Vor zweieinhalb Jahren haben 1,7 Millionen Wahlberechtigte in Bayern für das Volksbegehren Artenvielfalt gestimmt, das unter dem Motto "Rettet die Bienen" bekannt wurde. Eine Folge davon ist, dass Matthias Franz nun als Biodiversitätsberater in der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes sitzt und sich um den Landkreis kümmert.

Ziel des "Volksbegehren Artenvielfalt und Naturschönheit Bayern" war es, die Vielfalt von Pflanzen und Tieren zu erhalten und zu fördern. Denn auch in Bayern schreitet der Artenverlust voran. So hatte der Bayerische Landtag im Juli 2019 beschlossen, an den Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise eine neue Stelle zu schaffen: Die des Biodiversitätsberaters.

Lebensräume erhalten

Die Stelle von Matthias Franz am Landratsamt Bad Kissingen gibt es seit November 2020. Dorthin passt der Münnerstädter mit seinem Studium in Umweltsicherung und Umweltingenieurwesen gut. Zwischen Studium und seiner jetzigen Stelle war er bereits in einer Unteren Naturschutzbehörde in Oberbayern angestellt.

Nach der Beschreibung des bayerischen Umweltministeriums ist seine Aufgabe zum einen, Eigentümer, Kommunen und Landbewirtschafter zu beraten. Zweitens soll er Artenschutzmaßnahmen initiieren. Und drittens, Lebensräume verbinden, die sich durch menschliches Eingreifen wie Straßenbau und Landverbrauch verkleinert und aufgespalten haben. "Im Kernbereich dreht sich meine Arbeit darum, schützenswerte Lebensräumen zu stabilisieren, zu erhalten und zu verbessern", sagt Matthias Franz.

Mit Landwirten sprechen

So hat der 25-Jährige verschiedene Projekte, um die er sich kümmert. Eines dreht sich um seltene Ackerwildkräuter. Hierfür beauftragt er Experten, die auf geeigneten Flächen nach diesen Pflanzen suchen. "Wenn seltene Arten dort wachsen oder der Acker von der Lage oder der Beschaffenheit her dafür geeignet ist, heißt es, bestimmte Maßnahmen zu unternehmen, dass diese dann dort überhaupt oder weiterhin wachsen können."

Das bedeutet, Matthias Franz würde mit dem Landwirt sprechen, dem die Fläche gehört, und mit ihm darüber ins Gespräch kommen, wie sie dieses Ziel erreichen. Das bedeutet für Landwirte jedoch, dass sie ihre Fläche nicht wie gewohnt bewirtschaften: Beispielsweise bleiben seltene Ackerwildkräuter nur durch den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und Düngung erhalten.

Dafür gibt es die Förderung, die als Entschädigung fungiert, um Ertragsverluste damit auszugleichen. Fördergelder gibt es durch das bayerische Vertragsnaturschutzprogramm über den Freistaat, das über die EU mitfinanziert wird. Ähnlich wäre das Vorgehen, wenn ein schützenswerter Vogel im Acker von Landwirten brütet. Landwirte spielen in seiner Arbeit eine wichtige Rolle, sagt Franz: "Naturschutz ist nur mit der Landwirtschaft möglich, weil viele schützenswerte Lebensräume durch eine landwirtschaftliche Nutzung entstanden sind."

Schirmsee: Hotspot der Artenvielfalt

Ein anderes Projekt ist der Schirmsee bei Großwenkheim: "Das ist ein Hotspot der Artenvielfalt im Landkreis und damit etwas, wo ich mit anpacke, damit das so bleibt". Der Weiher wachse beispielsweise mit Schilf zu, wenn sich keiner kümmern würde. "Ich habe das im Auge und und arbeite eng mit dem Landschaftspflegeverband zusammen, wenn die Fläche gemäht werden müsste."

Außerdem überwacht er den Wasserstand des Weihers, damit möglichst viele Organismen bestmögliche Bedingungen haben: "In ein paar Wochen wird das Wasser ein Stück weit abgelassen, damit Watvögel, die aus Skandinavien kommen, hier rasten können.

Die suchen sich im Schlamm Nahrung." Das Ablassen führt dazu, dass mehr Schlamm und damit mehr Nahrung für die Vögel erreichbar ist. Das ist von Bedeutung, weil Unterfranken sehr wasserarm ist und die Vögel so wenige Anlaufstellen zum Rasten und sich stärken haben. Über 130 Vogelarten wurden bereits an dem See entdeckt.

Naturschutzgebiete erhalten

Eine große Rolle in seiner Arbeit spielen Naturschutzgebiete, sowie die europäischen Schutzgebiete. Für diese haben Fachleute bisher festgestellt, wie dort der Tier- und Pflanzenbestand ist und daraufhin Managementpläne erarbeitet, wie diese Bestände erhalten werden können. Matthias Franz kümmert sich darum, dass diese Pläne umgesetzt werden.

"Bei vielen wertvollen Lebensräumen ist es so, wenn man nichts macht, verbrachen die", erklärt Franz. Beispielsweise würde sich auf Wiesen die Vegetation verändern, Gräser würden dichter als seltenere Pflanzen wachsen und diese dadurch verdrängen. Hier würde Biodiversitätsberater Franz den Landschaftspflegeverband ins Boot holen, dessen Kernaufgabe die Pflege solcher Flächen ist.

Dass er nicht sofort Ergebnisse seiner Arbeit sieht, weiß er. "Naturschutz ist ein langer Prozess. Man arbeitet viel im Kleinen, damit im Großen was passiert."

Schirmsee in Großwenkheim: