Im Dezember vergangenen Jahres hatte die Diözese Würzburg entschieden, im Landkreis Rhön-Grabfeld sich nicht nur aus der Trägerschaft des Mehrgenerationen- und Familienbildungshaus in Bad Königshofen zurückzuziehen, sondern auch das Schullandheim Thüringer Hütte abzugeben. Das hatte Landrat Thomas Habermann (CSU) damals durch einen Anruf am Abend vor der Presseveröffentlichung von Generalvikar Jürgen Vorndran erfahren.

Etwas, das der Landkreischef nach wie vor nicht verstehen kann, ist, dass weder er als Landrat noch die Partner der Thüringer Hütte in die Gespräche und damit in die Entscheidung eingebunden waren. Das sei äußerst bedauerlich, vor allem, da es um Themen wie Klimaschutz, die Zukunft des Planeten Erde und Schöpfung handelt, die die Diözese doch favorisiert.

Was passiert mit den Förderungen?

Der Landrat nennt in einem Gespräch die Erweiterung des Energieparks Thüringer Hütte vor zehn Jahren. Damals war man fest überzeugt, dass sich, in Verbindung mit dem Franziskusweg, die Thüringer Hütte durch das neue Energie- und Erdhaus zu einem überregional einzigartigen "Schulungszentrum Energie und Ethik" entwickeln könnte. In diesem Zusammenhang nennt der Landrat die Gesamtkosten von 1,5 Millionen Euro, wobei Zuschüsse über ein Förderprogramm der Europäischen Union, des Kultusministeriums, aber auch durch verschiedene Stiftungen, dem Landkreis Rhön-Grabfeld und dem Freistaat Bayern flossen. In diesem Zusammenhang müsse sich die Diözese Würzburg eigentlich bewusst sein, dass aufgrund einer Trennung, die Rückzahlung der Fördermittel anstehen könnte. Für das geplante Gespräch in Würzburg wird dies alles zurzeit zusammen gestellt, sagte Landrat Thomas Habermann.

Ethische Gründe

Er verweist außerdem auf ein entsprechendes Schreiben, das in Kürze auf dem Schreibtisch von Generalvikar Jürgen Vorndran liegen wird. Darin wird er ausführlich über die Finanzierung des Energieparks Thüringer Hütte informiert. Der Landrat hatte außerdem in den vergangenen Tagen auch mit Bürgermeisterin Birgit Erb (Oberelsbach) und Fridolin Link (Hausen/Rhön) gesprochen. Für beide Kommunen ist die Einrichtung ja ein wichtiger Bestandteil, vor allem auch im Hinblick auf eigene Einrichtungen, wie zum Beispiel die Umwelterziehung in Oberelsbach. Sowohl für die Diözese Würzburg, als auch den Landkreis Rhön-Grabfeld sollte der Erhalt des Schullandheims Thüringer Hütte aus ethischen Gründen, aber auch im Blick auf die Schöpfungsgeschichte, ein ganz zentrales Anliegen sein. "Themen wie Schöpfung, Umwelt und Familie müssten auch in Würzburg in der Prioritätenliste ganz oben stehen", so der Landrat.Was die Inhalte und Schwerpunkte in Würzburg waren, die zu der Entscheidung führten, beide Einrichtungen in eine andere Trägerschaft zu überführen, sei bis heute nicht bekannt, sagt der Landrat im Gespräch weiter: "Sind es betriebswirtschaftliche, seelsorgerische Argumente, Priorisierung der kirchlichen Aufgaben, Familie, Umwelt oder andere, genau das wissen wir alles nicht."

Zum Schullandheim Thüringer Hütte mit dem Energiepark nennt Dekan Andreas Krefft die bewusste Umwelterziehung, dazu ein besonderes Gemeinschaftserlebnis und eine wichtige Einrichtung für eine ganzheitliche Ansprache junger Menschen. Der Dekan verweist auf die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit "ganzem Herzblut" ihre Aufgaben in den einzelnen Häusern wahrnehmen.

Rückblende

Als 2012 der erweiterte Energiepark mit Energie- und Erdhaus in Betrieb genommen wurde, sagte Edmund Gumpert, Umweltbeauftragter der Diözese Würzburg, dass dies ein deutliches Zeichen der Diözese Würzburg dafür sei, dass sie sich nicht nur das Thema Bewahrung der Schöpfung auf die Fahnen schreibt, sondern auch umsetzt. Themen wie Erneuerbare Energien, Einsparen von Energie und das Speichern von Energie werde nicht nur in der Theorie besprochen, sondern auch in Experimenten erfahrbar gemacht. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zum Thema Energie und Ethik stehe im Vordergrund. Der verstorbene Günter Werner, damals Leiter des Jugendhauses Thüringer Hütte, betonte, dass es wichtig sei, das Jugendhaus zeitgemäß weiterzuentwickeln. Eine Besonderheit nannte er damals das Energie- und Erdhaus.

Am 3. Februar will sich die Diözesanleitung bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz zum aktuellen Stand der Tagungshäuser äußern.