"Nur wenn der Druck da ist, passiert was"! Ob Bürgermeister Helmut Blank die Aussage bei seinem Grußwort auf sich bezogen hat, ist nicht überliefert. Doch er hat recht, Münnerstadts Handels- und Einkaufswelt steht unter Druck, unter ganz gehörigem sogar. Gewiss ist man mit seinem Elend nicht alleine, trotzdem ist die globale Auseinandersetzung mit dem "neuen" Kunden auch ein tägliches Hinterfragen nach Verbesserungen vor Ort. Der Gewerbeverein "Kaufhaus Mürscht" hat Hilfe gesucht und sie von der Rid-Stiftung in Form eines Preisgeldes in Höhe von 15 000 Euro bekommen. Dafür werden in den nächsten zwei Jahren Münnerstadts Handels- und Dienstleistungsstrukturen analysiert und in stetiger Zusammenarbeit Lösungswege aufgezeigt.

In der Auftaktveranstaltung hat Christian Kramer von der Beratungsgesellschaft CIMA "DEN" Kunden in seiner vermeintlich liebsten Haltung vorgestellt, als Couchsurfer, umgeben von Fernbedienung und Tablet, vor sich das Paket mit der neuesten Bestellung aus dem Netz von einem Online-Händler.
Kann das Paket auch von einem der örtlichen Einzelhändler kommen, persönlich geliefert oder vom Kunden nach der Online- Reservierung selbst abgeholt? Die Frage zog sich über den rund zweistündigen Diskurs hin und wurde in Ansätzen beantwortet.

Der Referent Christian Kramer konnte mit einer Fülle von Daten den rund 30 interessierten Gewerbetreibenden aufzeigen, dass der digitale Auftritt ihres Unternehmens noch deutlich Luft nach oben lässt. Zwar ist wohl jeder zweite Einwohner im Umkreis von 17 Kilometern bei Facebook registriert und es suchen hier wie anderswo über 80 Prozent der Internetnutzer bei Google, doch ist es mit den individuellen Auftritten zumindest der Kaufhaus Mürscht Mitglieder - die konnte Coach Christian Kramer erfassen - noch insgesamt verbesserungswürdig.

Nach Ansicht Kramers gibt es heute bereits zahlreiche Möglichkeiten für Gewerbetreibende, sich im Netz kostenlos bemerkbar zu machen. Als ein Beispiel nennt er "My Business" von Google. Die Zahl der kostenlosen wie auch der kostenpflichtigen Plattformen sind für den erstmaligen Nutzer nicht einfach zu überschauen, deswegen wird es demnächst ein Angebot von Christian Kramer geben, den Netzauftritt gemeinsam mit Interessierten zu erarbeiten.

Der Glaube des Geschäftsmanns, der Geschäftsfrau, an die Bindungsfähigkeit des Kunden sollte nach Ansicht des CIMA- Coaches mit der "Dreifaltigkeit lokaler Unternehmen" gelebt werden, der Sichtbarkeit der Geschäftsidee, der Erreichbarkeit im Analogen wie im Digitalen und vor allem mit dem Einkaufserlebnis. Augen und Ohren und wo möglich die vorhandenen Sinne sollen zu einem positiven Kaufverhalten führen. Dazu ist auch heute eine zeitgemäße Ladenausstattung sinnvoll und notwendig. Der Kunde auf der Couch nimmt auch davon in Bildern und Videos Kenntnis.
Kein Wunder, wenn Untersuchungen zum traditionellen Kaufverhalten "die fachliche und persönliche Kompetenz des Personals" an erster Stelle nennen. Der Netzkunde sieht hier die umfängliche Produktpräsentation als besonders wichtig an.
Die Stärkung der heimischen Wirtschaft ist natürlich ein kommunalpolitisches Thema. Bürgermeister Helmut Blank "möchte wissen, was beim Kaufhaus Mürscht los ist". Er nimmt gerne neue Anregungen mit, um sie mit der Verwaltung und/ oder mit dem Stadtrat anzugehen. Mit dem 2. Bürgermeister Andreas Trägner und Tourismusreferent Klaus Schebler, sowie dem neuen Stadtmanagement-Team Kilian Düring und Niklas Zenzen zeigte die Kommune starke Präsenz. Ein Lob dafür vom Vorsitzenden von Kaufhaus Mürscht, Arno Reuscher, kam bei den anderen Zuhörern gut an.

Und was bleibt für Münnerstadt nach der ersten Impuls-Veranstaltung vom Kaufhaus Mürscht mit dem Vertreter der Beratungsgesellschaft CIMA, Christian Kramer? Es gilt die Kernkompetenzen des Handels und der Dienstleister in jedem Einzelfall zu überprüfen. Diese sind fachlicher und sozialer Art, sowie der geschickte Umgang mit Methoden. Das wird ein hartes Stück Arbeit für die kleinen Unternehmen. Ein kollegiales Miteinander und gemeinsames Einarbeiten in die digitale Welt kann neue Hoffnungen wecken. Doch auch für Münnerstadt gilt der Satz eines Kollegen von Christian Kramer, dem Strategieberater Alexander Graf: "Überholte Handelsmodelle kann man auch digital nicht mehr retten".