Das Jörgentor, das seit geraumer Zeit nicht gerade ein Aushängeschild für die historische Altstadt ist, wird bald wieder unverhüllt an die bewegte Geschichte Münnerstadts erinnern. Einstimmig hat der Stadtrat in seiner Sitzung am Montagabend die Sanierung des Fachwerkaufbaus beschlossen. Dabei handelt es sich aber um eine rein statische Sicherung, eine Nachnutzung des Turms ist nicht vorgesehen, weshalb die Förderung auch gering ist. Rund eine halbe Million Euro lässt sich die Stadt die Sicherung eines ihrer Wahrzeichen kosten.

"Wir haben zwei Möglichkeiten", sagte Bürgermeister Michael Kastl (CSU). Die erste sei, das Jörgentor statisch und optisch zu sanieren. Man könne aber zweitens auch versuchen, eine Nachnutzung zu finden, was über die Städtebauförderung bezuschusst würde, wobei erst einmal eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden müsste. Der Nachteil. Es müsste eine zweiter Rettungsweg gebaut werden (Außentreppe) und es wären bauliche Veränderungen nötig, weil die kleinen Fenster nicht von Jedem im Notfall zum Ausstieg genutzt werden können. "Wir hätten Unterhaltskosten und wir haben noch ganz viele andere Projekte", betont der Bürgermeister, der damit schon klar machte, was er favorisiert: Eine zeitnahe statische Sanierung durch die auch das Erscheinungsbild des Turmes wiederhergestellt wird. Michael Kastl machte auf die besondere Bedeutung des Jörgentors und der Jörgentorgasse als Hauptschulweg und für den Pkw-Verkehr aufmerksam.

Stefan Federlein vom Ingenieurbüro Federlein (Bad Neustadt) nahm die Stadträte erst einmal "zurück auf eine Zeitreise". Im März 2019 hatte er einen Anruf erhalten, weil Teile des Fachwerkaufbaus auf die Straße gefallen waren. Dann wurden als erste Notsicherung Netze an den Giebelseiten gespannt, damit nichts mehr passieren kann. Es stellte sich heraus, das im Fachwerkaufbau innen eine Mauerwerksschale errichtet worden war, die sich mit dem Fachwerk gegenseitig verspannt hatte. Es folgte eine temporäre Notsicherung, durch die die Gebrauchstauglichkeit allerdings extrem eingeschränkt sei.

Es gebe zwar Unterlagen aus verschiednen Zeiten, Bestandsunterlagen seien aber nicht vorhanden, weshalb das Büro für eine Kostenschätzung den Turm erst einmal komplett aufgemessen habe. Diese Schätzung beziehe sich auf eine rein statische Sanierung vom fünften Obergeschoss bis zum Giebel, was dem Fachwerkaufbau entspricht. Die Instandsetzung betrifft das gesamte Fachwerk einschließlich der Lehmausfachungen. An manchen Stellen, so der Experte, sehe das Holz zwar noch wie Holz aus, es sei aber völlig morsch.

Dann kam Stefan Federlein zu den Kosten. Bei 19 Prozent Mehrwertsteuer belaufen sie sich brutto auf 560 000 Euro. Die Bauzeit liegt zwischen zehn und zwölf Monaten. Er erinnerte daran, dass die Tragfähigkeit der Notsicherung nur noch bis 2021 gewährleistet ist. Wichtig sei nun diese nun wiederherzustellen einschließlich der Gebrauchsfähigkeit.

Michael Kastl bezeichnete die Sicherung des Jörgentors als Aufgabe, als Verpflichtung der Stadt. "Es ist ein Wahrzeichen der Stadt", betonte er. Auch wenn es für die Sanierung ohne Nachnutzung keine hohe Förderung gebe, müsse gehandelt werden. "Ich hoffe auf ein klares Zeichen vom Stadtrat." Zwar gebe es bei einer Nachnutzung Fördermittel in Höhe von 80 Prozent, aber eben nur auf die förderfähigen Kosten. Der tatsächliche Zuschuss liege darunter. Und: "Es ist uns nichts eingefallen, wie man den Turm nutzen könnte." Das bestätigte auch Liegenschaftsreferent Norbert Schreiner (Forum Aktiv).

Fabian Nöth (Neue Wege) wollte noch wissen, wie es um das Mauerwerk in den unteren Geschossen bestellt ist. "Kein Handlungsbedarf", sagte Stefan Federlein mit Hinweis auf die dicke der Mauern dazu. Mit Hinweis auf das Auslaufen der Tragfähigkeitsgarantie im nächsten Jahr sprach Torsten Harnus (CSU) von "Gefahr in Verzug", was die Stadt in einem Schreiben an das Landesamt für Denkmalpflege auch zum Ausdruck gebracht habe.

Zumindest am Tag des offenen Denkmals könne man den Turm doch öffnen, fand Klaus Schebler (Neue Wege). Es müsste ein Sicherheitskonzept analog dem des oberen Tores erstellt werden, antwortete der Bürgermeister. Eine Nachnutzung mache keinen Sinn, fand Klaus Schebler. Auf Nachfrage von Rosina Eckert (Forum Aktiv) nannte Michael Kastl eine mögliche Fördersumme von 55 000 Euro. Torsten Harnus wollte wissen, ob die Straße während der Arbeiten gesperrt ist, was nicht der Falls sein wird. Ob die Option einer spätern Nutzung offen bleibe, fragte Christine Martin (Grüne) nach. "Man verbaut sich nichts", lautete die Antwort Stefan Federleins.

50 Jahre halte so eine Sanierung, das Fachwerk müsse aber immer wieder überprüft werden, sagte der Ingenieur auf eine Anfrage von Oliver Jurk (CSU). Das Fachwerk wird so wiederhergestellt, also auch gestrichen, antwortete der Bürgermeister auf eine Anfrage von Britta Bildhauer (SPD) und eine Nutzung ohne zweiten Rettungsweg ist nur sehr beschränkt möglich meinte er auf eine Nachfrage von Adrian Bier (PARTEI). Schließlich stimmten alle anwesenden Stadträte den Vorhaben zu. Die Verwaltung wurde beauftragt die Ausschreibung durchzuführen. "Zumindest die erste Baustelle ist erledigt", sagte Bürgermeister Michael Kastl dazu. Wie sich an diesem Abend wieder einmal zeigte, gibt es noch sehr viele davon.