Am kommenden Wochenende darf es wieder Gottesdienste geben. Während die katholische Pfarrei St. Maria Magdalena sich entschlossen hat, zumindest in der Stadtpfarrkirche Wortgottesdienste anzubieten, hat sich der evangelische Kirchenvorstand nach reiflicher Überlegung zu einer Bedenkzeit durchgerungen und verzichtet momentan noch auf Gottesdienste. "Diese ganzen Freiheitseinschränkungen hätten wenig von der Würde und Nähe der bisherigen öffentlichen Gottesdienste der evangelischen Kirche, war die einhellige Meinung der meisten Kirchenvorsteher/innen," heißt es in einer Pressemitteilung der evangelischen Gemeinde. Erst am 14. Mai soll eine Entscheidung fallen.

Die katholische Pfarrei will dagegen zwei Gottesdienste trotz der strengen Regeln zum Schutz vor einer Corona-Infektion feiern. Innerhalb der Pfarrei St. Maria Magdalena werden diese vorerst nur in der Stadtpfarrkirche Münnerstadt stattfinden. Die ersten Gottesdienste sind am Samstag, 9. Mai um 18.30 Uhr und am Sonntag, 10. Mai, um 10.30 Uhr. Da die Teilnehmerzahl jeweils auf rund 60 Gläubige beschränkt wird, ist allerdings eine Anmeldung für die Gottesdienste erforderlich. Anmeldungen sind möglich im Pfarrbüro (Tel. 09733/9630). Diese Regelung gilt auch für das darauffolgende Wochenende (16. Mai, 18.30 Uhr Wortgottesdienst und Sonntag, 17. Mai: 10.30 Uhr Wortgottesdienst) sowie für Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 21. Mai (10.30 Uhr Wortgottesdienstfeier).

Wer sich angemeldet hat, kann sich ein bisschen wie bei einem Konzertbesuch fühlen. Denn bei den Gottesdiensten besteht für die Gläubigen keine freie Platzwahl. Die Plätze werden zugewiesen.

Der Zugang erfolgt über den Seiteneingang der Stadtpfarrkirche auf der Südseite, der Ausgang dann über das Hauptportal. Mundschutz muss getragen werden. Somit versucht die Pfarrei, den strengen Hygiene-Auflagen gerecht zu werden.

"Das klingt alles sehr streng und umständlich und ist es auch,"stellt Stadtpfarrer P. Markus Reis zu den Vorschriften fest. Aber er rechnet fest mit der Vernunft und Geduld der Gläubigen. "Es kostet Opfer, miteinander Gottesdienst zu feiern, wie es für die Christen schon früher Opfer gekostet hat", schreibt er in seinen Erläuterungen. Deshalb zeigt er auch Verständnis dafür, wenn Gläubige den Gottesdienst lieber am Fernsehen oder im Internet mitverfolgen, weil ihnen die Hürden für den Besuch vor Ort zu hoch sind.

In der Klosterkirche finden an den Sonntagen 10. und 24. Mai sowie 7. Juni Vesper-Gottesdienste des Augustinerordens um 18.30 Uhr statt. Zur Verfügung stehen 32 Plätze.

Heuer keine Hubertusmesse

In der Talkirche wird es in diesem Jahr keine öffentlichen Maiandachten geben. Denn das kleine Gotteshaus erfüllt nicht die von der Diözese genannten Bedingungen. Eine Verlegung ins Freie scheitert nach Ansicht der Pfarrei ebenfalls an den Vorgaben. Auch die für Pfingstmontag vorgesehene Hubertusmesse entfällt aus diesem Grund.

Für das persönliche Gebet stehen die Talkirche wie auch die Kirchen in Burghausen und Reichenbach und in Münnerstadt sonntags offen, und zwar von 14 bis 16 Uhr. Auch hier verweist Pfarrer P. Markus Reis auf strenge, geltende Regelungen zum Infektionsschutz: Es dürfen nicht mehr als fünf Personen gleichzeitig in der Kirche sein. Der Abstand zueinander muss mindestens zwei Meter betragen.

Dass es in der evangelischen Kirchengemeinde von Münnerstadt derzeit noch keine Gottesdienste geben wird, begründet Pfarrer Martin Hild mit den hohen Hürden zur Einhaltung des Infektionsschutzes. Desinfektion wie beim derzeitigen Betreten eines Ladens, Mund-Nase-Schutz während des gesamten Gottesdienstes, großer Abstand zwischen den Einzelnen, anschließende Desinfektion der Plätze. Das Singen wäre nur einer eventuellen Vorsängerin erlaubt. Kein Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst, keine Unterhaltung zwischen den Einzelnen, keine Berührungen seien erlaubt, so seine Aufzählung. Die kleine Kirche würde auch nur 17 bis 21 Gästen den Zutritt ermöglichen können. Das ginge nur über vorherige Anmeldung. Weitere Besucher müssten dann weggeschickt werden.

Darum habe der Kirchenvorstand beschlossen, sich und den Gemeindegliedern ausreichend Zeit zum Nachdenken über die neuen Bedingungen zu geben: Die Frage sei: "Sollen unter diesen Bedingungen überhaupt Gottesdienste vor Ort stattfinden? Möglicherweise und aus Sicherheitsgründen schauen die Menschen lieber zu Hause ihren Fernsehgottesdienst oder nutzen die anderen Angebote der Kirche, statt sich diesem Zerrbild bisheriger gottesdienstlicher Versammlungen zu unterwerfen", so die Überlegungen auf evangelischer Seite.

Ansicht der Gemeinde

Die Kirchenvorstände mit Vertrauensmann Harry Koch und Pfarrer Martin Hild und auch die Prädikant/innen der Kirchengemeinde hoffen jetzt auf Rückmeldung, wie die Gemeindemitglieder die Situation sehen. Diese können im Pfarramt zu den üblichen Öffnungszeiten Dienstag 9 bis 12 und Freitag 9 bis 11 Uhr anrufen oder sich bei einer zufälligen persönlichen Begegnung mitteilen. Über das weitere Vorgehen in der Gottesdienst-Frage will der Kirchenvorstand am 14. Mai entscheiden. Dabei sollen auch die Meinungen der Gemeindemitglieder gegenüber dem derzeitigen Gottesdienst-Fasten mit einfließen.