Der Münnerstädter Rhönklub organisiert nicht nur Wanderungen, Ausflüge und gesellige oder kulturelle Veranstaltungen. Seit 40 Jahren schon kümmern sich die Mitglieder darum, dass Nistkästen aufgehängt und jedes Frühjahr gereinigt werden. Verantwortlich dafür ist Naturschutzwartin Ute Krais, die dieses Amt vor einigen Jahren von Hellmut Petsch übernommen hat. Rund 60 Nistkästen an vielen Orten im Stadtgebiet betreut sie mit einigen Helfern.

Vor 40 Jahren hatte der Münnerstädter Rhönklub noch eine große Jugendgruppe mit mehr als zehn Mitgliedern. Betreut wurde sie von Hellmut Petsch, der lange Jahre auch das Amt des Naturschutzwartes hatte. Damals wurde mit dem Aufhängen der Nistkästen und ihrer Betreuung begonnen. Im Werkraum der Volksschule konnten die Buben und Mädchen der Jugendgruppe Nistkästen basteln und anmalen. Sie betreuten sie auch regelmäßig. Das bedeutet, dass die Nistkästen mindestens alle zwei Jahre vor dem Beginn der Brutzeit im Frühjahr gründlich gereinigt werden mussten.

Helfer gesucht

Hellmut Petsch und einige Helfer setzten die Betreuung der Nistkästen fort, obwohl die Jugendgruppe immer weiter schrumpfte und sich vor Jahren schließlich ganz auflöste. Diese Arbeit machen Ute Krais und einige Vereinsmitglieder noch heute regelmäßig und würden sich über weitere Helfer freuen. Mit dabei sind unter anderem ihr Vorgänger als Naturschutzwart, Vereinsvorsitzender Egbert Haut.

Wenn die Nistkästen zum Reinigen geöffnet werden, ist Vorsicht geboten, denn oft sind Läuse oder Milben in den Nestern. "Deshalb wasche ich mir hinterher immer gründlich den Kopf" sagt Hellmut Petsch. Ute Krais erzählt, dass sie auch schon einmal fürchterlich erschrocken ist, als sie einen Nistkasten öffnete. Hier hatte sich statt eines Vogels eine Haselmaus häuslich eingerichtet. Sie durfte natürlich bleiben, zumal sie geschützt ist.

Für den Steinkauz

Die Nistkästen des Rhönklub-Zweigvereins hängen an mehreren Stellen im Stadtgebiet, nicht nur im Jörgentor-Park. Auch am Wacholder- und am Wiesenwanderweg und am Kämmer hängen Nistkästen "made by Rhönklub Münnerstadt". Kürzlich wurde ein spezieller Nistkasten für ein Steinkauz-Pärchen aufgehängt.

Hellmut Petsch legt Wert darauf, dass die allermeisten Kästen nicht gekauft wurden, sondern selbst gebaut sind. Bis die Corona-Pandemie weitgehend alle Aktivitäten verhinderte, beteiligte sich der Verein am Kinderferienprogramm der Stadt. Dabei wurden unter Anleitung von Ute Krais und Hellmut Petsch Nistkästen gebaut. Sie wurden im Jörgentor-Park und an anderen Stellen aufgehängt oder die Buben und Mädchen nahmen sie mit nach Hause für den eigenen Garten.

Maße eines Nistkastens

Ein Nistkasten sollte eine Grundfläche von mindestens 15 mal 15 Zentimetern haben, sagt Hellmut Petsch. Das Einflugloch sollte mindestens 17 Zentimeter über dem Kastenboden und unter dem Dach sein, damit Katzen oder Marder nicht mit den Pfoten hineingreifen können. Wichtig ist auch ein wasserfestes Dach. Das Einflugloch der Nistkästen des Rhönklubs hat einen Durchmesser von 30 oder 35 Millimetern. Das reicht für Meisen, Spatzen, Buchfinken, Rotschwänzchen oder das Rotkehlchen, den Vogel des Jahres 2021. Es kam auch schon vor, dass Amseln, für die das Loch zu klein ist, sich mit dem Schnabel einfach einen breiteren Eingang freigehackt haben.

Sollen Vögel auch im Sommer gefüttert werden? Die Frage ist umstritten. "Ich füttere auch im Sommer und dafür stehe ich", betont Hellmut Petsch. Er denkt an Körnerfresser wie Spatzen, die immer weniger Nahrung finden, weil bei den Bauern auf dem Hof kein Korn mehr auf dem Boden liegt.

Spatzen oder Sperlinge gelten als vom Aussterben bedroht. Aber auch Fleischfresser können mit Mehlwürmern gefüttert werden. Wichtig ist dabei immer die Hygiene. "Vögel sind halt nicht so reinlich wie wir Menschen" sagt Vogelexperte Petsch. Deshalb sollte das Wasser in Vogeltränken am besten jeden Tag erneuert werden.

Vogelstimmenwanderung fällt aus

Zu den alljährlichen beliebten Veranstaltungen des Rhönklubs zählt die Vogelstimmenwanderung. Sie muss wegen der Pandemie dieses Jahr ausfallen, erklärt Egbert Haut. Er hat übrigens im Rathaus angeregt, bei der Umgestaltung des Jörgentor-Parks eine Blumenwiese anzulegen. Ein größerer Steinhaufen soll Kriechtieren wie Eidechsen eine Heimat bieten und ein Haufen Totholz soll Insekten anlocken, die dann wieder Futter für die Vögel sind.