Die Stadt Münnerstadt wird keine Grünflächen mehr mit Steinen bedecken und die vorhandenen Steinfelder nach und nach wieder in Grünflächen umwandeln. Außerdem wird die Verwaltung prüfen, inwieweit auch private Schottergärten verboten werden können. Auf die Tagesordnung gekommen war das Thema, nachdem sich die Münnerstädterinnen Mia Hochrein, Jutta Ort und Caroline Schwarz in einem offenen Brief an den Bürgermeister und den Stadtrat gewandt hatten.

In der Stadtratssitzung am Montagabend verlas Bürgermeister Michael Kastl (CSU) den Brief der drei Münnerstädterinnen, die den Trend zu den Steinflächen beklagt hatten. Sie hatten gefordert, öffentliche Grünflächen zu erhalten und im Einklang mit der Natur zu bepflanzen. Und auch, private Schottergärten und Kunstrasenflächen zu verbieten. Zur Umsetzung schlugen sie vor, zunächst ein Bepflanzungskonzept für die Grünflächen der Stadt zu erstellen, dann die Flächen entsprechen zu bepflanzen und bei der Pflege ehrenamtliche Helfer zu beteiligen.

Nicht in dieser Amtszeit

Der offene Brief sei kein Antrag, wie ihn beispielsweise die Fraktionen stellen können, sagte der Bürgermeister. "Aber wir könne heute darüber diskutieren." Eines schickte Michael Kastl unmissverständlich voraus: "In meiner Amtszeit wurde keine Steinfläche errichtet."

"Ich habe mich über den offenen Brief gefreut", sagte Umweltreferent Klaus Schebler (Neue Wege). Er habe seinem Ärger Luft gemacht, sagte er und erinnerte an ein Treffen zum Thema Grüngitter im März letzten Jahres, unter anderem mit dem damaligen Bürgermeister Helmut Blank. Da habe es geheißen, dass die Steinflächen weg kommen. Dann kam der Windheimer Ortsreferent richtig in Fahrt. Zwei Bürger hätten ihn angesprochen, weil die Mitarbeiter des Bauhofs Flächen am Damm zwischen Jörgentor und Skaterplatz einschließlich der Wildtulpen gemäht hätten. Er forderte, dass diese Flächen nur im Sommer und im Herbst gemäht werden. Eine Wildbiene bewege sich nur 200 Meter von ihrem Standort, wenn sie nichts findet, verhungert sie. "Wir als Kommune sollten Blühflächen stehen lassen", betonte er. Mit dem Mähen werde Geld und Arbeitszeit verschwendet.

"Ich warne vor einer Skandalisierung", sagte der Bürgermeister dazu. Es gehe hier hauptsächlich um die Steine am Parkplatz Oberes Tor. Der Termin zum Grüngitter sei nicht dieser Amtszeit gewesen, die Umwandlung von Grün- zu Steinflächen keine Einzelaktion. "Ich weiß nicht, wie Ihre Stellungnahme war", sagte Michael Kastl zu Klaus Schebler, der auch schon Umweltreferent gewesen ist, als die Steinflächen geschaffen wurden. "Die Steine müssen weg", fasste der Bürgermeister zusammen. Die Frage sei nur, ob man das jetzt gleich tut, oder im Rahmen des Gestaltungskonzeptes, das Bestandteil des Integrierten Städtischen Entwicklungskonzeptes (ISEK) ist.

Leo Pfennig (Freie Wähler) bedauerte ebenfalls, dass Wiesenblüher abgemäht wurden, bevor sie überhaupt blühen konnten, wandte sich aber gleich dem eigentlichen Thema zu. Die Verwaltung sollte prüfen, welche rechtliche Möglichkeiten der Stadtrat hat, in die Gestaltung von privaten Gärten einzugreifen. Zu den städtischen Steinflächen meinte er, der Stadtrat könne schon jetzt beschließen, dass die Flächen Stück für Stück in diesem Jahr beseitigt werden. Das sei sein Antrag. 2. Bürgermeister Andreas Trägner (Freie Wähler) ergänzte diesen Antrag noch um den Part, dass die Stadt keine neuen Steinflächen schafft.

"Für mich steht auch fest, das sie wegkommen", meinte Michael Kastl dazu. Er stelle sich die Frage, wie die städtischen Steinflächen danach gestaltet werden können. Er gab aber auch zu Bedenken, dass man mit Verboten oft nicht das erreiche, was man erreichen wolle. Es sei auch die Frage, wie man damit umgehe, ob man alles verbieten wolle. Bei neuen Bebauungsplänen stehe stehe es dem Stadtrat frei, Schottergärten und Kunstrasen zu verbieten.

Wie die dann wieder geschaffenen Grünflächen der Stadt künftig gepflegt werden sollen, diskutierten die Stadträte eindringlich. Oliver Jurk (CSU) meinte, dass dafür Personen gefunden werden müssten. "Wenn wir die Steine wegmachen, ist es Aufgabe der Stadt", entgegnete der Bürgermeister. Man müsse Anreize für eine ehrenamtliche Pflege schaffen, so Leo Pfennig. Zuerst müssten Patenschaften übernommen werden, erst dann sollte man die Flächen umgestalten", fand Jürgen Eckert. Wenn alles wieder an der Stadt hänge, müsste man noch jemanden einstellen. Genau das sei eine mögliche Alternative, sagte Michael Kastl dazu. "Wer A sagt, muss auch B sagen." Denn selbst wenn jemand eine Patenschaft über eine Grünfläche übernimmt, wisse man nicht, wie lange er das tut.

"Wenn wir das daran koppeln, dass wir Ehrenamtliche finden, sind wir in zwei Jahren noch nicht weiter", sagte Leo Pfennig. Johannes Röß (CSU) wollte zunächst nur beschließen, dass es keine neuen Steinflächen gibt und dann schauen, ob die Bereitschaft da ist, Patenschaften zu übernehmen. Man sollte es nicht davon abhängig machen, ob Ehrenamtliche gefunden werden", meinte Adrian Bier (PARTEI). Johannes Wolf (Grüne) schloss sich Leo Pfennigs Meinung an. Man könne nicht alles aus dem offenen Brief umsetzen. "Wir sollten ein Signal setzen, dass wir es ernst nehmen." Christine Martin (Grüne) formulierte es noch etwas schärfer. "Wir können die Verpflichtung der Stadt nicht Ehrenamtlichen aufs Auge drücken."

Es gehe doch hauptsächlich um die Flächen am Oberen Tor", erinnerte Arno Schlembach (CSU). Da habe man nicht so viele Gestaltungsmöglichkeiten. Ein mögliches Problem wurde bei der Diskussion deutlich: Bürger wären wohl eher bereit, von ihnen gestaltete Flächen zu pflegen, als welche, die von der Stadt gestaltet wurden. Adrian Bier forderte schließlich einen allgemeinen Beschluss, Details könne man später besprechen. Leo Pfennig korrigierte seinen Antrag noch einmal dahingehend, dass die Steinanlagen nicht unbedingt in diesem Jahr abgebaut werden müssen.

"Es ist Aufgabe der Stadt", betonte Michael Kastl noch einmal und wiederholte das Argument von Christine Martin, dass man dies nicht den Ehrenamtlichen aufs Auge drücken könne. Und so wurde der Antrag von Leo Pfennig und Andreas Trägner bei vier Gegenstimmen beschlossen.