Lediglich einen Storch mit zwei Jungen erkennt man zurzeit im Milzgrund bei Irmelshausen. Ob es die Bad Königshofener Störche Adele oder Schorsch sind, die hier ein Ersatznest gefunden haben, ist auch für Storchenexperten Hans Schönecker aus Coburg unklar.

Das Nest über der Frankentherme war ja bereits nach dem 1. März von einem Storchenpaar genutzt. Einen Monat später kam es zu einem blutigen Kampf um diesen Horst. Hans Schönecker ist sich dabei sicher, dass der Angreifer am Storchennest an der Frankentherme im April einer der Störche war, die hier vor einem Jahr genistet haben und zwei Jungen, Minna und Lui hatten. "So ausdauernd häufig und heftig greifen nur die Störche an, die hier schon mal gebrütet haben." Allerdings habe sich gezeigt, dass sich das Nest von dem Paar das gerade drauf steht, leichter verteidigen lässt, als es zu übernehmen.

Tiere ohne Beringung

Als am 1. März ein Storchenpaar das Nest über der Frankentherme annahm, war schnell klar, dass es sich nicht um die "Kurstörche" Schorsch und Adele handeln kann, da beide keine Beringung hatten. "Ich denke Schorsch und Adele, kommen erst noch", meint Marco Hahn damals, der im vergangenen Jahr schon der Ansprechpartner war, wenn es um die Kurstörche ging. Das dürfte denn auch der Fall gewesen sein, denn Storchenexperte Hans Schönecker vermutet in dem Angreifer im April den Storch vom vergangenen Jahr. Er sagt, dass es solche Kämpfe um ein Nest immer wieder gibt, vor allem um Horste in einer exponierten Lage wie in Bad Königshofen. "Diese herausragenden Plätze sind sehr begehrt." Per Livestream konnte man den rund 20 minütigen Kampf mitverfolgen, bei dem die Störche sich gegenseitig verletzten. Zurück blieben zwei Störche, die ihr Nest verteidigten und die Angreifer in die Flucht schlugen. Allerdings wurde bei dem Kampf eines von vier Eiern zerstört, ebenso ein weiteres, wie sich kurz darauf zeigte. Beide Störche haben dann wieder weiter gebrütet. Letztendlich lag nur noch ein Ei im Nest.

Kein Nachwuchs

Die Hoffnung, dass es doch noch Nachwuchs geben könnte, zerschlug sich mittlerweile. "Es wird von den Beiden ganz sicher in diesem Jahr keine Jungstörche geben", sagt der Experte aus Coburg. Er war in den vergangenen Tagen in Bad Königshofen und schlug im Gespräch mit Kurdirektor Werner Angermüller vor, in der Stadt ein zweites Nestangebot zu machen. Da sich in den 1970er Jahren bereits einmal auf dem Dach des Elisabethaspitals ein Storchennest befand, könnte dort ein Standort sein. Vom Umfeld und den Saalewiesen ganz in der Nähe sei das für einen weiteren Horst geeignet.

Möglich wäre, ebenfalls in der Elisabethastraße, ein weiterer Nistplatz. Hier müsste mit dem Eigentümer gesprochen werden. Hans Schönecker: "Ein weiterer Horst wird die Angriffe durch Fremdstörche nicht vollständig vermeiden, aber die Lage für durchreisende Störche auf der Suche nach einem eigenen Horst entspannen." Von einem Storchennest "auf dem Spitale" ist übrigens schon im Königshöfer Heimatlied die Rede. Durch einen telefonischen Hinweis aus Irmelshausen wurde Hans Schönecker auf einem, schon seit Jahren nicht angenommenen, in einer Wiese bei Irmelshausen stehenden Stangenhorst aufmerksam gemacht. Dort sei ein erfolgreich brütendes Storchenpaar finden. Ob es sich dabei um die Kurstörche des vergangenen Jahres von der Frankentherme Bad Königshofen handelt, ist ohne das Ablesen der Beringung, nicht möglich.

Warum Schorsch und Adele erste im April eintrafen könnte viele Gründe haben, meint Hans Schönecker. Vielleicht habe der Storchenmann, der meist als erster zurück kehrt, vom vergangenen Jahr den Winter weiter entfernt verbracht und das neue Paar hatte nur in Frankreich oder Spanien überwintert und ist damit schneller in Bad Königshofen, am noch freien Horst gewesen. Oder, das letztes Jahr hier brütende Paar ist auf der Rückreise in schlechtes Wetter gekommen und musste ein paar Tage auf der Rückreise pausieren. "Ohne Thermik fliegen die Störche nicht."

Damit bleibt ungeklärt welches Storchenpaar nun in Irmelshausen brütet und ob Schorsch und Adele 2023 wieder "ihren Horst" an der Frankentherme anfliegen und dort brüten.