Als Fritz Beudert am Pfingstsonntagsmorgen die steile Treppe zur Empore der Stadtpfarrkirche Sankt Maria Magdalena hochging, zu seinem angestammten Platz im Kirchenchor, ahnte er noch nichts. Dann erfuhr er von Kantor Peter Rottmann, dass er gegen Ende des Gottesdienstes nach vorne zu Stadtpfarrer Pater Markus Reis OSB in den Kirchenraum kommen sollte. Dieser überreichte Beudert dort vor allen Gottesdienstbesuchern für seine Verdienste um die Pfarrei, vor allem natürlich für seinen jahrzehntelangen Einsatz im Kirchenchor, die Ehrennadel des Bistums Würzburg.


Vielfältiges und großes Engagement

Verliehen wurde diese Fritz Beudert von Diözesanadministrator Weihbischof Ulrich Boom, der auch
die Verleihungsurkunde unterschrieben hatte. "Wir ehren heute jemand, der seit gut 70 Jahren bei uns in verschiedenen Chören singt", betonte Pater Markus. Angefangen habe der heute 82-Jährige
bei den Sängerknaben. Pater Markus vergaß in seiner Laudatio auch nicht, dass Fritz Beudert Briefe der Pfarrei austrägt und bei Versandaktionen mitmacht, und dass er als Mitglied der Putzkolonne mit dazu beiträgt, dass die Besucher stets eine saubere Kirche vorfinden. "Als Respekt vor den Toten der Kirchengemeinde ist er bei fast allen Beerdigungen dabei", sagte Pater Markus. Er dankte Beudert für seinen Einsatz, heftete ihm die Ehrennadel an und überreichte ihm mit einem herzlichen Handschlag die Urkunde.

Fritz Beudert machte es kurz und bedankte sich mit wenigen Worten für die Ehrung. Nach dem Gottesdienst allerdings, auf dem freien Platz vor der Stadtpfarrkirche, konnte er sich vor Glückwünschen von Freunden und Bekannten kaum retten. Trotzdem blieb noch Zeit für ein Gespräch mit dem Mitarbeiter dieser Zeitung. Mit der Ehrung schon dieses Jahr hatte er gar
nicht gerechnet - "vielleicht nächstes Jahr mal, wenn ich 75 Jahre im Chor bin".


Mit acht Jahren im Knabenchor begonnen

1944, damals war er gerade einmal acht Jahre alt, trat er als Sängerknabe in den Knabenchor der Stadtpfarrkirche ein. Seitdem singt er ununterbrochen zur Ehre Gottes. Wie viele Chorleiter und Kantore er in dieser Zeit erlebt hat? "Ein halbes Dutzend wird es schon gewesen sein", meint Beudert.
Er erinnert sich noch daran, dass während der Nazi-Zeit die kirchliche Arbeit, also auch die Tätigkeit im Chor, fast im Geheimen stattfinden musste. Bis zum Zweiten vatikanischen Konzil wurden Messen noch in Latein gesungen. Auch daran hat er lebhafte Erinnerungen, denn dazu waren intensivere Proben nötig.


Hoch verdient

Fritz Beudert kommt ursprünglich aus der Landwirtschaft und arbeitete dann in der Forstverwaltung. Seitdem er in Rente ist, ist ihm auch die Sauberkeit in der Stadtpfarrkirche ein Anliegen, und er kümmert sich um die Verteilung von Post. Er versieht seinen Dienst unauffällig und so bescheiden, dass er gar nicht zur höchsten Ehrung vor die Kirchengemeinde treten wollte. Aber alle waren sich einig: Er hat sie hoch verdient.