"Was die Fachkundigen schon immer wussten, wird jetzt in einem amtlichen Gutachten seinen Niederschlag finden: das Talwasser ist ein ausgezeichnetes Fischwasser." So stand es vor 50 Jahren in der Zeitung geschrieben. Wegen der damals beginnenden Erschließung der Quellen im Tal für die Wasserversorgung der Stadt Bad Kissingen war das Abfischen angeordnet worden, damit das Bayerische Landesamt für Fischerei Starnberg verlässliche Unterlagen für ein damals zu erstellendes Gutachten bekommt.

"Allgemein wurden die Erwartungen übertroffen und als Prachtexemplare eine fast vierpfündige Bachforelle und eine zweieinhalb Pfund schwere Regenbogenforelle festgestellt", hieße es damals. Das elektrische Abfischen erfolgte von einem Schlauchboot aus, die Fische wurden gesammelt, sortiert, gezählt, gewogen und durften dann wieder zurück ins Wasser. "Das festgestellte Ergebnis zeigt, dass im Talwasser als dem Frischwasser, der zahlenmäßig größere Fischbestand vorhanden ist, während das vom Talwasser mit Frischwasser gespeiste Stadtwasser, weniger, aber dafür größere und schwere Fische aufweist", hieß es damals. Rund 175 Kilogramm Fisch wurden insgesamt gesammelt. Weil nicht überall abgefischt werden konnte, ging man noch von einem weit höheren Bestand aus. Beachtlich war das Ergebnis auch deshalb, weil die Laichzeit bereits vorüber war und sich viele Fische wieder in die Lauer zurückgezogen hatten. Und: Zuvor hatte es nach den ersten Pumpversuchen im Tal ein großes Fischsterben gegeben.

Ganz genau erinnern an das Abfischen kann sich Hubert Holzheimer, dessen Familie damals sämtliche Fließgewässer in Münnerstadt (vor der Gebietsreform ohne Stadtteile) gepachtet hatte. Das Elektrofischgerät war von der Firma Preh in Bad Neustadt geliehen worden, sagt er. Hubert Holzheimer schwärmt von den fischreichen Zeiten. Wie auch andere Münnerstädter, kann er sich gut an die Forellen erinnern, die unter den Brücken des Stadtwasser standen. Die fettesten Fische soll es unter der Brücke nahe einer Metzgerei gegeben haben. Dieser Wasserarm ist später verrohrt worden.

Und der Talbach? "Wo kein Wasser ist, sind auch keine Fische", fasst Hubert Holzheimer zusammen. Ab und zu, wenn es der Wasserstand zulässt, verirre sich mal ein Fisch auf der Suche nach einem guten Laichgewässer. Wenn dann der Wasserspiegel fällt, komme er gar nicht mehr zurück.

Warum das Wasser im Talbach so rapide abgenommen hat - dafür gibt es wohl mehrere Gründe. Für viele Münnerstädter ist der Hauptgrund die Entnahme von Trinkwasser durch die Stadtwerke Bad Kissingen. So auch für Hubert Holzheimer: "Meiner Meinung nach wird zu viel Wasser entnommen", sagt er und ist damit bei weitem nicht allein. Von den Stadtwerken kommt aber stets der Hinweis, dass weniger Wasser gepumpt wird, als der Vertrag zulassen würde.

Fest steht, dass besonders in den letzten Jahren der Niederschlag stark nachgelassen hat. Im letzten Sommer sind mehrere kleinere Fließgewässer im östlichen Landkreis Bad Kissingen im Oberlauf trocken gefallen, wie vom Wasserwirtschaftsamt bestätigt wurde. Außerdem nutzen viele Gartenbesitzer im Frühjahr und Sommer das Wasser des Talbachs.

Münnerstadts Bürgermeister Helmut Blank (CSU), der früher Geschäftsleiter des Wasserversorgers Rhön-Maintal-Gruppe war, verweist darauf, dass demnächst über den Wasserrechtsbescheid neu verhandelt werden muss. Und er hat eine ganz klare Meinung dazu: "Als Bürgermeister der Stadt werde ich dringend empfehlen, die Entnahme deutlich zu reduzieren." Der geltende Wasserrechtsbescheid aus dem Jahr 1992 berechtigt die Stadtwerke Bad Kissingen maximal 160 Liter pro Sekunde, 13 000 Kubikmeter am Tag und 2,5 Millionen Kubikmeter im Jahr zu entnehmen. Helmut Blank zweifelt nicht daran, dass dies eingehalten wird, aber bei den sinkenden Niederschläge sei auch das zu viel. Der Wasserrechtsbescheid läuft Ende 2022 aus.