So allmählich verzweifelt Arno Reuscher. Ein halbes Jahr ist es nun her, als sein langjähriger Mitarbeiter mit nur 49 Jahren plötzlich verstorben ist. Er war der Mann in der Werkzeug- und Bauabteilung von Eisen-Krais, er kannte sich aus, stand den Kunden mit Rat und Tat zur Seite. Das kann Arno Reuscher zwar auch, aber der Inhaber kann nicht überall gleichzeitig sein. Nach dem ersten Schock über den Verlust war klar: Eine neue Fachkraft muss her. Inzwischen ist ein halbes Jahr vergangen und der Inhaber hat noch immer niemanden gefunden.

Einen Einzelhandelskaufmann würde der Inhaber gerne einstellen, es könnte aber auch ein begabter Quereinsteiger sein. Sehr gerne würde er auch einen jungen, engagierten Auszubildenden nehmen. Nach der dreijährigen Lehre bekäme er oder sie eine Übernahmegarantie mit der Aussicht auf viele Jahre Arbeit im Geschäft. Auf der Suche nach Unterstützung hat er alles Mögliche versucht. Agentur für Arbeit, Zeitungsanzeigen, soziale Medien. "Und natürlich Mundpropaganda." Eine einzige ernsthafte Bewerbung hat er in den sechs Monaten bekommen, aber das hat am Ende doch nicht gepasst.

Praktika zum Reinschnuppern

"Ich biete auch Praktika für Schüler an, damit die einmal reinschnuppern können", sagt er. Was er da teilweise erlebt hat, behält er lieber für sich, ein Beispiel nenn er aber doch: "Bei einem hat die Mutter am zweiten Tag angerufen und mir mitgeteilt, dass der Bub sich heute mal ausruhen muss."

Viele Menschen stellen sich die Frage, wie viel Zukunft der Handel noch hat, sagt Arno Reuscher. "Natürlich hat der Handel eine Zukunft und seine Berechtigung." Für ihn hat der Einzelhandel klare Vorteile gegenüber dem Internet: "Wir treffen aus dem riesigen Angebot eine Vorauswahl, können die Kunden beraten und ihre Probleme lösen", sagt er. "Handel ist spannend und interessant, weil wir immer mit anderen Menschen zu tun haben."

Einfach unterbesetzt

Doch momentan ist das Team bei Eisen-Krais schlicht und einfach unterbesetzt. Das zehre an der Substanz. "Meine Mitarbeiterinnen unterstützen mich nach Kräften, aber es gibt Situationen, wo meine Fachkenntnisse nötig sind." Er ist allerdings auch oft im Außendienst. "Ich kann mich nicht zerreißen", sagt er und hofft, dass er bald ujemanden findet (Tel.: 09733/ 1205)

Völlig anderes Gewerbe, gleiches Bild: Ron Richter, der Pächter des Bayerischen Hofes und des Gasthauses Bären, sucht auch. Er benötigt vor allem einen Koch und Personal für die Zimmerreinigung in den Hotels. Leicht ist das nicht. "Alle Gastronomen suchen, weil die Mitarbeitern während Corona abgewandert sind", sagt er. Die haben jetzt oft Jobs mit festen Arbeitszeiten und werden kaum zur Gastronomie zurückkehren. Die Bedienung der Gäste hat sich eingespielt, die kann er durch Teilzeitarbeitskräfte und Aushilfen abdecken, gerne übernimmt er das auch selbst. Beim Kochen wird es schon eng. Immer wieder greift er auf ehemalige Kollegen zurück, die bei Bedarf mal einspringen. "Eine dauerhafte Lösung ist das aber nicht."

31 Zimmer zu reinigen

Das gilt noch mehr für die Reinigung der Zimmer. Auch da greife er im Notfall ein, aber bei 31 Zimmern sei das ein Problem. Über die Agentur für Arbeit sucht er Mitarbeiter und auch über ein Anzeigenportal im Internet speziell für Gastronomen. Die Erfolgsbilanz bisher: Null. Ron Richter probiert es weiter (Tel.: 09733/ 78780).

"Wir suchen auch einen Mitarbeiter", sagt Daniel Michel von G3 Computer und Technik Outlet am Anger. Elektro Schilling und Elektro Schlegelmilch suchen beide einen Elektriker, der Mangel an Mitarbeitern macht auch vor größeren Firmen nicht halt. Metallbau Vorndran braucht Monteure, Vorarbeiter für die Montage, Elektriker, Lackierer, Metallbauer, Techniker, Zeichner, eine Reinigungskraft und Auszubildende. Auch Nipro sucht Azubis, dazu Maschinenbediener, Industriemechaniker, Mitarbeiter in der Kontrolle, im Lager am Kühlofen und noch einige mehr.