Bis Corona so ziemlich alles gelegt hat, wurde der Bürgerbus gut genutzt. Seit 2014 bringt er an drei Tagen in der Woche Bewohnern der Stadtteile in die Stadt und kann an den Wochenenden von Vereinen genutzt werden. Inzwischen hat der Kleinbus fast elf Jahre auf dem Buckel und musste in letzter Zeit öfter einmal repariert werden. Bürgermeister Michael Kastl (CSU) will nicht warten, bis er endgültig seinen Geist aufgibt, sondern schon jetzt die Weichen für eine Neukonzeption stellen. Deshalb hatte er die Fraktionen gebeten, ihre Vorstellungen einzureichen. Zwar ist noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden, es zeichnet sich aber ab, dass der Bürgerbus weiter fahren wird, weil sich das Angebot ganz bewusst am Menschen richtet, die keinen Führerschein haben oder nicht mehr selbst fahren wollen. Der Nachfolger des Kleinbusses wird wohl ein Elektromobil, auch wenn dadurch die Nutzung durch die Vereine wegen der geringeren Reichweite möglicherweise eingeschränkt wird.

Erst geleast, dann gekauft

2013 hatte der Stadtrat die Einführung des Bürgerbusses beschlossen und dafür einen Kleinbus geleast, der 2015 gekauft wurde, erinnerte Michael Kastl. Am Dienstag bringt er Bewohner von Maria Bildhausen nach Münnerstadt und zurück, am Mittwoch sind die westlichen und am Donnerstag die östlichen Stadtteile an der Reihe. Angefahren werden der Münnerstädter Marktplatz, der Netto-Markt und der Edeka-Markt (Fahrplan unter www.muennerstadt.de). Marco Föller von der Stadtverwaltung hatte den Stadträten vor ihrer jüngsten Sitzung umfangreiche Informationen zusammengestellt, die der Bürgermeister noch einmal erläuterte.

In den letzten beiden Corona-Jahren war der Bürgerbus kaum gefahren, die Stadt verzeichnete lediglich 340 Euro Einnahmen aus der Vereinsnutzung, die Fahrten von den Stadtteilen in die Stadt und zurück sind kostenfrei. Das Defizit in den Jahren 2021 und 2022 betrug vor allem wegen erheblich gestiegener Personalkosten insgesamt über 15.000 Euro. Die Stadt habe die Bezahlung der Fahrer in die entsprechende Entgeltgruppe anpassen müssen, erläuterte Michael Kastl dazu. Er wollte wissen, wie es weiter gehen soll, wenn der alte Bus ausfällt. "Alles beim Alten" belassen, stand im Raum, ob ein neuer Bus ein Verbrenner oder ein Elektromobil wird oder ob der Bürgerbus eingestellt und dafür ein stadtteilbezogenes Carsharing-Projekt eingeführt wird. Letzteres müsste aber über Genossenschaften laufen und nicht über die Stadt. Bevor er die Diskussion freigab, erinnerte der Bürgermeister daran, dass es 2013 nach Aktenlage gar keinen Bedarf für einen Bürgerbus gab, es sei einfach einmal probiert worden. "Heute gibt es Bedarf", so der Bürgermeister.

Den Bedarf ermitteln

Die letzten beiden Jahren seien von Corona geprägt gewesen, sagte Arno Schlembch (CSU). Er sprach sich dafür aus, jetzt erst einmal den Bedarf unter regulären Bedingungen zu ermitteln und daraus resultierend den Fahrplan zu entwickeln. Klaus Schebler (Neue Wege) sprach sich für den Erhalt des Busses aus, bei einer Neuanschaffung sollte es ein Elektroauto sein. Carsharing höre sich zwar sehr gut an, aber er sieht da ein Problem: "Viele ältere Leute haben keinen Führerschein." Er verwies auch auf die teilweise langen Lieferfristen von Neufahrzeugen. Deshalb sollte man den neuen Bus schon in diesem oder im nächsten Jahr bestellen. "Möglich ist alles", kommentierte der Bürgermeister, der zuvor betonte hatte, dass jetzt noch nichts beschlossen werden soll. Bezüglich der Lieferfristen stimmte er Klaus Schebler zu.

Zum Thema Carsharing konnte Oliver Jurk (CSU) mit dem Ergebnis einer Umfrage aufwarten. Er hatte ein solches Modell bei der Bürgerversammlung in Kleinwenkheim vorgestellt. Allerdings sehen nach derzeitigem Stand 95 Prozent der Dorfbewohner keinen Bedarf. Das Interesse sei nicht groß, meinte er, beim Bürgerbus sei das anders. Der sollte aufrecht erhalten bleiben.

Reichweite eingeschränkt

"Carsharing ist keine echte Alternative zum Bürgerbus", meinte auch Leo Pfennig (Freie Wähler). Man müsse allerdings bei einer Neuanschaffung bedenken, dass die Reichweite eines Elektrofahrzeugs nicht allzu groß sei. Den festen Rhythmus des Bürgerbusses sollte man beibehalten, sagte er. Man sollte überlegen, ob man das System nicht optimieren könnte, beispielsweise durch eine Art Ruftaxi-System. Letzteres sah der Bürgermeister allerdings kritisch. Die freien Tage der Fahrer sollten beibehalten werden.

Alles so belassen mit festen Tagen, an dem der Bus fährt, will Jürgen Eckert (CSU) das System. Es sei ja für ältere Leute ohne Führerschein gedacht. Sie hätten sich daran gewöhnt, an welchem Tag ihr Bus fährt.

Im Blick behalten

"Ich habe den Eindruck, dass der Bürgerbus gut angenommen wird", sagte Johannes Wolf (Grüne) dazu. Das könne er auch als Vereinsvorsitzender bestätigen. Ein neuer Bus müsse unbedingt ein Elektrofahrzeug sein. Das Interesse an Carsharing sei momentan überschaubar, man sollte das Modell aber im Blick behalten für die mittelfristige Zukunft.

Arno Schlembach erinnerte daran, dass die Fahrer geringfügig Beschäftigte sind, die ihre Freizeit planen möchten. Sollte man das System auf Rufbereitschaft erweitern, könnte es schwierig werden, Personal zu finden. Oliver Jurk verwies auf eine App für den Landkreis, in der alle Fahr-Angebote aufgeführt sind. Da sollte auch der Münnerstädter Bürgerbus mit aufgenommen werden, so könnte man ein, zwei Fahrgäste mehr bekommen.