Ungewöhnlich und außergewöhnlich sind die musikalischen Interpretationen, die das Duo "Le Bang Bang" mit Solo-Stimme und Kontrabass im Bad Kissinger Rossini-Saal präsentiert hat. Die facettenreiche Stimme von Stefanie Boltz und Sven Fallers virtuoser Umgang mit dem Kontrabass faszinierten die knapp 100 Gäste, die den Abend mit motivierenden Applaus quittierten.

Aus einem Bauchgefühl heraus sei "Le Bang Bang" entstanden, erfahren die Gäste im Laufe des Abends. Bei einem gemeinsamen Auftritt auf kleiner Bühne, habe man gemerkt: "Es passt alles!" - und dieses Aha-Erlebnis sollte im Namen verewigt werden. So entstand "Le Bang Bang" als französische Variante diese Aha-Effekts. Es sind die kleinen Geschichten, mit denen die Künstler den Abend ausschmücken. Im Mittelpunkt steht aber immer die ungewöhnliche Kombination aus Stimme und Kontrabass. Stefanie Boltz gibt den Liedern, egal ob selbst komponiert oder adaptiert, eine eigene Note und unterstützt ihre Darbietung mit feiner Gestik und durch ausgeprägte Körpersprache. Sven Faller zeigt eine Virtuosität und Kreativität, die den Kontrabass ein ganzes Orchester imitieren lässt - mal zupft, mal streicht, mal schlägt er die Saiten, mal nutzt er den Klangkörper als Percussionsinstrument oder er entlockt dem Instrument durch elektronische Verzerrungen fast schon psychodelische Klänge.

"Pure" heißt nicht nur ihr aktuelles Album, sondern auch ihr Bühnenprogramm. Der Titel umschreibt die Unverfälschtheit der unkonventionellen, (leider) in englischer Sprache dargebotenen Arrangements. Verstärkt wird deren Wirkung durch die authentische und lockere Bühnenpräsentation der beiden. Dabei wird vom Publikum nicht nur erwartet, dass es sich auf eine ungewohnte musikalische Reise einlässt, sondern es wird auch vorausgesetzt, dass es dies mit höchster Konzentration tut.

Zu der musikalische Reise gehören Liebeslieder, die aus der eigenen Feder stammen oder bekannte Coverversionen. Zu hören sind die Beatles ("Here comes the sun"), Cindy Lauper ("Time after time"), die Gruppe Yes ("Owner of the lonely heart") oder "Cheek to Cheek" von Irving Berlin. Die Coverversionen werden in einem Ausmaß "absorbiert und verinnerlicht, dass sie sich wie eigene Stücke anfühlen", erzählte Faller in einer Moderation. Gerade bei diesen Stücken erkennt der Zuhörer das "Le Bang Bang-Qualitätssiegel": Den Kern der Stücke zu belassen, damit man sie wiedererkennt, aber sie in ihrer melodiösen Struktur so zu brechen, dass sie neu und auf das Wesentliche reduziert klingen. Dieser Bruch kann für das Publikum eine Hemmschwelle sein, aber wenn man diese Barriere genommen und das Duo als stimmliche und instrumentale Virtuosen akzeptiert hat, wird es ein reizvoller, ja ein nachhallender Konzertabend.

In ihren eigenen Stücken zeigt sich ebenfalls die Vielseitigkeit der beiden über alle Stilrichtungen hinweg. Im harmonischen Zusammenspiel zaubern sie astreinen Beat wie bei "I want to see her death" auf die Bühne, lassen Frühlingsgefühle bei "April skies" durch den Saal wehen, bedienen die poppige Schiene mit "Perfect" oder das Balladenhafte mit "I wan you back". Die klare, vielseitige und variantenreiche Stimme von Stefanie Boltz durchzieht den Rossini-Saal bis in die letzte Stuhlreihe. Sven Fallers brilliantes, teils archaisches Spiel mit dem Kontrabass begeistert nicht nur wegen des erzeugten Klangbildes, sondern vor allem wegen seiner Hingabe. Der im Laufe des Abends ansteigende Applaus war der verdiente Lohn für ein gelungenes Konzert, für vereinzelte Bravorufe bedankte sich das Duo mit einer tiefen Verbeugung.