Charlie Friedel ist begeistert. "Die Kinder sind überall herzlichst willkommen", sagt er. Der Leiter des Netzwerkes für soziale Dienste hat schon beste Erfahrungen mit der Akzeptanz des Mürschter Kinderhauses gemacht, wo Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren betreut werden. Im September letzten Jahres eröffneten er und seine Mitarbeiter dann die Mürschter Knopfkiste für Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren. Waren es beim Start drei Kinder, so ist das Haus inzwischen mit sechs Kindern voll belegt. Die Betreuer arbeiten zusammen mit den Eltern daran, dass die Kleinen in ihr Elternhaus zurückkehren können. Das völlig neue Projekt macht Charlie Friedel sichtlich Spaß. Und das gilt für das ganze achtköpfige Team. "Alle, die angefangen haben, werden auch bleiben."

"Es sind Kinder aus Familien in großen Krisen", sagt Charlie Friedel. Das Ziel ist es, den Familien und/oder Alleinerziehenden eine möglichst allparteiliche und faire Chance für Veränderung anzubieten. "Unsere Haltung ist es, dass Eltern generell versuchen, ihr Kind zu fördern und ihm eine gute Zukunft zu gestalten." Die Erfahrungen in der eigenen Herkunftsfamilie, Schicksalsschläge, physische und/oder psychische Erkrankungen und ähnliches der Kinder oder Eltern schütten diese elterlichen Ziele oftmals zu. Das System ist überlastet oder bricht zusammen. Für die Kinder bleibt das nicht ohne Folgen. Manche sind traumatisiert, andere zeigen beginnende Verhaltensauffälligkeiten. Deshalb werden sie vorübergehend aus den Familien genommen und in der Mürschter Knopfkiste rund um die Uhr betreut.

In der Knopfkiste angekommen, sollen die Kleinen erst einmal zur Ruhe kommen. Sie müssen den Wechsel von Eltern oder Pflegeeltern in die Knopfkiste verkraften. In den Kindergarten gehen sie vorerst nicht. Sie müssen sich bereits an eine neue Gruppe gewöhnen, im Kindergarten wäre es die nächste. Und wegen Corona läuft diesbezüglich momentan sowieso nicht viel.

Spielplatzbesuche stehen ganz hoch im Kurs bei den Kindern und zum Einkaufen nehmen sie die Betreuer auch gerne mit. Da gibt es viele schöne Begegnungen. Bei Eisen-Krais beispielsweise haben die Kinder die großen Pappkartons gesehen und sie gleich als Bauprojekt verwendet. Überall werden sie freundlich empfangen. Das gelte besonders auch für die Nachbarschaft in der Coburger Straße. Und die Stadt Münnerstadt hat eine Spende des Bayernwerkes in Höhe von 1000 Euro gleich an die Knopfkiste vermittelt.

Überhaupt sei die Spendenbereitschaft wieder riesig gewesen. "Ein herzliches Dankeschön dafür", sagt Charlie Friedel. Von den Geldspenden haben die Verantwortlichen therapeutisches Spielmaterial gekauft. Sachspenden werden derzeit gar nicht benötigt, weil das Haus voll ausgestattet ist.

"Es ist sehr gut angelaufen", freut sich der Leiter. Und: "Es ist ein wirklich lokales Projekt." Fünf der acht Mitarbeiter der Knopfkiste wohnen in Münnerstadt. Das Netzwerk ist also auch in Bezug auf Arbeitsplatzmöglichkeiten ein wichtiger Faktor. Das Team hat sich schon bestens zusammengefunden. Normalerweise hört bei einem neue Projekt nach ein paar Monaten immer jemand auf, weiß Charlie Friedel aus Erfahrung. Nicht so in der Knopfkiste. Alle acht Mitarbeiter wollen bleiben. Dass sie sich so wohl fühlen, liegt möglicherweise auch am Haus selbst, für dessen Ausgestaltung sich Anja Heide verantwortlich zeichnete. Charlie Friedel erinnert sich an eine Besichtigung durch eine Mitarbeiterin des Jugendamtes, die sich wohl schon mehrere 100 solcher Wohngruppen angesehen hat. "So etwas Schönes und Gemütliches habe ich noch nicht gesehen", habe sie gesagt. Ein wirkliches Kompliment für Anja Heide, die alle Netzwerk Einrichtungen räumlich konzipiert hat.

Nun hat die Arbeit begonnen. Neben der Betreuung der Kinder bedeutet das vor allem, mit den Eltern die richtigen Schritte zu gehen. Es gilt, Belastungen zu reduzieren, gemeinsam aufzudecken, wo es hakt. Dann wird alles getan, um eine eventuelle Rückkehr der Kinder zu ermöglichen. "In der Regel sind die Eltern sehr kooperativ und gehen gute erste Schritte der Veränderung an", lobt der Netzwerk-Leiter. "Die Eltern fühlen sich durch uns wieder ernstgenommen und wertgeschätzt, und das ist die Basis für den notwendigen Mut zur Veränderung." Die Kinder haben auch während der Zeit in der Knopfkiste Kontakt zu ihren Eltern. Sie können telefonieren und Besuch erhalten. "Auch Heimfahrten sind möglich."

Die Kinder kommen aus ganz Franken, kürzlich ist ein äthiopisches Mädchen eingezogen. So ist ein gewisser Bezug zur vorherigen Nutzung des Hauses entstanden. Dieses diente eine Zeit lang als Unterkunft für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge und trug den Namen Akwaaba (Willkommen). So fühlt sich auch das Team der Knopfkiste.

Das Mürschter Kinderhaus, dessen erstes Domizil gleich neben der Knopfkiste lag, wird im Herbst umziehen, weil das Haus in der Reichenbacher Straße verkauft werden soll. "Wir haben da eine sehr gute Lösung gefunden", sagt Charlie Friedel. Für erst einmal 15 Jahre wird das neue Gebäude gepachtet. Das Haus der Knopfkiste in der Coburger Straße gehört dem Netzwerk für soziale Dienste.