Andreas Trägner (Freie Wähler) ist zurück. Es ist seine erste offizielle Urlaubsvertretung für Bürgermeister Michael Kastl (CSU). Ein Heimspiel für Andreas Trägner. "Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung ist sehr gut", sagt er. "Ich kenne sie ja alle." Klar, denn Andreas Trägner ist seit dem 1. Juni 2017 der 2. Bürgermeister der Stadt Münnerstadt. Allerdings war er unter dem früheren Bürgermeister Helmut Blank (CSU) mehr als zwei Jahre nicht als Vertreter eingesetzt worden.

Alle Türen sind offen

Aber Andreas Trägner blick nach vorn. Er wirkt entspannt, obwohl er viel zu tun hat. Er arbeitet bei der Firma Seger-Transport - auch jetzt. "Ich komme aber jeden Früh und jeden Nachmittag ins Rathaus", sagt er. Zwischendurch hat er mal einen Tag Urlaub, dann kann er sich ganz den städtischen Aufgaben widmen. Für seine Chefin ist das kein Problem. "Das ist ja das Gute an der Zusammenarbeit", sagt er. Andreas Trägner weiß schon lange, dass er in dieser Zeit Michael Kastl vertreten soll. "Da konnte ich das entsprechend mit meinem Arbeitgeber abstimmen." Schön ist für ihn auch, dass ihm alle Räume offen stehen, selbst die Schränke im Bürgermeisterzimmer sind unverschlossen. Das war nicht immer so.

Am 1. Juni 2017 war Andreas Trägner zum 2. Bürgermeister gewählt worden, nachdem der vorherige 2. Bürgermeister Michael Kastl von diesem Amt zurückgetreten war. Dieser hatte bereits vier Monate Vertretung des damaligen Bürgermeister Helmut Blank hinter sich. Am 1. Juni übernahm Andreas Trägner die Amtsgeschäfte und führte sie bis zur Rückkehr Blanks am 31. Juli aus. Im Februar 2018 vertrat er noch einmal für vier Wochen den Rathauschef. "Von März 2018 bis zum 30. April 2020 hatte ich keinen einzigen Vertretungstag." Ab und an wurde er mal offiziell zu einer Veranstaltung geschickt. "Aber das kann man ab einer Hand abzählen."

Grußwort als Stadtrat

Diese Situation stellte Andreas Trägner, aber auch den 3. Bürgermeister Axel Knauff (SPD), vor erhebliche Probleme. Es kam nämlich mehrfach vor, dass sie als Stadträte zu Veranstaltungen gingen, bei denen der 1. Bürgermeister nicht erschien. Dann wurden oft die Stellvertreter von den Veranstaltern gebeten, ein Grußwort zu sprechen oder am Spatenstich teilzunehmen. Eine schwierige Situation für Andreas Trägner und Axel Knauff, denn wenn sie keinen Auftrag vom 1. Bürgermeister hatten, konnten sie ihn offiziell auch nicht vertreten. Zu den prominentesten Beispielen zählen der Spatenstich am BBZ, die Ausstellungseröffnung "Zünfte" im Deutschordensschloss oder der Bayerische Honigtag. Irgendwann gingen sie dazu über, sich auf kleine Grußworte vorzubereiten, für den Fall, dass sie eins brauchen, gesteht Andreas Trägner.

Das ist vorüber. Der Stadtrat hat ihm erneut das Vertrauen geschenkt, diesmal mit großer Mehrheit, also auch mit vielen Stimmen der CSU. Sehr schnell nach der Wahl hatte er seinen Hut in den Ring geworfen. "Ich habe Michael Kastl angerufen und ihm zu Wahl gratuliert", sagt Andreas Trägner, der ja selbst ins Rennen um das Bürgermeisteramt gegangen war. "Wir haben uns lange am Telefon unterhalten und dabei hat es sich so ergeben."

Sitzungen in der Diele

Und nun ist er zurück im Rathaus. In Abstimmung mit Michael Kastl wurden jetzt in der Diele im Obergeschoss Tische und Stühle aufgestellt. Dort sollen künftig die Stadtrats- und Ausschuss-Sitzungen stattfinden. "Hauptsächlich wegen der Akustik", sagt Andreas Trägner. In der Alten Aula ist es sehr schwierig, die Wortbeiträge zu verstehen. Ein zweiter Grund: Die Alte Aula wird bald wieder für kulturelle Veranstaltungen gebraucht. Alle 24 Stadträte und Ortssprecher sowie 14 Gäste finden in der Diele Platz.

Corona bleibt ein Thema

Was steht momentan an? "Der Abbruch der Gebäude auf dem Jägergrundstück", sagt der 2. Bürgermeister. Jeden Tag kann es losgehen. "Die Baustelleneinrichtung ist fertig." Und was noch? Da wird Andreas Trägner nachdenklich. "Corona ist noch ein Riesen-Thema." Urlaub, Rückkehrer und vor allem der Beginn des neuen Schuljahres beschäftigen ihn. Erst am 1. September soll es dazu eine Pressekonferenz geben. "Das fällt mitten in die Urlaubszeit des Bürgermeisters." Da gelte es schnell zu handeln.

Nach einer kurzen Sommerpause fand jetzt auch wieder der erste Baustellentermin an der Ortsdurchfahrt in Reichenbach statt. Das hat dann gleich mal zwei Stunden gedauert. Es gibt viel zu besprechen bei so einem Mammut-Projekt. Andreas Trägner hebt die gute Zusammenarbeit mit dem Oberbauleiter Steffen Kiesel vom Landratsamt und den Vertretern der Baufirma hervor.

Er wollten den Chefsessel im Rathaus, nun darf er nur als Vertreter dort sitzen. Die Frage ist unvermeidlich: Ist das nicht ein komisches Gefühl? Andreas Trägners Antwort kommt schnell und deutlich: "Nein", sagt er. "Natürlich wollte ich Bürgermeister werden, aber in erster Linie ist es uns allen wichtig, dass die Stadt Münnerstadt mit ihren Stadtteilen endlich wieder vorankommt", betont er. "Und vor allem - ganz wichtig - dass die Zusammenarbeit, so wie sie jetzt ist, bleibt. Das war ja auch der Wunsch aller Bürgermeisterkandidaten."

Andreas Trägner ist erst seit ein paar Tagen im Amt, die Frage nach dem schönsten Erlebnis erübrigt sich eigentlich. Aber er hat doch eine Antwort parat: "Das Schönste ist, dass die Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister und dem Stadtrat so gut ist."