Kabarett ohne Hinweise auf politische Schieflagen ist Comedy - und das erlebten die knapp 400 Gäste im Innenhof des Luitpoldbades beim Auftritt von Michl Müller. Der Garitzer Unterhaltungskünstler lies in schwierigen Zeiten die satirisch-bissigen Kommentare zu Hause; stattdessen amüsierte er fast drei Stunden mit Geschichten und Liedern über "Liebe, Glück und Unsterblichkeit", die er rund um William Shakespeare verortete.

Der Innenhof des Luitpoldbades unter Corona-Bedingungen hatte etwas Gediegenes. Mit Barambiente wurden die Abstände eingehalten, was sicherlich für einen Künstler, der bei Open-Airs auftritt gewöhnungsbedürftig ist.

Der fränggische Kabarettist und Comedian hatte sein aktuelles Programm "Müller - nicht Shakespeare!" leicht modifiziert und den geänderten Rahmenbedingungen angepasst, in dem er Bemerkungen wie "Für den Unterfranken sind 1,50 Meter Abstand gar nichts - 10 Meter sind normal" einfließen ließ.

Instinktsicher bewegte sich Müller mit einem gekonnten und ihm eigenen Sammelsurium von Stichwörtern durch die menschlich-gesellschaftlichen Niederungen, die zu schadenfrohem Gelächter führen. Er sezierte die massentauglichen Fettnäpfchen rund um wohlbekannte Alltagsszenen, die er Holger und Frank und "dat Uschi" erleben lässt und die somit stellvertretend für jemanden stehen, den sein Publikum kennt und der manchmal gar nicht so weit entfernt ist - wie so mancher Seitenblick bewies. All das garnierte er mit seinen pantomimisch-choreographisch unterlegten Liedern, deren ältere Versionen bei seinen Fans zu "Evergreens" geworden sind. Müllers Gäste wollen nichts Tiefschürfendes oder Verkopftes mit erhobenen Zeigefinger; sie wollen schenkelklopfendes Lachen - ausgelöst durch Anzüglichkeiten oder durch süffisante Anmerkungen zum Klingelton der Telekom-Service-Hotline, der Müller bei 70 Minuten Wartezeit an ein Totenglöckchen erinnert.

Seine Allerweltsgeschichten transportierte er mit bildhafter Sprache und szenischer Bühnenpräsenz und verbindet sie mit einem hohen Maß an Wiedererkennungswert. Seine Gäste schmunzelten über den psychologisch noch nicht untersuchten Zwang zur "frischen Ünnerhose", über Rauchmelder als Erotikkiller im Schlafzimmer, über die vegetarische Lebensweise mit einer "BLI als Bratwurst-Leberkäse-Intoleranz", über die E-Zigarette als brennende Blockflöte mit dem Geschmack eines "Wunderbaums" oder über "grüne Smoothies aus püriertem Kopfsalat", wodurch die Lücke der pürierten Ernährung von Kleinkind zum Greis geschlossen wird.

Dank des Programmtitels durften Shakespeares Figuren "Romeo und Julia" nicht nur literarische Höhepunkte beisteuern, sondern waren stimmungsvolle Vorlagen für das Verliebtsein in den ersten Tagen, das nach vielem "Ich liebe dich" - "Ich dich auch" schnell in einen Alltag übergeht, wo ein "3-Tages-Bart" stört, der vorher noch toll war, wo man als Partner schnell vor der Tür landet, weil man nicht mehr in den Feng-Shui-Energiefluss passt.

Ed Sheeran diente zwischendrin als Kommando für den Tontechniker, der daraufhin auf "Play" drückte, wobei der Stil des britischen Singer-Songwriters nur ansatzweise umgesetzt wurde. Michl Müllers eigener Stil - mit Anleihen bei Helene Fischer und anderen - begeisterte die 400 Gäste, die die Refrains der Lieder mitsangen. "Maschin kaputt" oder "Piep, Piep, Piep" oder "Ich schau dich an" oder das melancholische Schlusslied "Des is mei Weg" ergänzte er in der herbeigeklatschte Zugabe durch ein Medley, in dem nochmals seine Kassenschlager zu hören waren: "Ingwer-Reibe", "Vollwärmeschutz der Liebe", "Rock´n Rhöner" und "Fleischereifachverkäuferin".