Zu einem ersten Bürgerspaziergang durch das für die geplante Landesgartenschau (LGS) vorgesehene, insgesamt etwa zehn Hektar große Gelände hatte die Stadtverwaltung eingeladen. Trotz regnerischen Wetters folgten knapp 80 Kissinger dem mit der Planung beauftragten Stadtplaner und Landschaftsarchitekten Raimund Böhringer (iF ideenFinden, Wunsiedel) vom Bahnhof durch den Kurpark, vorbei am Campingplatz, der Lindesmühle und dem Sportplatz bis zum Schlachthof. "Für einen ersten Rundgang zeigt die Teilnehmerzahl ein erstaunlich hohes Interesse", war der seit 20 Jahren an der Planung von Landesgartenschauen beteiligte Landschaftsarchitekt erstaunt.

Viel Geld vom Staat

Das Bewerbungsverfahren ist eingeleitet, die Interessenbekundung der Stadt zur Ausrichtung einer Landesgartenschau zwischen den Jahren 2028 und 2032 wurde abgegeben. Jetzt geht es um das konkrete Bewerbungsverfahren, in das auch die Öffentlichkeit eingebunden werden soll, begrüßte Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) die Spaziergänger, die von Mitarbeitern der Bauverwaltung und einigen Stadträten begleitet wurden. "Wir sind schon gut vorangekommen, aber es werden wichtige Entscheidungen zu treffen sein", stimmte Vogel auf den Rundgang ein und nannte den wichtigsten Grund für die Bewerbung: "Entweder verkommen manche Ecken der Stadt oder wir packen sie an. Wenn die Stadt aber kein Geld hat, muss man sehen, wie man an eine intelligente Förderung kommt." Hierzu bietet sich die Landesgartenschau an: Die geschätzte Investitionssumme von zehn Millionen Euro dürfte mit mindestens sechs Millionen vom Staat gefördert werden. Zusätzlich wird sich die Stadt um EU-Mittel bemühen, weshalb Vogel mit einem städtischen Eigenanteil von zwei Millionen Euro rechnet.

So wenig konkret wie die Kostensumme ist auch der aktuelle Stand erster Planungen, wie die Spaziergänger bald feststellen mussten. Nicht etwa detaillierte Gestaltungsvorschläge gab es zu erfahren, sondern nur Grundsätzliches. Böhringer: "Wir legen momentan die Schwerpunkte nebeneinander und müssen die fünf Stationen sinnvoll miteinander verbinden." Hierbei legen die Planer viel Wert auf die Zusammenarbeit mit privaten Anwohnern und Investoren geplanter Großprojekte. So will man die parkähnlichen Gärten der Wohnanlagen am Rand des Luitpoldparks in die Landesgartenschau mit einbeziehen, um einen harmonischen Übergang zu schaffen.

Blick aufs große Ganze

Die Planungen der Deutschen Post zur Umnutzung des Schlachthofgeländes, der Bau des Rewe-Supermarkts auf dem ehemaligen Gelände der Gärtnerei Zaak oder die Umsiedlung des städtischen Servicebetriebs aus dem denkmalgeschützten Gebäude der Lindesmühle werden ebenso in die Überlegungen einbezogen. "Die Landesgartenschau kann auch ein wichtiger Impuls für private Investoren sein. Wir werden aber noch viele Gespräche führen müssen", vertröstete Böhringer im Verlauf des Rundgangs manchen Fragesteller.

Lofts in der Lindesmühle?

Nur selten wurde der Stadtplaner genauer: Der "Flaschenhals" zwischen der Rückseite des Schlachthofs und der Lindesmühle muss verbreitert werden, weshalb nach einer Umsiedlung des städtischen Servicebetriebs und Einbeziehung der Lindesmühlen-Fläche ins LGS-Gelände dieser Zugang weiträumiger gestaltet werden kann. "Eine knifflige Aufgabe." In der Lindesmühle selbst denkt Böhringer an Loft-Wohnungen, wie sie anderenorts in umgenutzten Industriegebäuden zu finden sind. "Ein Superstandort für Wohnungen", schwärmte Böhringer, überhörte allerdings den leise gemurmelten Zweifel einzelner Rundgänger. Mehr Zustimmung gab es bei der Gestaltung der Nebenflächen um den Hans-Weiß-Sportplatz, wo sich der Planer das Ausstellungszentrum im Jahr der Landesgartenschau vorstellen kann. "Hier haben wir einen hohen Nutzungs- und Gestaltungsdruck. Denn die wichtigste Frage ist immer, was ist danach, wenn das Ausstellungsjahr vorbei ist?" Das Sportplatz-Areal will er nicht nur dem klassischen Sport vorbehalten, sondern für moderne Trends von Spiel und Bewegung öffnen. Vor allem sollen die Sportplatzflächen von Wohngebäuden eingefasst werden, um die aktuelle Stadtrandlage aufzulösen und den Sportplatz ins städtische Leben einzubinden.

Immer im Blick: Das Welterbe

"Wir müssen die Landesgartenschau immer im Zusammenhang mit dem Welterbe sehen", betonte der Stadtplaner einen wichtigen Gesichtspunkt. Das vorgesehene LGS-Areal im Süden der Stadt grenzt unmittelbar an das Welterbe-Gelände, weshalb beides voneinander profitieren kann und soll. "Wir probieren alles, um ein nachhaltiges Konzept hinzubekommen."

Kritische Teilnehmer

"Ich finde die Visionen herrlich", war Christianne Treubig begeistert. Sorgen machen ihr nur die Kosten, denn bekanntlich "wird bei öffentlichen Projekten immer alles teurer", vor allem angesichts aktuell steigender Baukosten. Nicht allein die Investition bereitet Heinz Steidle Sorgen, sondern eher die späteren Unterhaltskosten. Manche Idee stört auch Jugendbeirat Robin Kuhn, obwohl er grundsätzlich nichts gegen eine Landesgartenschau hat. "Muss es eine Brücke über die Schlachthofkreuzung sein?", denkt er an deren späteren Unterhalt. Das Geld will er lieber in Projekte für Kinder und Jugendliche investiert sehen, wovon beim Rundgang überhaupt keine Rede war.

Die Berücksichtigung von Kindern und jungen Familien steht auch für Therese Rottmann, Mitglied im Kissinger Seniorenbeirat, ganz oben auf der Wunschliste. Die vorgestellten Ideen für die Wohnraumplanung am Sportplatzgelände und dessen erweiterte Nutzung für Spiel und Bewegung findet sie gut. "Aber auch Ruheplätze für Senioren dürfen im LGS-Gelände nicht fehlen." Generell ist Rottmann von diesen ersten Planungsansätzen angetan. Das Wichtigste ist aber für sie: "Alles muss nachhaltig geplant und gebaut werden."