Damit hatte wohl kaum jemand gerechnet: Normalerweise sind die Verantwortlichen einer Kommune froh, wenn sie Fördermittel in der beantragten Höhe bekommen. Münnerstadt hat nun eine Förderzusage im Rahmen des Sonderprogramms "Innenstadt beleben" erhalten, die über die beantragten Mittel hinausgeht. 530 000 Euro sind als förderfähig anerkannt worden, bei einer Förderquote von 80 Prozent (rund 424 000 Euro). Das liegt daran, dass sich ein Teil über vier Jahre erstreckt und dementsprechend bezuschusst wird. Bürgermeister Michael Kastl (CSU) will keine Zeit verlieren. Bereits in der nächsten Woche trifft sich der Arbeitskreis, der schon vor der Beantragung der Mittel zusammengekommen war. Jetzt geht es um die konkrete Umsetzung.

Bei einem Gespräch mit den Wirtschaftsreferenten Christine Martin und Johannes Wolf (Bündnis 90/ Die Grünen) sowie dem Vorsitzenden des Gewerbevereins "Kaufhaus" Mürscht, Arno Reuscher, erläuterte der Bürgermeister Details zu dem Förderprogramm. Die Stadt Münnerstadt hat ihre Vorhaben in drei Säulen untergliedert. Da wäre zunächst ein Katalog von Vorhaben, die relativ flexibel zur Innenstadtbelebung eingesetzt werden können (100 000 Euro).

Die zweite Säule ist ist die Erweiterung des Kommunalen Förderprogramms. Wurde bisher lediglich die Sanierung von Fassaden mit den Fenstern bezuschusst, so gilt das nun auch für die Erdgeschosse. "Egal, ob es sich dabei um Läden oder Wohnungen handelt", sagt der Bürgermeister. Jeweils 75 000 Euro stehen dafür vier Jahre lang zur Verfügung, insgesamt also 300 000 Euro.

Die Anmietung von drei leer stehenden Geschäften durch die Stadt Münnerstadt für zwei Jahre ist die dritte Säule. Die Kommune stellt die Nutzbarkeit her und vermietet zwei dieser Geschäfte dann günstig an Startup-Unternehmen.Das dritte ist für den Klimaschutzmanager Stefan Richter vorgesehen und soll ein Umweltzentrum werden. 65 000 Euro sind dafür vorgesehen, insgesamt also 130 000 Euro.

Dieses Förderprogramm ermögliche es, einfach einmal etwas auszuprobieren, das sei ganz bewusst gewollt, betont Michael Kastl. "Das trifft in Münnerstadt auf fruchtbaren Boden; wir wollen ja die Zukunft gestalten." Die Bemühungen hat der Fördergeber anerkannt und das Geld bereit gestellt. "Wir haben mehr bekommen als wir wollten. Das hat man selten", sagt dazu Christine Martin.

Der Bürgermeister erinnerte an die erste Sitzung des Arbeitskreises, bei der die Teilnehmer Ideen sammelten, wie man die Innenstadt beleben könnte. Das Kuriose dabei: Sie kamen zu dem Schluss, dass eine Eisdiele das beste Mittel wäre, um Leuten ins Zentrum zu locken. Zwei Wochen später öffnete Venezia 2 am Marktplatz.

Bei dem Gespräch ging es hauptsächlich um die erste Säule, also einen Vorhabenkatalog zur Innenstadtbelebung. Ganz wichtig ist für Arno Reuscher ein digitales Schaufenster. Da soll zeigen, was es in der Stadt alles gibt. Das betrifft nicht nur das Gewerbe, sondern auch Veranstaltungen. "Wir wollen die Leute aus der digitalen Welt in die Innenstadt holen", erläuter Arno Reuscher. Die neue Plattform soll einerseits eine Art "Gelbe Seiten" sein und auch alles andere aufzeigen, was Münnerstadt sonst noch zu bieten hat. "Wir haben viel zu zeigen", ist der Bürgermeister überzeugt.

Sitzmöglichkeiten und Fahrradständer sind ein weiteres Standbein. Die Fahrradständer könnten dann gleich als Werbeträger für die Stadt dienen, meint der Bürgermeister. "Wir wollen die Aufenthaltsqualität erhöhen", fügt Arno Reuscher hinzu.

Ganz wichtig wird die flexible Nutzung des öffentlichen Raums. Das zielt hauptsächlich auf die Außengastronomie ab. Wegen Corona sind die Kommunen gehalten, sehr großzügig damit umzugehen. In Münnerstadt können verschiedene Gastronomiebetriebe Parkplätze für ihre Außengastronomie nutzen. Aber für die Zukunft müssen Regelungen getroffen werden. "Wir wollen das flexibel gestalten", sagt Michael Kastl und führt dazu die neue Eisdiele als Beispiel auf. Diese darf momentan einen Parkplatz für die Außenbewirtschaftung nutzen. Geplant ist eine flexible Lösung, das heißt am Samstagmittag, wenn die Geschäfte schließen, können sich die Eisdiele und andere Gaststätten ausbreiten. Am Montagmorgen muss dann wieder alles geräumt sein, damit die Flächen als Parkplatz zur Verfügung stehen. Das Geld aus dem Förderprogramm ist für mobile Lösungen gedacht.

Sollte dann noch Geld übrig sein, gibt es eine lange Wunschliste. Ein besseres Beleuchtungskonzept für die Innenstadt gehört dazu. Es gibt viele Dinge, die der Bürgermeister und seine Mitstreiter angehen wollen. Und erste Erfolge zeigen sich schon. "Die Aufbruchstimmung kommt an bei den Bürgern", sagt Christine Martin.