Leise Musik, angenehmer Duft, geschwungene Linien und polierte Holz-Oberflächen, in denen Monitore dezent eingelassen sind: Die Atmosphäre in der neuen Intensivstation der Klinik "Bavaria" ist fast schon heimelig. Der erste Eindruck ist so unerwartet wie die Idee von Intensivbetten in einer Reha-Klinik an sich. Rund zwei Millionen Euro hat die Klinik Bavaria in ihre neue Abteilung investiert. In dieser Woche gingen die ersten elf Betten an den Start, die ersten fünf Patienten sind bereits in Behandlung.

Plan besteht seit zehn Jahren

"Den Plan gibt es bereits seit zehn Jahren", berichtet Thomas Zier, der gemeinsam mit Eduard Büchs die neue Intensiv-Pflege koordiniert. "Der Bedarf ist schon immer da", sagt der 50-Jährige weiter. Im vergangenen Jahr wurden nun die Pläne konkret: Wo im September noch 17 der rund 340 Reha-Betten der Klinik Bavaria standen, wurde ab Oktober in nur drei Monaten die neue Station "Aware Care" (zu deutsch: bewusste, sorgsame Pflege oder Versorgung) gebaut.
"Unsere Grundsätze sind, Menschen fachlich kompetent zu begleiten, in Würde zu begegnen und in ihren derzeit vorhandenen Möglichkeiten zu fördern", sagt Margarete Presl, die sich die Geschäftsführung mit ihrem Mann Michael teilt. Aufgabe der Klinik sei es, "das uns anvertraute Leben in seiner Einzigartigkeit zu achten". Das wird auch an der Gestaltung der Räume deutlich: 20 Quadratmeter stehen pro Patient zur Mobilisation und für die Angehörigen zur Verfügung. Die Lichtsteuerung lässt keine Wünsche offen: von Disco-Effekten über Dämmerungsschaltung bis zu simuliertem Tageslicht. Die Temperatur wird über die Zimmerdecken reguliert.

Neues Personal eingestellt

Um die Intensivbetten in einer Reha-Klinik zu verwirklichen wurde eigens ein "Neurologisches Fach- und Privatkrankenhaus" gegründet. Dazu wurden in den vergangenen Wochen auch 36 neue Mitarbeiter im Pflegebereich, sechs Therapeuten und ein neues Ärzteteam eingestellt: Chefarzt Dr. Franz Weilbach übernimmt die fachliche Leitung, die Oberärzte Dr. Lothar Lürken und Dr. Claudia Siebel ergänzen die Kompetenzen im Bereich der Intensivmedizin und Anästhesie.
"Wir können hier schwerkranke neurologische Patienten aufnehmen, die nach der Akutphase noch krankenhauspflichtig sind", berichtet Koordinator Thomas Zier. Dazu würden Wach-Koma- und beatmete Patienten gehören. Zu den Krankheitsbildern zählen Schlaganfälle mit Unterversorgung des Gehirns, Verletzte mit Schädel-Hirn-Trauma oder Patienten, die an einem Gehirn-Tumor operiert wurden. Der Fall Michael Schumacher sei ein typisches Beispiel, dass schwer verletzte Patienten nur dann das Krankenhaus verlassen können, wenn es speziell eingerichtete Reha-Plätze gibt. "Die Patienten müssen soweit stabil sein", laute die einzige Voraussetzung. Das sei keine Konkurrenz zu den Intensivstationen in Krankenhäusern, betont Zier. Im Gegenteil: "Wir entlasten die Krankenhäuser, damit die wieder besser einsatzfähig sind." Dadurch würden schneller Plätze für Notfälle frei.