Nicht näher als 50 Meter durfte ein 41-Jähriger der Mutter seiner Kinder kommen. Das wusste er seit Juli 2020. Trotzdem stand er jetzt wegen eines Vorfalls am Abend des 4. September letzten Jahres in Bad Kissingen vor Gericht wegen einem Vergehen nach dem Gewaltschutzgesetz.

Was vor der Anordnung vorgefallen war, kam nicht zur Sprache. Die Richterin sagte eingangs nur, "dass es sich um eine schwierige Familiensituation handelt, ist mir bewusst, aber wir entscheiden heute nur über den Vorfall an diesem Abend". Laut Anklage hatte der Mann dieser Anordnung zuwider gehandelt und versucht, sich Zutritt zum Haus der Frau zu verschaffen. Er leugnete dies jedoch vehement, er sei nicht dort gewesen.

Die 38-Jährige wollte gerade mit einem Bekannten, der wie sie selbst als Zeuge geladen war, Fernsehen, nachdem er ihr bei einem Wasserschaden geholfen hatte. Als sie ein Geräusch hörten, öffnete der Bekannte das Fenster und rief hinaus. Er hörte ein Tor quietschen und sah eine Gestalt mit Rucksack in Richtung Stadtkern davonlaufen.

"Es war nachts und ich habe ihn nur von hinten gesehen", sagte der 33-Jährige vor Gericht aus. Die Polizei habe ihn nicht befragt, sondern nur angerufen, aber der Beamte "hat schnell gesprochen und ich verstehe kein Deutsch".

Dem Angeklagten begegnete er vor Gericht zum ersten Mal persönlich, er kannte ihn vorher nur von Fotos. Seiner Bekannten hatte er jedoch bestätigt, "von der Statur her könnte er es gewesen sein". Sie selbst gab vor Gericht an, sie sei "wie erstarrt" gewesen, als sie hörte, dass jemand weggerannt ist. Daher habe sie niemanden gesehen. Die Polizei habe sie zwar gerufen, diese sei aber wegen eines größeren Einsatzes an dem Abend erst eineinhalb Stunden später eingetroffen.

Am nächsten Tag hätten sie und ihr Vater festgestellt, dass am Gitter des Kellerfensters Schrauben gelockert worden waren. Zudem hatte sie ihren Exfreund bereits einige Tage zuvor gesehen, wie er ihre Wohnung beobachtet hat.

Aussage gegen Aussage

"Es gab mehrere Vorfälle, aber ich wohne jetzt nicht mehr hier, ich habe es nicht mehr ausgehalten", berichtete die Verwaltungsfachangestellte vor Gericht. Der Beschuldigte blieb dabei: "Ich bin selbst ehemaliger Polizist, ich weiß was Gesetz bedeutet, ich bin dort weggegangen und habe meine Schlüssel abgegeben", sagte er. Er lebe hier und hätte jederzeit dort schauen können, aber "ich bin dort nicht gewesen", bekräftigte er erneut. Freitags habe er immer einen langen Arbeitstag und sei sehr müde, da gehe er nicht mal mehr einkaufen.

Seine Verteidigerin hatte sich sogar die Mühe gemacht, Fotos vom Fenster und den Laternen zu machen und zweifelte an, dass man um 20 Uhr dort jemanden erkennen kann.

Aber da der Tatvorwurf ohnehin nicht bestätigt werden konnte, sprach das Gericht den Beschuldigten frei auch "wenn einiges für sie spricht", so die Richterin. Aber: "Nachdem die Zeugin jetzt weiter weg wohnt, dürfte da ja nichts mehr passieren".