wird so nicht verändert, entspricht aber auch nicht den Vorgaben der Barrierefreiheit. Im Zuge der aktuellen Brandschutzplanung prüfen Fachplaner derzeit separat das Gebäude.

Forderung: Das Gebäude komplett erneuern

Sebastian Schäfer (SPD) äußerte sich dazu: "Ich glaube, seit 2008 unterhalten wir uns schon über das Gebäude. Es ist alt, es ist heruntergekommen. Man möchte es eigentlich kaum noch nutzen." Er sei dafür, dass der komplette Gebäudekomplex vernünftig angegangen werde. Edgar Thomas (CSU) und Stefan Schmitt (UWH) sprachen sich für die vorgestellte Übergangslösung aus, der Bedarf sei da. Eine Lösung für die Zukunft des Gebäudes brauche es jedoch auch. Dem schloss sich Christian Höfler (Bürgerblock) an.

Keine Kapazitäten für viele große Projekte

Bürgermeister Hofmann stimmte den Gemeinderäten zu, gab aber zu bedenken: "Ich würde auch gerne einen neuen Kindergarten bauen, einen nigelnagelneuen. Aber ich muss offen sagen: Mit der Kapazität im Rathaus können wir nicht so viele große Projekte nebeneinander machen." Er führte als Beispiele den Schulneubau und die Arbeiten am Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) an. Christine Fell (UWH) fragte nach Zuschüssen für den Umbau. Das sei nur bei einem Neubau möglich. Der Gemeinderat nahm die Vorstellung der Pläne zur Kenntnis.

Zwölf Kinder für Förderung nötig

Ein weiteres Mal ging es in der Sitzung um die Kinder: Diesmal um die Mittagsbetreuung an der Schlossbergschule. Der geschäftsleitende Beamte Nüdlingens, Stefan Funk, führte aus: Für das aktuelle Schuljahr seien zehn förderfähige Kinder in der verlängerten Mittagsbetreuung. Förderfähig sind sie bei einer Betreuung bis 16 Uhr. Grundsätzlich braucht es für eine Förderung durch den Freistaat mindestens zwölf Kinder. Wegen der Pandemie bekam die Gemeinde bis jetzt eine Ausnahmegenehmigung, sodass sie auch mit weniger Kindern gefördert wird.

Keine Förderung mehr im kommenden Schuljahr

Für das kommende Schuljahr sind jedoch nur noch sechs förderfähige Kinder angemeldet, dazu vier weitere, nicht-förderfähige Kinder. "Wir werden die Förderung für das kommende Schuljahr nicht mehr bekommen", sagte Funk. Mit weiteren Anmeldungen sei nicht mehr zu rechnen. Das bedeutet, dass für die Gemeinde 9000 Euro Unterstützung wegfallen. Die geschätzten 50 000 Euro Kosten für ein Schuljahr müsste die Gemeinde somit komplett selbst aufbringen. Die Überlegung: die Mittagsbetreuung nicht mehr anzubieten.

Betreuung sein lassen?

Der Bürgermeister zeigte sich ein wenig enttäuscht, dass es nur so wenige Anmeldungen für die Betreuung gab. Die Gemeinde hätte viel dafür getan, dass die Betreuung flexibel gestaltbar ist, und für eine Ferienbetreuung gesorgt. "Vielleicht müssen wir das Ganze einfach mal einstampfen, damit es wieder etwas interessanter wird."

Kompromissvorschlag: Erhalt, aber mir weniger Tagen

André Iff (CSU) äußerte, das sei ein selbstgemachtes Problem. Es gehe bei Kindern um Spaß, nicht um Flexibilität. "Die wollen da nicht mehr da hin. Wir hatten eine super Mittagsbetreuung, die haben wir nicht mehr." Christine Fell und Florian Wilm (Bürgerblock) fragten, was mit den zehn Kindern ist, für die die Betreuung wegfällt. Wilm schlägt den Kompromiss vor: "Wir haben Freitag drei Kinder. Dann sage ich, der Freitag fällt weg. Wenn euch das immer noch zu teuer ist, auch noch der Montag." Dann hätten die Eltern wenigstens die anderen Tage "die Chance, die Kinder aufgeräumt zu wissen".

Entscheidung verschoben

Stefan Schmitt erkundigte sich, ob die Entscheidung heute fallen müsse: "Wenn wir weiter als familienfreundliche Gemeinde gelten wollen, müssen wir etwas unternehmen." Dem stimmten einige Gemeinderäte zu. Claus Beck fragte, ob auch eine Kooperation mit anderen Schulen möglich wäre, um die Kosten zu senken. André Iffs Vorschlag, nochmal um weitere Kinder zu werben, ist wegen einer abgelaufenen Anmeldefrist für die Förderung nicht mehr umsetzbar.

Bürgermeister Hofmann nahm den Tagesordnungspunkt von der Liste, um in der nächsten Sitzung über Alternativen zu diskutieren. Das Thema Kinder und Familie war somit in beiden Angelegenheiten nicht zum letzten Mal auf der Agenda des Gemeinderates.

Das Haarder Haus für Kinder: