Enttäuscht zog Manuel Zeller von dannen. Der Marktgemeinderat Maßbach hatte die Pläne seiner Firma Südwerk aus Burgkunstadt, in Maßbach vier neue Photovoltaik-Freiflächenanlagen zu errichten, abgelehnt. Mehr noch: Das Gremium fasste mit neun gegen fünf Stimmen den Grundsatzbeschluss, dass in Maßbach keine weiteren derartigen Anlagen genehmigt werden sollen. Im nichtöffentlichen Teil einer Sitzung Ende April war das Thema schon einmal behandelt worden, teilte Bürgermeister Matthias Klement (CSU) mit.

Manuel Zeller erläuterte, dass Südwerk vier Standorte verwirklichen wollte. "Mittelberg" östlich von Poppenlauer sollte 18 Hektar umfassen, von denen im ersten Bauabschnitt nur 12 oder 13 überbaut werden sollten. Die weiteren Flächen "Possenberg" südlich des jetzigen Windrades in Poppenlauer, "Steinberg" bei Weichtungen und "Süd" entlang der Autobahn sollten kleiner ausfallen. Manuel Zeller gab sich alle Mühe, die Marktgemeinderäte zu überzeugen. "Wir haben unsere Pflichten bei früheren Projekten vertragsgemäß erfüllt", betonte er. Maßbach sei in der Energiewende schon weiter als andere Gemeinden und könne auf den neuen Flächen 50 Prozent des Energiebedarfs der Gemeinde erzeugen.

Zu bedenken sei, dass der Strombedarf überall wegen Umstieg auf die Elektromobilität steige. Die Flächen unterhalb der Solarmodule würden nicht gedüngt, es würden keine Pestizide gespritzt. Eine Blühmischung speziell für Solarparks schaffe ein Biotop und einen Lebensraum für Bienen. In der ältesten bayerischen Anlage gebe es in den Hecken hinter jedem zweiten Solarmodul ein Vogelnest. "Sie kaufen sich bei wenig Risiko große Chancen ein", betonte er.


Internetumfrage gescheitert

Bürgermeister Matthias Klement teilte mit, dass zu diesem Thema eine Umfrage unter den Bürgern gestartet worden war. Auf der Internetseite der Gemeinde konnten sie ihre Meinung kundtun. Zu "Mittelberg" und "Possenberg" hatte offenbar kein einziger Bürger eine Meinung. Dem Standort "Steinberg" stimmen 30 Bürger zu, sechs sind dagegen, einer würde eine verkleinerte Fläche befürworten. Für den Standort "Süd" entlang der Autobahn sind 18 Bürger, 13 dagegen und drei wünschen sich eine Verkleinerung der Fläche. Klement musste allerdings einräumen, dass diese Internet-Umfrage kaum Aussagekraft hat. Sie habe technisch nicht so richtig funktioniert. Einige Teilnehmer hätten möglicherweise innerhalb weniger Minuten mehrfach abgestimmt - "die Internetumfrage muss ich als gescheitert ansehen."

Werner Heuchler (WGP) erinnerte daran, dass Bürger in einer Versammlung Sorge über den Verlust von Ackerland und von Naherholungsgebiet geäußert hätten. Wenn man ein Meinungsbild der Bevölkerung bekommen wolle, dann sei eine Bürgerversammlung nötig. Dem stimmte auch Achim Bieber (BBP) zu: "Das geht nur mit den Bürgern, machen wir eine Versammlung. Felix Neunhoeffer (SPD) ergänzte "wenn wir das Thema weiterverfolgen, dann können wir heute weder ja noch nein sagen, sondern müssen Bürgerversammlungen in Weichtungen und Poppenlauer machen." Er warf auch die grundsätzliche Frage in den Raum: "Gehen wir diesen Weg weiter oder reicht es jetzt?"

Auch weitere Marktgemeinderäte äußerten sich kritisch. Volker Röder (FWV) hob hervor, dass die Weichtunger Bürger dagegen seien, da die vorgesehene Anlage zu nah am Ort sei. "Wir haben genug, wir brauchen keine zusätzlichen Flächen", ergänzte Christoph Klement (CSU).

Manuel Zeller zog ganz zum Schluss noch ein Ass aus dem Ärmel und meinte, dass auch Direktvermarktung des erzeugten Stroms möglich sei. Damit könnten die Bürger in der Nachbarschaft der Anlagen dann die Energie um zwei Cent billiger pro Kilowattstunde bekommen. Das sei immerhin eine Chance, dass der Nutzen einer derartigen Anlage auch beim Bürger ankomme, meinte dazu Bürgermeister Klement. Doch es half nichts mehr: Neun Marktgemeinderäte hoben für den Grundsatzbeschluss die Hand, dass keine weiteren Flächen auf Maßbacher Gemarkung für Fotovoltaik ausgewiesen werden sollen. Fünf Marktgemeinderäte stimmten gegen diesen Beschluss.



Zur Info:
Photovoltaik-Anlagen in Maßbach
Entlang der A 71 23 Hektar gebaut und in Betrieb.
Solarpark Maßbach 43,55 Hektar planungsreif
Solarpark Poppenlauer 11,15 Hektar planungsreif
PV-Anlage Volkershausen 12, Hektar Zustimmung erteilt

Kommentar von Dieter Britz:
Nun hat der Marktgemeinderat also mit großer Mehrheit beschlossen, dass grundsätzlich keine Photovoltaik-Anlagen in Maßbach mehr erlaubt werden sollen. Dass ein solcher Beschluss gut und richtig ist, darf bezweifelt werden. Gerade wurde das Atomkraftwerk in Grafenreinfeld geschlossen und vielleicht wird bald die Suedlink-Trasse zum großen Aufreger-Thema auch in Maßbach. Deshalb sollten die Maßbacher Marktgemeinderäte daran denken, dass eine umweltfreundliche und dezentrale Stromerzeugung wie die Photovoltaik nicht für die Zukunft "grundsätzlich" blockiert werden sollte.
Schön fürs Auge sind die Anlagen natürlich nicht, aber sie machen keinen Krach, sie stinken nicht - was will man mehr? Entlang der Autobahn stört eine Photovoltaik-Anlage sowieso niemand und das Gelände ist genutzt. Über die sonstigen Standorte kann man durchaus reden und vor allem auch darüber, ob sie wertvolles Ackerland blockieren. Aber dazu wäre es besser gewesen, erst einmal in Bürgerversammlungen in den am meisten betroffenen Ortsteilen die Meinungen der Bürger auszuloten, anstatt gleich eine negative Grundsatzentscheidung zu treffen. Vielleicht orientieren sich die Maßbacher aber auch an den Rannunger Nachbarn. Der dortige Gemeinderat lehnte die Erweiterung einer Anlage und den Neubau einer Anlage in der Nähe ab. Wenige Wochen später wurde dann wenigstens die Erweiterung doch noch genehmigt.