Unerbittlich frisst sich der Bohrer in den Beton. Das Hämmern ist mehrere Straßen weit zu hören. In den Löchern sollen bald die Konsolen für einen Balkon ruhen. Für Architekt Matthias Kleinhenz dürfte dieser Lärm einen Wohlklang bedeuten. Denn er belegt, dass an beiden Häusern mit Sozialwohnungen in Nüdlingen und Haard weitergebaut wird - trotz Corona. Auch wenn sich das plötzlich ändern kann.

"Bei beiden Gebäuden ist der Rohbau abgeschlossen", zieht Kleinhenz, dessen "mk Bauberatung" ihren Sitz in Haard hat, eine kurze Zwischenbilanz. Wobei das Projekt im Ortsteil ein paar Arbeitswochen weiter ist als das im Hauptort. Bei Haustechnik, Sanitäranlagen und Elektroinstallationen kann ein Haken an die To-do-Liste; die Heizungen fehlen noch.

Acht verschiedene Wohnungen

In Nüdlingen steht zwar der Rohbau; das Ziegeldach ist aufgesetzt, Fenster und Rollläden sind eingepasst. Doch beim Innenausbau mangelt es noch.

Zur Erinnerung: In zwei Bauprojekten entstehen in Nüdlingen am Wurmerich fünf und in der Haarder Burgstraße drei Sozialwohnungen, alle mit unterschiedlicher Größe. Die kleinste umfasst 45 Quadratmeter (plus sechs Quadratmeter Terrasse) und bietet zum Beispiel Singles eigene vier Wände. In die größte Wohneinheit, die etwa 90 Quadratmeter misst, könnte eine komplette Familie mit zwei Kindern einziehen.

Alle Wohnungen haben eines gemeinsam: Sie sind barrierefrei zu erreichen. Im Nüdlinger Komplex steht zudem bald ein Aufzug bereit.

"Die Wohnungen dürfen nicht zu groß sein und nicht zu teuer", sagt Matthias Kleinhenz, "sonst werden sie nicht gefördert". Fast 2,5 Millionen Euro veranschlagt die Gemeinde für beide Bauprojekte zusammen. Knapp 660 000 Euro steuert die Regierung von Unterfranken aus der staatlichen Wohnraumförderung bei. Das entspricht etwa 30 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten. Die Baukosten blieben bisher im berechneten Rahmen, teilt Kleinhenz auf Anfrage mit.

Mit genauen Terminen für die Fertigstellung beider Bauvorhaben ziert sich der Architekt noch. "Im Sommer, vielleicht auch im Herbst", sagt er. Denn wegen Corona sei es nicht selbstverständlich, dass immer genug Bauleute zusammenkommen. Und Lieferschwierigkeiten beim Baumaterial fürchtet Kleinhenz in der Krise ebenfalls. Immerhin: Der Architekt sieht im Moment keinen Grund, an den veranschlagten Kosten zu zweifeln.

Gebaut werden die zwei Niedrig-Energie-Häuser mit ihren acht Sozialwohnungen vor allem, weil die Gemeinde bis dato keinen Wohnraum für Menschen mit geringen Einkommen anbieten kann. Sie entstehen eher am Rand der jeweiligen Ortsmitte. Ausschlaggebend für die Standorte war aber, dass genau dort zwei gemeindeeigene Grundstücke zur Verfügung standen. In den jeweiligen Ortsmitten war das nicht der Fall.

Zwei- bis dreimal pro Woche schaut Matthias Kleinhenz nach eigenen Angaben an beiden Baustellen vorbei. Solange er dort weiter Hämmer hämmern und Bohrer wummern hört, bleibt für ihn auch in Corona-Zeiten alles in Ordnung.