Ein ganzes Bündel von Maßnahmen zur Verhütung von Verkehrsunfällen hat die Kreisverkehrswacht in der Jahreshauptversammlung vorgestellt. Nach dem bayerischen Verkehrssicherheitsprogramm 2020 soll die Zahl der Verkehrstoten um nochmals 30 Prozent gesenkt und die Zahl der Verkehrsunfälle und der Verletzten weiter reduziert werden. Der Focus liegt dabei auf Kinder, Fahranfänger, Fußgänger und besonders Senioren.

Der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht Bad Kissingen, Florian Arand, betonte: " Die von der Staatsregierung geforderten Maßnahmen setzen wir durch unsere umfangreichen Aktivitäten für alle Verkehrsteilnehmer schon lange um. Entgegen dem landweiten Trend sinken bei uns die Unfallzahlen der besonders zu schützenden Personengruppen vermutlich deutlich."

Eine umfangreiche Verkehrserziehung im Elementarbereich liegt der Kreisverkehrswacht seit vielen Jahren am Herzen. So fand im vergangenen Jahr für Erzieherinnen ein Seminar unter dem Titel: "Als Verkehrsteilnehmer/in schnell und sicher reagieren - Übungen zur Reaktionsfähigkeit" statt. Als junge Verkehrsteilnehmer sind schon Kinder gefordert, schnell und der Situation angepasst zu reagieren. Den Erzieherinnen wurde gezeigt, wie bei Kindern spielerisch und mit Freude die Entwicklung der Reaktionsfähigkeit unterstützt werden kann. Beratungsgespräche in fast allen Kindertagesstätten rundeten die Aktion ab. Wie Kinder auf den Straßenverkehr vorbereitet werden können, konnten Eltern bei einer Reihe von Veranstaltungen erfahren.

Seit 60 Jahren ist es ein Hauptanliegen der Kreisverkehrswacht Bad Kissingen e.V., dass die Schulkinder sicher zur Schule und auch wieder sicher nach Hause kommen. Dazu erhalten die Schulanfänger zum Schulanfang jährlich leuchtend gelbe Sicherheitsdreiecken. Diese Aktion wird für den ganzen Landkreis von der Sparkasse Bad Kissingen und der Saale-Zeitung unterstützt. Damit auch die anderen Schüler gefahrlos die Schule zu Fuß oder mit dem Bus erreichen können, sicheren Schülerlotsen oder Schulbuslotsen an neun Schule den Schulweg zuverlässig ab. Derzeit sind 252 Schülerlotsen im Einsatz und sichern täglich gefährliche Straßenübergänge ab. Verantwortungsbewusste Eltern haben an den Schulen in Garitz, Burkardroth und Oerlenbach einen Lotsendienst organisiert.

Großer Wert wird auch auf die Fahrradausbildung der Kinder in der 4. Jahrgangsstufe gelegt. So konnten 464 Kinder in der Jugendverkehrsschule ausgebildet werden. Nach der bestandenen Radfahrprüfung erhielten die Schüler Ausweise, Urkunden und Fahrradwimpel.

Seit 30 Jahren hat die Verkehrswacht auch die besonders gefährdete Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen Fahranfänger im Visier. Neben mangelnder Erfahrung und Routine liegen hier die Ursachen vor allem in jugendspezifischen Verhaltensweisen. Auf einem abgesperrten Gelände der Bundespolizei Oerlenbach konnten bei 13 Kursen 151 Fahranfänger unter Aufsicht von qualifizierten Fahrausbildern mit dem eigenen Auto Sicherheit trainieren.

In der Jahreshauptversammlung wurde auch der langjährige Moderator Walter Rügamer verabschiedet. Florian Arand lobte ihn als zuverlässigen Sicherheitstrainer: " Du warst mit Herzblut bei diesen Sicherheitskursen dabei. Viele junge Kursteilnehmer haben deine ruhige, aber bestimmte Art sehr geschätzt." Dank seiner Persönlichkeit und väterlichen Ausstrahlung hätten die Fahranfänger auf Walter Rügamer gehört. Er habe es verstanden, bei jungen Leuten das Pflichtbewusstsein und den verantwortungsbewussten Umgang mit dem Auto zu wecken - ohne erhobenen Zeigefinger.

Auch ältere Menschen bleiben im Straßenverkehr vor Verkehrsunfällen nicht verschont. Seniorenberater Edgar Kast erklärte in seinem Beitrag: "Senioren haben es in unserem ländlichen Bereich im Straßenverkehr als Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger und Rollator-Benutzer nicht immer leicht. Gerade auf dem Lande sind sie aber besonders auf ein Fahrzeug angewiesen." Durch die nachlassende körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sei die Teilnahme am Straßenverkehr zusätzlich erschwert, aber das Auto biete ihnen auch ein hohes Maß an Mobilität, Unabhängigkeit und Lebensqualität möglich.

502 Teilnehmer konnten bei Vorträgen und Rollatoren-Veranstaltungen dazulernen. Neu in das Programm aufgenommen wurde die Sicherheitsaktion "Seniorenfahrschule". Dabei können Senioren mit dem eigenen Auto und einem Fahrlehrer bessere, sichere Verhaltensweisen lernen. Diskretion und Vertraulichkeit seien explizit zugesichert. Eine Seniorin aus Poppenlauer, die an der Sicherheitsaktion bereits teilgenommen hat, zeigte sich in der Versammlung total begeistert. " Ich fühle mich durch die Seniorenfahrstunden wieder total sicher im Straßenverkehr. Der Fahrlehrer war sehr höflich und seine Ratschläge äußerst hilfreich. Ich kann jetzt sogar wieder ausgezeichnet einparken".

"Mit dieser neuen Sicherheitsaktion möchten wir dazu beitragen, dass besonders unsere älteren Mitbürger auf dem Lande möglichst lange, sicher und unfallfrei mobil bleiben und ohne höheres Risiko am Straßenverkehr teilnehmen können", betonte Geschäftsführer Matthias Kleren.

Schließlich berichtete Florian Arand, dass Geschäftsführer Matthias Kleren in der Jahreshauptversammlung der Landesverkehrswacht Bayern e.V., in Würzburg für seine Verdienste um die Verkehrssicherheit in Bayern das "Goldene Ehrenzeichen" erhalten hat. Auch Schatzmeister Jan Freese erhielt als Anerkennung für seine umfangreiche Verwaltungsarbeit das "Silberne Ehrenzeichen".

Vielen Autofahrern sind die an den Hauptstraßen stehenden Verkehrswacht-Tafeln bekannt. Diese wurden im vergangenen Jahr mit sechs verschiedenen Sicherheitsaufrufen beklebt.
Matthias Kleren machte auch darauf aufmerksam, dass die Kreisverkehrswacht Bad Kissingen e.V. in diesem Jahr auf 65 Jahre segensreiches Wirken als "Unfallverhütungsverein" und auf 30 Jahre Sicherheitskurse für junge, gefährdete Fahranfänger zurückblicken kann. Eine Jubiläumsveranstaltung ist in Vorbereitung.