Die Unterschrift ist geleistet, jetzt geht es in die Vollen. Bis zum 31. März nächsten Jahres hat sich die Stadt Münnerstadt das Ankaufsrecht für das ehemalige Bötz-Areal gesichert, optional auch noch länger. Lässt sich ein innovatives Konzept der Wohnbebauung und Renaturierung umsetzen, wird die Stadt das Areal zu einem fest vereinbarten Preis kaufen. Passend dazu hat die Staatsregierung gerade ein Förderprogramm "Landstadt Bayern" auferlegt, das solche Vorhaben unterstützt. Die Bewerbung der Stadt Münnerstadt ist bereits raus. "Der Stadtrat steht voll hinter dem Projekt", betont Bürgermeister Michael Kastl. "Für uns ist das ein Traumprojekt, weil es alle Handlungsstränge, die wir derzeit bespielen, vereint." Damit meint er die Innenentwicklung, dem demografischen Wandel etwas entgegensetzen, den Fachkräftemangel beseitigen, den Trinkwasserschutz und das Entsiegeln von Flächen. Und was genau soll entstehen? "Ein altstadtnahes, ökologisches Wohnen im Grünen und am Wasser", lautet die Antwort des Bürgermeisters.

Fast 30.000 Quadratmeter ist das Areal mit den Glashäusern und Freiflächen groß. Die Gärtnerei Schäfer in der Friedhofstraße gehört nicht dazu. Dort bleibt alles beim Alten. Schon vor einigen Monaten hatte es Gespräche mit dem derzeitigen Eigentümer des früheren Bötz-Areals gegeben, der Verkaufsbereitschaft signalisiert habe. Nach einigen Verhandlungen hat sich die Stadt notariell das Ankaufsrecht gesichert. Der Preis ist fest vereinbart, was Spekulationen unmöglich macht, erläutert Michael Kastl.

Das Gelände nah der Altstadt grenzt an das Trinkwasserschutzgebiet der Stadt Münnerstadt entlang des Talwasserbachs. Daraus ergeben sich besondere Wasserwirtschaftliche Anforderungen für die Nachnutzung. "Wir werden über eine Renaturierung nachdenken." Soll heißen, der schnurgerade Talwasserbach könnte ein neues Bett in neuem Grün erhalten. Und das direkt neben der Stadtmauer und dem Jörgentorpark, der zum Freizeitpark umgestaltet wird. Die Gewächshäuser sollen abgerissen werden. Sie stellen einen städtebaulichen Missstand dar, der Abriss könnte über das Städtebauförderungsprogramm bezuschusst werden. So etwas würde heute mit Sicherheit nicht mehr genehmigt, ist der Bürgermeister überzeugt.

Die Renaturierung eines Teilbereichs ist eine Seite, es gibt aber noch eine andere: ein innovatives Bauprojekt. "Was wir in der Stadt brauchen, sind bezahlbare Wohnungen für Jung und Alt." Zum einen gelte es, für ältere Menschen schöne, möglichst auch altersgerechte Wohnungen zu schaffen, sodass sie aus ihren Einfamilienhäusern ausziehen können, in denen sie oft alleine wohnen. "Dann werden diese Häuser dem Markt zugeführt für junge Familien und wir vermeiden die Versiegelung von Flächen", so der Bürgermeister. Neben den Senioren gehe es vorrangig darum, Wohnungen für Menschen zu schaffen, die in Münnerstadt arbeiten und noch nicht wohnen. "Wir haben mehr als genug Arbeitsplätze in der Stadt, wobei man größtenteils nicht genug verdient, um sich für eine halbe Million Euro ein Haus zu bauen." Gleichzeitig müsse man durch den Wohnungsbau dem Fachkräftemangel entgegenwirken und etwas für die Arbeitgeber tun, die Seniorenheime, Kindereinrichtungen, Einzelhandel, Thoraxzentrum, Nipro, Vorndran und andere.

Hierbei komme die größte Stärke Münnerstadts ins Spiel", betont Michael Kastl. "Die Bewohner dieses Areals können alles fußläufig erledigen: Arzt, Apotheke, Einkaufen, Bahnhof." Bald komme ja auch noch der neue "Tante Enso" hinzu. So würde in den Familien mindestens ein Auto weniger benötigt was bei den Energiepreisen ein wichtiger Faktor sei. Es soll ein ökologisches Quartier werden mit eigener Energieversorgung.

"In einem ersten Schritt werden wir in Gespräche mit den Fachbehörden gehen um auszuloten, in welchem Umfang und in welcher Form wir das Areal bebauen dürfen", sagt der Bürgermeister zur weiteren Vorgehensweise. Am Ende stehe dann wieder ein Art Machbarkeitsstudie. Und das Glück ist mit dem Tüchtigen: "Genau jetzt, wo wir uns das Areal gesichert haben, hat die Staatsregierung ein Förderprogramm aufgelegt, das zu unserem Vorhaben passt wie die Faust aufs Auge." "Landstadt Bayern" fördert innovative Ideen, die die Vorteile des Stadtlebens mit der Lebensqualität auf dem Land verbinden. Das Modellprojekt richtet sich besonders an kleinere Städte. Gefördert wird unter anderem die ?Planung innovativer Projekte. "Gleichzeitig werden uns Experten und später auch Investoren zur Seite gestellt", sagt Michael Kastl.

Vorausgesetzt, Münnerstadt wird ins Programm aufgenommen. Die Bewerbung dafür musste bereits im April vorliegen. Dafür hatten sich der Bürgermeister mit dem Sanierungsbeauftragten Alexander Albert, Kilian Düring vom Stadtmarketing, Kulturmanager Dr. Nicolas Zenzen und Klimamanager Stefan Richter zusammengesetzt. Herausgekommen ist das Projekt "Treibhaus - Neues Wohnen in der Innenstadt". "Es ist eine sehr innovative Bewerbung, die sich von größeren und bekannteren Städten abhebt", ist Michael Kastl überzeugt. Aufgrund der Nähe zur Stadtmauer und zur Altstadt solle etwas Ansprechendes entstehen. "Deswegen hat die Stadt das Ruder in die Hand genommen." Die Planungshoheit habe die Stadt sowieso, jetzt sei noch das Zugriffsrecht hinzugekommen. Es sei nahezu unumgänglich, dieses Areal zu entwickeln.