Ein ganz klares Ja". So antwortet Matthias Vollmuth auf die Frage, ob man mit Lachen dem Herbstblues begegnen, ihn gar überwinden kann. Eigentlich logisch, dass er das sagt: Seit mehr als einem Jahrzehnt ist der 56-Jährige Lachtherapeut, arbeitet nicht nur in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, sondern nebenbei als Lach-Trainer in Rehakliniken.

"Lachen gehört zu den vier Grundsäulen des Glücks und der Zufriedenheit. Es unterstützt wie unter anderem Tanzen, Spielen und Singen dabei, Stimmungstiefs zu überwinden oder ihnen vorzubeugen." Also auch dem Herbstblues.

"Das Immunsystem wird durch Lachen gestärkt", behauptet Vollmuth. Und "Gestaute Emotionen werden befreit. Es entstehen weniger Ärger und Frustrationsgefühle." Das liege daran, dass mehr als 300 Muskeln aktiviert und zeitgleich andere Muskelgruppen entspannt werden. Lachend werde sechs Mal mehr Sauerstoff aufgenommen als bei der normalen Atmung. So könne mehr Energie freigesetzt werden. "Zusätzlich werden durch die tiefe Atmung die Blutgefäße geweitet. Das Lungenvolumen wird erhöht, da wir sehr lange ausatmen."

Auch schüttet der Körper Glückshormone (Endorphine) aus. Allerdings nicht bei einem kurzen Lachen. "Wir müssen schon circa drei Minuten lachen, damit das Gehirn die Herstellung des Hormons veranlasst", sagt Vollmuth. Die drei Minuten müssten nicht an einem Stück sein, aber doch zeitlich ziemlich beieinander.

Aber wie jemanden zum Lachen bringen, der das eigentlich nicht will? Wer emotional in einem Loch steckt, kann sich schwerlich überwinden. "Es ist eine bewusste Entscheidung, sich und seiner Psyche eine Pause von der Anspannung und den Gedankenschleifen des Lebens zu gönnen", sagt der Lachtherapeut aus eigener Erfahrung und der in Rehakliniken. "Wichtig zu wissen, ist: Wer lacht, der denkt nicht und wer denkt, der lacht nicht."

In seinen Lach-Yoga-Kursen fällt es Vollmuth leicht, Teilnehmer anzustecken. Er verfügt über ein großes Repertoire an unterschiedlichen Lachern: laute, leise, unterbrochene, kichernde, und viele mehr. Zusätzlich setzt der Trainer spezielle Lach-Übungen, aber auch Atem-, Klatsch- und Spaßeinheiten und Positive-Verstärker-Übungen ein.

Wer allein daheim lachen möchte, sollte ein Lachyoga-Buch lesen oder eine Lach-CD anzuhören, damit eine Art Gruppengefühl entstehen kann. "Ansonsten mutig und kreativ Lösungen zum Lachen suchen und finden. Ein Lächeln kann leicht entstehen." Natürlich helfe ein Witzbuch, eine Comedy-Sendung oder die Buchung eines Lachtrainers.

Was sich nicht jedem erschließt: Lachen mit nachhaltigem Effekt gestaltet sich anstrengend. Denn um den Herbstblues zuverlässig zu bekämpfen, reicht ein wöchentliches Fünf-Minuten-Lachen nicht aus. "Sie sollten Lachen im Tagesablauf einbinden, damit es zur täglichen Routine werden kann. Hierfür reicht es aus, wenn ich bewusst mehrmals am Tag die Mundwinkel nach oben ziehe", rät der Therapeut. Dies sei bereits ein Zeichen an den Körper, sich zufriedener zu fühlen.

Matthias Vollmuth hält es für "grundsätzlich zielführend", sich neben dem Lachen andere guttuende Maßnahmen auszuwählen, um den Herbstblues zu lindern. "Die meisten trauen sich eher nicht, auf einem Spaziergang in der Öffentlichkeit einfach zu lachen. Doch das Sonnenlicht auf dem Spaziergang ist ebenso wichtig wie das Lachen."

Weil es die Grundstimmung hebe und das Selbstbewusstsein stärke, wirke Letzteres der Vereinsamung entgegen. "Denn ich ziehe mich nicht zurück, sondern nehme weiterhin am Leben draußen teil."

Schließlich verspricht Matthias Vollmuth noch: "Wer einmal die positiven Eigenschaften von Lachen gespürt hat, weiß, wie gut es Körper und Geist tut." Beim Lach-Yoga gehe es darum, einfach zu lachen. Auch wenn eigentlich kein Grund dazu bestehe.

Informationen

Lachyoga: Aktuell gibt es im Landkreis Bad Kissingen kein festes, öffentliches Lach-Yoga-Angebot. In der Corona-Pandemie mussten geplante Einheiten abgesagt werden. Am 18. Oktober 2020 findet im Rahmen der Gesundheitstage von 11:15 Uhr bis 12:45 Uhr im Caritashaus Bad Kissingen (Hartmannstraße 2a) ein Lach-Yoga-Schnupperangebot statt. Dabei liest Matthias Vollmuth aus seinem Buch "Lach-Yoga - Das Katapult ins Glück" (Schwerpunkt gesundheitliche Wirkungen) und versucht mit den Teilnehmern gemeinschaftliches Lachen.

Lachclub: Als Gründungsmitglied war Matthias Vollmuth dabei, als der Lachclub Bad Kissingen 2007 etabliert wurde. Elf Jahre füllte er die Funktion des Lachtrainers aus. Außerdem war er für sechs Jahre Vorstandsvorsitzender. Aufgrund rückläufiger Mitgliederzahlen musste der engagierte Vorstand den Verein schweren Herzen im Jahr 2019 auflösen.