Die Durststrecke, die die Tafeln zu Beginn der Krise überstehen mussten, ist geschafft. Die Verantwortlichen der Tafeln rechnen damit, dass sich die Lage in den nächsten Monaten normalisiert.

"Am Anfang hatten wir große Sorgen, ob und wie wir die Krise bewältigen werden. Jetzt blicken wir zuversichtlich in die Zukunft", sagt Hans-Jürgen Schelle, 1. Vorstand der Tafel Bad Brückenau. Alle Vorsitzende der Tafeln und des BRK dankten für die große Spende. Patrick Bindrum, Vorsitzender der Hammelburger Tafel, sprach aber auch Probleme an.

Ende März waren den Tafeln die Lebensmittelspenden weggebrochen, weil die Gastronomie schließen musste und in einigen Lebensmittelgeschäften das Sortiment knapp wurde. Nicht nur die Tafeln waren von der Krise betroffen. Auch das BRK verlor wichtige Einnahmen. "Es sind viele Patientenfahrdienste entfallen, da Operationen verschoben worden sind", sagt Alexander Kretz. 2. stellvertretender Kreisgeschäftsführer.

Gleichzeitig brauchte das BRK Geld für Schutzkleidung. "Die Spende tut gut, weil vieles an Schutzausrüstung doppelt so teuer wurde." Die Beschaffung von Schutzausrüstung sei aufgrund der langen Lieferzeiten und ausverkauften Beständen schwierig gewesen. "Wir sind nun auf eine zweite Infektionswelle vorbereitet, die hoffentlich nicht kommen wird", sagt Kretz. Der Kreisverband habe Mund- und Nasenschutz, FFP2-Masken, Schutzbrillen, Handschuhe, Kittel und Hauben gekauft.

Landrat Thomas Bold (CSU) betonte die breite Spendenbereitschaft der Bevölkerung. Daran zeige sich eine breite Solidarität und Wertschätzung für die Arbeit der Ehrenamtlichen. Die Spenden führten zusammen mit der Hilfe der Ehrenamtlichen dazu, dass schwierige Zeiten auch gemeistert würden.

"Man sieht an den Spenden auch, dass es Einzelne gab, die sich das wirklich vom Munde abgespart haben", sagt Roland Friedrich, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bad Kissingen. Das Motto "Mir halten zamm!" habe sich bewahrheitet. "Die Bevölkerung hat gezeigt, dass sie trotz Abstand zueinander hält."

Großer Zusammenhalt

"Der enorme Spendenbeitrag ist ein eindrucksvolles Zeichen für einen großen Zusammenhalt der Gesellschaft und dafür, dass man Mitmenschen in schweren und misslichen Situationen nicht alleine lässt. Gleichzeitig ist die hohe Spendenbereitschaft auch ein Symbol dafür, dass die Mitwirkenden der Hilfsorganisationen wertvolle Arbeit leisten und ihr ehrenamtliches Engagement eine hohe Wertschätzung genießt", sagt Michael Kaiser, Vorstandsmitglied von der VR-Bank Bad Kissingen.

Weihnachtswunsch

Patrick Bindrum, 1. Vorsitzender der Hammelburger Tafel, sagte die gespendete Summe entspreche etwa einem Euro pro Bürger im Landkreis Bad Kissingen. In Rahmen seiner Dankesworte äußerte er einen vorab vorgetragenen "Weihnachtswunsch", den er an Landrat Thomas Bold herantrug. Der Hammelburger Tafel-Vorsitzende wünscht sich für die Zukunft eine unterstützende Finanzierung der Tafeln. "Pro Bürger einen Euro, das würde die Spendenproblematik entschärfen und wir könnten noch bessere Arbeit leisten", sagte er. Landrat Thomas Bold antwortete darauf: "Wir sind hier im Bereich der freiwilligen Leistung."

Herausforderungen für die Tafeln

"In dem Moment, in dem man Kindern Schokolade in die Hand drückt, ist alles gut. Aber bis dahin sind viele Aufgaben zu erledigen", sagte Bindrum. Er erklärt, vor welche Herausforderungen die Tafeln gestellt sind. "Die verwaltenden Aufgaben haben enorm zugenommen." Alle Lebensmittel, die eingelagert werden, müssten dokumentiert werden. Kühlketten dürften nicht unterbrochen werden. Das Gesundheitsamt kontrolliere. Für die Helfer gebe es zudem Lebensmittelschulungen. Einsatzpläne der Mitarbeiter müssten koordiniert werden. Außerdem müssten Mitarbeiter der Tafel Hammelburg prüfen, ob die Kunden auch berechtigt seien, bei der Tafel einzukaufen. Grundsätzlich gelte hierbei das Motto: "Eher helfen, als nein sagen."

Bei der Bad Kissinger Tafel wird die Bedürftigkeitsprüfung vom Landratsamt und dem Jobcenter übernommen, sagt Dagmar Ziegler, 2. Vorsitzende. Aber auch bei der Bad Kissinger Tafel seien viele organisatorische Herausforderungen zu bewältigen. Personen, die ihren Sozialdienst bei der Tafel ableisten müssen, müssten etwa betreut werden. "Wir kämpfen uns so durch", resümiert Ziegler.

"Viele Bedürftige haben einen Knick im Lebenslauf", sagt Bindrum. Manche seien psychisch krank , teils alkoholisiert, manche würden randalieren oder laut werden. Die Ehrenamtlichen fragten sich oft, wie man damit umgehe. "Wir bräuchten sozialpädagogische Unterstützung", findet er.

Die Bad Kissinger Tafel habe glücklicherweise Mitarbeiter, die im Sozialdienst tätig seien, sagt Ziegler. "Die setzen sich richtig ein, erklären auch fünfmal, wenn es sein muss."

Ein weiteres Problem: "Wir überaltern", sagt Bindrum. "Es fehlt an Nachwuchs." Der klassische ehrenamtliche Tafel-Helfer sei jemand, der in Rente gehe.

Wie geht es mit den Tafeln weiter?

In den vergangenen Monaten verteilten Helfer bei Sonderausgaben fertig gepackte Tüten auf dem Platz vor der Bad Kissinger Tafel. Dem Normalbetrieb nähern sich die Tafeln ganz langsam wieder an. Die Bad Kissinger Tafel öffnet wieder ab Mittwoch, den 27. Mai, selbstverständlich unter strengen Hygienevorgaben.

"Wir hatten Zeit, ein bisschen Farbe zu investieren und haben alles ein bisschen hergerichtet. Wir haben außerdem Glasscheiben montiert", sagt Wolfgang Speyer, 1. Vorsitzender der Tafel Bad Kissingen.

Auch die Tafel in Bad Brückenau hat die Zeit genutzt. "Endlich eine neue Unterkunft", sagt Hans-Jürgen Schelle. Die Tafel hat seit 6. Mai wieder geöffnet und wird ab Mittwoch, 3. Juni ihre neuen Räumlichkeiten in der Dr.-Gartenhof-Str. 6 in Bad Brückenau beziehen.

Seit der Krise sei aber auch deutlich geworden, dass der Bedarf gestiegen sei. "Seit Corona sind die Anfragen mehr geworden", sagt Wolfgang Speyer.

In der Summe sind es über 1000 Menschen, die im Landkreis auf die Tafeln in Bad Kissingen, Hammelburg und Bad Brückenau angewiesen sind. In Bad Kissingen seien es zwischen 550 und 600 Personen, in Bad Brückenau 250 Bedürftige und in Hammelburg etwa 320.

Die offizielle Spendenaktion endete nun mit der symbolischen Übergabe des Spendenschecks. Die Konten bleiben aber weiterhin geöffnet, sodass auch künftig gespendet werden kann.