Camping boomt - das zeigt der Blick auf die Zahlen. Laut einer Statistik sind im vergangenen Jahr 106 859 solcher Fahrzeuge in Deutschland zugelassen worden - Tendenz steigend (Quelle: Statista). Die Folgen dessen machen sich auch in der Rhön bemerkbar. Wildcamper und deren Hinterlassenschaften sorgen bei manchem Landwirt und Naturfreund für Ärger. Stefan Knüttel von dem Unternehmen Rhön Adventure Academy möchte dem etwas entgegensetzen. Sein Lösungsansatz ist eine Internetplattform.

Platz zum Übernachten bieten

"Mir ist aufgefallen, dass es immer mehr Wohnmobilisten und Camper werden", sagt er. Johannes Metz, von der Rhön GmbH in Oberbach, pflichtet Stefan Knüttel bei: "Den vermehrten Umstieg auf Wohnmobile und Camper nehmen wir natürlich auch in der Rhön wahr, ohne bereits an Grenzen zu stoßen." Einige Stellplatzangebote hat die Rhön GmbH auf ihrer Homepage den Touristen zur Verfügung gestellt. Außerdem finden sich im Internet zahlreiche weitere Seiten, auf denen beispielsweise Kommunen ihre Campingmöglichkeiten feilbieten. Aber Stefan Knüttel reicht das nicht. "Ich dachte, dass uns in der Region eine Plattform fehlt, auf die alle Anbieter drauf gehören, die Stellplätze und Flächen in petto haben." Dazu gehören für ihn nicht nur Campingplätze, sondern beispielsweise auch Grundstücke von Bauernhöfen.

Denn: Der Reiz der Rhön liegt für viele Wohnmobilisten in den Offenen Fernen und dem Sternenhimmel. Der sieht sich von manchem Campingplatz aus wegen der Lichtverschmutzung schlecht. Einige Wohnmobilisten parken deshalb illegal in Naturschutzgebieten, um das Land der Offenen Fernen zu bewundern. "Wenn ein Landwirt aber zum Beispiel Camper auf seinen Bauernhof lässt, können sie dort die Rhöner Landschaft bewundern, ohne illegal unterwegs zu sein."

Initiator der Rhön-Website: Gastronomie und Hofläden können profitieren

Möglich sei das auch auf Flächen von Gaststätten oder Hotels. "Warum sollte man die Leute nicht für ein paar Euro Miete dort stehen lassen. Die Gastronomie oder Hofläden würden ja davon profitieren." Eine Konkurrenz zu den bereits vorhandenen Angeboten möchte er mit seiner Homepage wohnmobilstellplatz-rhoen.de nicht sein. "Ich sehe es als Erweiterung." Dazu arbeitet er auch mit den Touristikern in Oberbach zusammen. Die Rhön GmbH sei laut Johannes Metz "über die Entwicklung informiert" und unterstütze Stefan Knüttel auch bei der Stellplatzsuche oder bei anderen Fragen. Für Interessierte planen Stefan Knüttel und sein Team verschiedene Infoabende.

Auf seiner Website sollen sich die Anbieter von Stellplätzen - sowohl Campingplatzbesitzer, als auch Landwirte oder Hotels - registrieren. Anschließend müssen sie ihren Stellplatz charakterisieren. "Dafür können sie Bilder hochladen, einen Infotext schreiben und alle wichtigen Angaben zum Stellplatz machen." Für Landwirte, die eine Fläche feilbieten kostet das Jahres-Abo beispielsweise 50 Euro. "Die Website muss gepflegt und geupdatet werden", sagt Stefan Knüttel. Gewinn mache er damit nicht. "Mir geht es darum, dass die Leute ordentlich untergebracht sind."

Stellplatz nach Maß

Über die seiteninterne Suchmaschine lässt sich dann der maßgeschneiderte Stellplatz finden. WLAN, Sauna, Schwimmbadnähe, am Bauernhof, am Hotel oder bei einer Gaststätte oder eben der eigenständige Stellplatz - zahlreiche Wünsche der Wohnmobilisten finden Berücksichtigung. "Die Website wächst nach und nach", sagt Stefan Knüttel.

Der Preis für die Übernachtung obliegt dem Stellplatz-Anbieter. "Ich prüfe das Angebot und schalte es danach frei. Dann haben die Wohnmobilisten die Möglichkeit es zu buchen." Aber: "Wenn zum Beispiel gerade Mahdzeit ist und der Landwirt in der Situation keine Camper auf seinen Flächen gebrauchen kann, muss er die Buchung des Campers nicht annehmen."

Müllproblem nimmt zu

Mit seinem Konzept sagt Stefan Knüttel zwei Tourismus-Problemen den Kampf an: den Müllablagerungen und dem Wildparken. Er ist überzeugt: "Attraktive, gut findbare Stellplätze führen dazu, dass das Wildparken weniger wird." Als Folge werde auch der Müll weniger. Denn nicht jeder verlässt sein Nachtlager so, wie er es vorgefunden hat. Das weiß auch Klaus Spitzl, der Geschäftsführer des Naturparks & Biosphärenreservat Bayerische Rhön e.V.: "Dieses Thema hat im Zuge der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Freizeitverhalten in Natur und Landschaft an Bedeutung leider zugenommen." Um den Umweltgedanken zu betonen, arbeiten Stefan Knüttel und sein Team derzeit an einem Rhön-Knigge, den Nutzer auf der Homepage herunterladen können.

Doch nicht jeder Camper sei laut Spitzl ein schwarzes Schaf. "Schlimm ist, wenn die Mehrzahl derjenigen, die mal eine Nacht auf einem Parkplatz von spät abends dort parken und am nächsten Tag frühzeitig weiterfahren und keinen Müll hinterlassen, dann mit denjenigen in Verruf geraten oder in einem Atemzug genannt werden, die halt mehrere Nächte bleiben und dann auch noch ihren Müll oder Unrat draußen hinterlassen", sagt Spitzl.