Es ist heiße Ware, die in den letzen Jahren immer heißer geworden ist. Unter den unzähligen Exponaten, die Peter Genth in den 1970er und 1980er Jahren zusammengetragen hat, waren auch etliche historische Waffen aus den Jahren 1800 bis 1945. Das Waffenrecht ist in den letzten Jahren mehrfach verschärft worden, auch historische Waffen sind meist erlaubnispflichtig. Diese müssen auf einer Waffenbesitzkarte und im Nationalen Waffenregister eingetragen sein, so Museumsleiter Dr. Nicolas Zenzen, der auch darauf verweist, dass der Besitz von solchen Waffen ohne Waffenbesitzkarte eine Straftat darstellt.

In Schweinfurt gelagert

Zweimal war das Problem im vergangenen Jahr Thema in nichtöffentlichen Stadtratssitzungen gewesen. 42 Waffen sind von dieser Regelung betroffen, sie waren früher auf zwei Depots verteilt und sind seit einiger Zeit bei der Firma Waffen Albert in Schweinfurt, was der Stadt auch Kosten verursacht, ohne dass das Museum etwas davon hat. "Das kann keine dauerhafte Lösung sein", sagte Nicolas Zenzen gegenüber unserer Zeitung. In einer Präsentation hatte der Museumsleiter bereits letztes Jahr die Optionen zusammengefasst.

Kein konkreter Bezug

Prinzipiell sei es möglich, die Waffen mit kulturhistorischer Bedeutung im Museum auszustellen, dessen Aufgabe ja die Bewahrung von Kulturgut ist. Jedoch haben diese Waffen keinen konkreten Bezug zu Münnerstadt. Bei einer Aufbewahrung im Museum müssten die Waffen auf eine Person eingetragen werden, sie gelten dann sozusagen als Privatbesitz, erläuterte Nicolas Zenzen. Bei einem Personalwechsel müssten die Waffen übertragen werden. Der Kauf von Waffenschränken käme hinzu, außerdem sei die Nutzung der Waffen zu Ausstellungszwecken mit hohen Auflagen verbunden.

Die Waffen funktionsuntüchtig zu machen, wäre eine weitere Option. Die Waffen könnten so ohne Einschränkungen aufbewahrt und ausgestellt werden. Das kostet aber Geld, die Waffen verlieren ihren Marktwert und einen Teil ihres kulturhistorischen Werts, weil die Funktionsweise nicht mehr nachvollziehbar ist, so der Museumsleiter. Eine Übergabe an andere Museen dürfte sich eben wegen der Problematik des Waffengesetzes schwierig gestalten.

Skeptisch sieht Nicolas Zenzen auch den Verkauf von Waffen, weil die Veräußerung von Sammelgut den ethischen Richtlinien eines Museums widerspreche und der Verkauf von funktionstüchtigen Schusswaffen an Privatpersonen ethisch fragwürdig sei und ein negatives Licht auf das Museum und die Stadt werfen könnte. Eine Vernichtung der Waffen schließlich sei kostengünstig und endgültig, bedeute aber auch den Verlust der Waffen ohne Gegenwert und die Zerstörung von Sammelgut.

Nicolas Zenzen hatte schließlich empfohlen, für jede Waffe individuell zu entscheiden, je nach kulturhistorischem Wert und Bezug auf die Geschichte Münnerstadts. Der Stadtrat erklärte Mitte 2021, sich prinzipiell von dem Bestand trennen zu wollen und die einzelnen Lösungsalternativen mit der Rechtsaufsichtsbehörde zu diskutieren.

Elf Waffen werden umgebaut

Schließlich wählte der Museumsleiter elf Waffen aus, die von der Firma Albert umgebaut werden sollen. Diese stellte Nicolas Zenzen jetzt den Ausschussmitgliedern vor. Dabei handelt es sich um Jagd- und Militärwaffen aus dem 1. und 2. Weltkrieg, die teilweise in Suhl und Bamberg gefertigt wurden. Noch einmal erläuterte er die ethische Problematik und den hohen Aufwand bei einem Verkauf der restlichen Waffen an Privatpersonen und die Schwierigkeiten, sie an andere Museen abzugeben. Er plädierte dafür, 33 Waffen an das Landratsamt abzugeben und der Vernichtung zuzuführen.

Der Museumsleiter verwies aber auch darauf, dass der Umbau von elf Waffen einschließlich der Zertifizierung durch das Beschussamt mit hohen Kosten verbunden ist. Mit 7000 Euro muss für die elf Waffen gerechnet werden. Trotzdem: "Ich würde doch sehr dafür plädieren, nicht die ganze Sammlung zu eliminieren."

Das Thema abgeschlossen

Bürgermeister Michael Kastl dankte dem Museumsleiter für seine Bemühungen. Nach dessen Vorschlag hätte die Stadt keine einzige funktionstüchtige Waffe mehr im Bestand. Von seiner Seite sollte man dem zustimmen, um das Thema abzuschließen, sagte er. Die Ausschussmitglieder sahen das auch so.

Damit ist das Kapitel der erlaubnispflichtigen Waffen abgeschlossen. Es gibt aber durchaus Waffen in der Ausstellung und in den Depots, die nicht darunter fallen. Dazu zählen beispielsweise Vorderlader, also Gewehre, bei denen Schwarzpulver und Kugeln von vorn in den Lauf eingeführt werden.