Der kirchliche Festtag Maria Geburt ist in Münnerstadt ein örtlicher Feiertag. Normalerweise erinnern die Bürger der Stadt an diesem Datum mit einer Prozession zu den Stadttoren daran, dass die Stadt im 17. Jahrhundert nicht von schwedischen Truppen geplündert wurde. Denn die Rettung der Stadt führen sie auf die Fürsprache der Muttergottes zurück. Die Schwedenprozession zu den Stadttoren wird heuer wegen der Corona-Pandemie aber nicht möglich sein. Trotzdem wollen Stadt und Pfarrgemeinde auch in diesem Jahr das Gelöbnis erfüllen. Statt der Prozession wird es zeitgleich an den drei Stadttoren eine Andacht geben. Dazu können sich die Gläubigen anmelden.

Der Pfarrgemeinderat hatte in seiner jüngsten Sitzung dem Vorschlag von Stadtpfarrer P. Markus zugestimmt, diese Andachten zu halten. Coronabedingt auf ein religiöses Angebot zu verzichten, wäre P. Markus schwer gefallen. Die Gefahr sei zu groß, dass diese Tradition in Zukunft sonst gar nicht mehr begangen werde.

Gemeinsame Organisation

Nachdem der gelobte Feiertag ein Gelöbnis der Bürgerschaft ist, musste auch die Stadt ihre Zustimmung für diese Alternative geben. Dazu gab es ein Abstimmungsgespräch. Die Stadt Münnerstadt schließt sich den Ideen des Stadtpfarrers gerne an. "Ich freue mich sehr, dass es klappt", so P. Markus Reis.

"Die Schwedenprozession hat eine Identifikationsfunktion für Münnerstadt", betonte Bürgermeister Michael Kastl in einem Pressegespräch, in dem er und Stadtpfarrer P. Markus Reis das Konzept vorstellten. Ziel sei es deshalb, so der Bürgermeister, den Feiertag unter Einhaltung der Hygienevorschriften in dieser etwas anderen Form stattfinden zu lassen.

Die Stadt erklärt sich zudem bereit, den zusätzlichen personellen und logistischen Aufwand zu stemmen, der durch die Corona-Vorschriften entsteht. So wird der Bauhof den Auf- und Abbau der Bestuhlung und Absperrungen übernehmen. Die Stadt stellt zudem die Stühle, Einwegmundschutz und Desinfektionsmittel zur Verfügung.

Singen mit Maske

Ordner werden an allen drei Andachtsorten helfen, dass die Besucher der Gottesdienste ihren Platz finden und dass die Corona-Vorschriften auch beachtet werden. So ist Mundschutz beim Betreten des ausgewiesenen Andachtsbereichs erforderlich, ebenso beim Singen der Marienlieder. Denn gesungen wird während der Andachten, betont P. Markus. An allen drei Standorten wird es deshalb eine musikalische Begleitung geben. Die Einhaltung der Corona-Vorschriften nimmt die Stadt sehr ernst. "Wir müssen dabei Vorbild sein", sagt Bürgermeister Michael Kastl.

Am Dicken Turm (Hof des Jugendhauses), am Oberen Tor und am Jörgentor werden die Andachten stattfinden. Wie sonst bei der Schwedenprozession werden die Anwohner an den Stadttoren dafür sorgen, dass dort festlich geschmückte Altäre aufgebaut werden.

Die Andachten beginnen zur gleichen Zeit und sollen, so P. Markus Reis, im Ablauf identisch sein. Geplant ist eine Dauer von rund 30 Minuten. Zelebranten sind P. Markus Reis, P. Wilfried Balling und Br. Christian Rentsch. An jedem Stadttor wird außerdem einer der drei Münnerstädter Bürgermeister einige zuvor festgelegte Worte zum gelobten Feiertag sprechen. Die Gelöbnistafel wird an den drei Stationen zu sehen sein. Dafür werden Kopien erstellt.

Wie in den Vorjahren auch sollen die Vereine für den gelobten Feiertag wieder Fahnenabordnungen stellen. Die Vertreter der Münnerstädter Vereine sollen sich dann auf die drei Andachtsorte aufteilen. 100 Plätze stehen pro Andacht für die Gläubigen zur Verfügung. Um planen zu können, ist eine Anmeldung erforderlich. Dabei können die Teilnehmer angeben, welche der drei Andachten sie besuchen möchten. Die Empfehlung des Pfarrgemeinderates war, sich bei der Wahl daran zu orientieren, welcher Standort der eigenen Wohnung am nächsten ist. Für die Karlsberganwohner bietet sich beispielsweise das Jörgentor an, für den Schindberg das Obere Tor.