Bald schon wird es die nächste empfindliche Lücke in der Münnerstädter Geschäftswelt geben: Das Altstadtcafé soll zum 1. Oktober geschlossen werden. Dies teilen Geschäftsführerin Uschi Klicha und der Inhaber Willi Michel mit. Damit verliert Münnerstadt in der oberen Altstadt einen wichtigen Anlaufpunkt und ein belebendes Element der Innenstadt.
Willi Michel begründet den Entschluss mit gesundheitlichen Gründen, führt aber auch sein Alter an. Er ist in diesen Tagen 65 Jahre alt geworden. Aber auch die betriebswirtschaftliche Seite ist ein Thema. Das Altstadtcafé ist seit fünf Jahren Teil eines Betreuungskonzeptes des Betreuungsdienstes von Willi Michel. Durch die Koppelung mit dem Betreuungsdienst sei die Wirtschaftlichkeit auch immer verquickt mit der Zahl der dort beschäftigten Betreuten.
In der Einrichtung von Willi Michel werden sucht- und psychisch Kranke betreut und beschäftigt. Im Altstadtcafé werden die Klienten seit 2013 beispielsweise im Thekendienst oder im Service eingesetzt.

Die Entscheidung von Willi Michel ist auch für Geschäftsführerin Uschi Klicha nachvollziehbar. Sie betont, dass das Café auf der einen Seite immer besser laufe, damit aber auch immer mehr Aufwand, zeitlichen und personellen, erfordere.
So sehr sie bedauert, wenn das Café im Oktober schließen wird, Uschi Klicha hat dann wieder mehr Zeit für ihre Familie. Die Doppelbelastung sei für sie schon hoch geworden, erklärt sie. Der zeitliche Aufwand sei auch deshalb groß, weil die Ausrichtung des Cafés einen recht recht hohen Personalaufwand erfordert. Personal, das bei Bedarf auch kurzfristig einzusetzen ist, sei aber immer schwerer zu finden, ist die Erfahrung von Uschi Klicha in den vergangenen Jahren.
Die Schließung im Herbst hat sich schnell herumgesprochen. Vor allem Stammgäste, die sich vormittags gerne zu einer Tasse Kaffee zusammensetzen, bedauern den Schritt, haben aber auch wiederum Verständnis dafür.

Die Schließung ist unter ihnen ein Diskussionsthema, nicht nur, weil sie ihren Treffpunkt verlieren, sondern weil Münnerstadt damit wieder um ein Angebot ärmer werde. "Wirklich schade", meint Joachim Spies, der von den Kuchen schwärmt. Nicht gut für Münnerstadt, sagt Robert Schlegelmilch, der Nachbar des Cafés. Und auch die Betreuten, die gerne mitgearbeitet haben, sind traurig. "Ich darf gar nicht daran denken, sonst kommen mir schon wieder die Tränen", sagt eine Frau.
Uschi Klicha betont allerdings, dass für die Klienten des Betreuungsdienstes neue Beschäftigungsangebote geschaffen werden.
Und Dieter Schölzke, gerne Gast im Altstadtcafé, will die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben: "Vielleicht geht es ja irgendwie weiter" .