mäßig ist, bei Aufführungen ohne Sitzplatz-Reservierung etwas früher zu kommen. Und wer kam, wusste schnell: Es hat sich gelohnt, früher da zu sein.
Nicht nur, weil es eng zuging bei der Platzsuche, sondern die Einstimmung in die tragische Liebesgeschichte zwischen Dr. Faustus und Gretchen, dem Mädchen aus einfachem Hause, war schlicht ergreifend: Minuten bevor sich der Vorhang öffnete, hörte der auf ein Traditionsstück der deutschen Klassik vorbereitete Zuschauer die ebenso klassische Ballade von Pink Floyd "Shine on you crazy Diamond" aus dem Album "Wish you were here". War man im falschen Film gelandet, sollte Faust nicht traditionell aufgeführt werden?


Wechselbad der Gefühle

Ein Wechselbad der Gefühle blieb im ersten Teil des Stücks nicht aus. Denn Erstens war der Teufel ein Weib und Zweitens zeigte sich Leipzigs Auerbachs Keller ehr als Rhönkneipe, denn das Kreuzberglied ("Grüß mir die Heimat..") hielt feuchtfröhliche Einkehr in den Urfaust. Am Wirtshaustisch hielten sich Eileen Herterich (Frosch), Kim Süssner (Brander), Saskia Bauer (Siebel) und Amelie Dippold (Alten) als überzeugende Trunkenbolde fest.
Das Schauspielteam der Oberstufe hatte sich vor einem Jahr ausdrücklich für den alten Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) entschieden, und sich mit dem Aufführungstermin wenige Wochen vor dem Abitur ziemlich unter Druck gesetzt. Ob der Spagat gelungen ist, kann man erst sagen, wenn die Abi-Ergebnisse denen der Theateraufführung entsprechen, will heißen: sehr gut sind.
Die Leistungen der wagemutigen Schauspieler waren allgemein hervorragend. Die Rollen sind bestens besetzt, und es werden auch die kleinen Hänger gekonnt überbrückt. Der Gelehrte Dr. Heinrich Faust, gespielt von Lionel Heilmann, ist der Souverän auf der Bühne. Die umfangreichen Textpassagen, dramatisch in Mimik und Gestik, liefert er mit einer Komplexität, die einem Profi gerecht werden könnte. Dennoch lässt er den anderen Akteuren noch genügend Raum.
Das Teufelsweib, "der Mephisto", gespielt von Sophie Süssner und das Gretchen, gespielt von Zwillingsschwester Kim Süssner, können ihr dramatisches Talent ebenso gekonnt ausleben. Die eine als der hinterlistige Strippenzieher, die andere als die gläubige Dienerin der frommen Liebe.


Vorbau und Videos

Das sparsame Bühnenbild wird durch Videoeinblendungen belebt, eine gute Alternative zu umfangreichen Umbauten. Einen Bühnenvorbau ermöglicht es sogar, dass der todwunde Valentin ins Grab verschwindet.
Fünf Schauspielerinnen und ein Schauspieler ergänzen sich in 13 Rollen. Sie halten gerade im zweiten Teil die Spannung bei den konzentrierten Zuschauern hoch. Und es wäre kein echtes Schultheater, wenn die einzige erotische Szene, der Kuss von Faust und seinem Gretchen, nicht mit hämischem Gelächter und Kurzkommentaren gewürdigt werden würde. Mephisto, der Fiesling, weiß selbst einen Vielfach-Gelehrten wie den Doktor Faust eine Zeit lang in seinen Bann zu ziehen. Aber damals wie heute sollten Liebende ihr Glück mit sich selbst ausmachen können. Heute nennt man Attacken von Dritten gerne Mobbing.
Ein absoluter Höhepunkt in der dramatischen Darstellung ist die Gefängnisszene zwischen Gretchen und ihrem Heinrich. Er, der sie retten will, Sie, die meint büßen zu müssen für den willkürlichen Tod ihrer Tochter. Kim Süssner hat sich in das Gretchen hineingespielt.


Zwei weitere Aufführungen

Ob es Absicht war oder nicht, die Einstimmung mit Pink Floyd war passend. Und für die beiden noch folgenden Aufführungen am 20. und 21. April (Beginn jeweils 19.30 Uhr) in der Aula des Johann-Philipp-von- Schönborn Gymnasiums sollen viele Zuschauer singen können: "Shine on you, Crazy Schauspielteam der Oberstufe zusammen mit Regisseur Ralf Hartmann!"

Es spielten Lionel Hartmann, Sophie und Kim Süssner, Eileen Herterich, Saskia Bauer, Amelie Dippold,
Regie Ralf Hartmann
Technik Johann Türgel, Hannes Kirchner, Niklas Winter