Manche Dinge ändern sich im Laufe der Zeit, manche auch nicht. Das gilt beispielsweise für die Berichterstattung über eine Stadtratssitzung, die vor 50 Jahren stattgefunden hat. Geändert hat sich inzwischen der Schreibstil bei den Tageszeitungen, damals vermischten die Verfasser den eigentlichen Bericht ganz gerne mit ihrer eigenen Meinung. Geblieben ist, dass manche Dinge immer wieder einmal für Kopfschütteln sorgen.

"Zweieinhalb Stunden öffentliche Sitzung des Stadtrats sind lang: eine umfangreiche Tagesordnung war zu behandeln und die Stimmung trug ebenfalls bei", war am 22. März 1968 in der Zeitung zu lesen. Und weiter: "Ein Sportberichter hätte es leicht. Er würde sagen, man war nervös oder gereizt, spielte ungenau oder zusammenhanglos und es gab keine besonderen Höhepunkte. Der Schiedsrichter war offensichtlich an diesem Tage besonders umstritten."

Themen dieser Stadtratssitzung waren unter anderem die Bebauung auf dem Karlsberg und Details bei der damals gerade entstandenen Leichenhalle. Der Autor wunderte sich darüber, dass Teile der Diskussion in den nichtöffentlichen Teil gelegt wurden, weshalb der Zuhörer nicht den ganzen Zusammenhang erfassen konnte und kurioserweise der vorgesehene Einbau einer Bankheizung als Alternative zum Einbau von Gittern an den Fenstern dargestellt wurde.

Unter der Zwischenüberschrift "Verkehrsprobleme bleiben", stand geschrieben, was die Gemüter so richtig erhitzte. "Wir müssen uns doch erst einmal darüber klar werden, was wir selbst wollen", zitierte der Autor einen Stadtrat, den er nicht benannte. Sondern: "Diese Feststellung wurde in der Stadtratssitzung ganz offiziell erhoben, jedoch nur in Bezug auf die Verkehrsregelungen in Münnerstadt, insbesondere auf die Parkuhren", stand geschrieben und der Autor meinte: "Eigentlich hätte man das eigene Wollen mit der gesetzlichen Regelung vor dem Inkrafttreten in Einklang bringen müssen. Wenn man es jetzt aber nachholt und abschließt, ist es auch kein Luxus, weil die immer wieder aufkeimenden Debatten anscheinend kein Ende nehmen. Eine endgültige Verkehrsregelung gibt es nirgends und immer wieder werden Änderungen erforderlich, nachdem ja die Vorschriften den Erfordernissen zu entsprechen haben und kein ewig gültiges Dogma sein dürfen. Die Grundkonzeption muss allerdings da und erkennbar sein, sonst wird es weiterhin unnötige und unfruchtbare Polemik geben. Was soll man sonst zu der Tatsache sagen, dass an einem Tisch bei einem Thema, beispielsweise nach der Polizei gerufen und ihr Im gleichen Atemzug Übereifer vorgeworfen wird." Noch einmal: das war vor 50 Jahren.

Der Autor hat Recht behalten, denn die Verkehrsregelung hat sich natürlich wieder geändert. Die umstrittenen Parkuhren wurden später abgeschafft. Die Aufregung rührte damals auch daher, dass Parksünder zur Landespolizei nach Bad Kissingen fahren mussten, um ihren Obolus zu entrichten, wenn sie gebührenpflichtig verwarnt worden waren. Ironie der Geschichte: Vor 26 Jahren führte Münnerstadt die Überwachung des ruhenden Verkehrs durch eine städtische Bedienstete ein. Und seither gilt das Gleiche wie vor 50 Jahren im Stadtrat über die Polizei beschrieben: Die einen verfluchen die Angestellte, die anderen rufen nach ihr und meinen, dass sie viel öfter kontrollieren sollte.

Es gibt aber noch eine sehr interessante Parallele: Vor wenigen Jahren hatte die Stadt ein Haushaltskonsolidierungskonzept beschlossen, um in den Genuss von Stabilisierungshilfe zu kommen. Der Katalog beinhaltete unter anderem die Parkraumbewirtschaftung am Oberen Tor. Nach Aufstellung des Automaten blieben den Geschäften viele Kunden weg. Nach gut drei Monaten wurde die Regelung aufgehoben. Die Münnerstädter Künstlerin Mia Hochrein will nun statt der Parkscheine kleine Kunstwerke ausgeben, sie hat allerdings noch technische Probleme zu bewältigen.

Erst in der nächsten Stadtratssitzung - also rund 50 Jahre nach Erscheinen des Artikels über die Parkuhren - wird der Parkscheinautomat indirekt ein Thema sein, denn der Stadtrat muss die Änderung des Haushaltskonsolidierungskonzeptes beschließen. "Wir müssen gegenüber der Regierung nur begründen, warum wir die geplanten Einnahmen nicht erzielt haben", sagte Bürgermeister Helmut Blank gegenüber unserer Zeitung. Das dürfte der Stadt angesichts der 27 Euro, die sich nach über drei Monaten im Parkscheinautomat befanden, auch nicht schwer fallen.

Mit Blick auf die jüngste Stadtratssitzung in Münnerstadt muss dem Autor von damals doch etwas entgegnet werden: "Zweieinhalb Stunden öffentliche Sitzung des Stadtrats sind lang", hatte er geschrieben. Da hat er zwar Recht, aber dreieinhalb Stunden öffentliche Stadtratssitzung sind länger.