Die gute Nachricht ist: Es ist leichter geworden, den Traumberuf zu bekommen. Denn "die Schüler haben eine andere Ausgangslage als früher, das Angebot an Stellen und Bewerber ist nahezu ausgeglichen", bestätigt Eveline Horstmann von der Bundesagentur für Arbeit. Das sei natürlich motivierend, trotzdem müssen die Schüler etwas dafür tun, sich engagieren und Interesse an dem gewünschten Beruf zeigen, macht sie deutlich. Die Ansprüche steigen. Und es gibt selbstverständlich immer noch Berufssparten, die mehr Bewerber als freie Stellen haben.

Um erst einmal zu wissen, wohin der Weg gehen soll, können sich die Neuntklässler der Jakob-Kaiser-Realschule und die Schüler des Mittlere-Reife-Zuges bei einem Berufswahlseminar informieren. Schulleiter und Ausbilder stellen in der Schule ihre Berufe vor und beantworten Fragen vom Weg der Ausbildung und Chancen bis hin zum Verdienst. Dazu haben einige ihre Auszubildenden mitgebracht.

Sven Höchemer zum Beispiel ist 19 Jahre alt und hat 2009 seinen Abschluss in der Hammelburger Realschule gemacht. Danach hat der Oberthulbaer eine Lehre zum Elektroniker für Geräte und Systeme begonnen. Er wollte schon seit der 7. Klasse einen technischen Beruf ergreifen. Seinen Ausbildungsberuf hat er damals zwar nicht im Seminar, sondern im Internet entdeckt. Aber er präsentiert seine Arbeit gern. Sie macht ihm Spaß. "Die Arbeit ist zukunftsorientiert und ich mag das familiäre Umfeld bei Fresenius", sagt Sven.


Guter Draht vom Schüler zum Azubi



Wie die anderen Azubis findet er schnell den richtigen Draht zu den Schülern. Das ist auch einer der Gründe, warum Eberhard Saam, Ausbilder bei Takata in Albertshausen, drei seiner Auszubildenden samt Anschauungsmaterial für den Vortrag mitgebracht hat. Außerdem müssen die Azubis in ihrer Abschlussprüfung ebenfalls eine Präsentation vor einer größeren Personengruppe halten und können so auch selbst von dieser Erfahrung profitieren.

Wichtig ist für Organisatorin Horstmann im Seminar ein ausgewogenes Angebot. Neben Industrie- und Handwerk sind auch Polizei, Bundeswehr und BGS vertreten. Erstmals wird auch über das Freiwillige Soziale Jahr und den Bundesfreiwilligendienst informiert. Darüber hinaus gibt es Infos zu Bewerbung und Vorstellungsgespräch, aber auch Übertritt an die Fachoberschule. Das Interesse an Metall- und Elektroberufen, aber auch Polizei- bzw. Mittlerer Dienst ist groß. Auch Berufe im Gastgewerbe, Physio- und Ergotherapie oder Logopädie sind gefragt. Schlecht schneiden dagegen Pflegeberufe oder auch das Handwerk ab.

Viele wissen schon, was sie werden wollen, und das ist gut so. Horstmann weiß, dass die Betriebe immer früher mit ihren Stellenauschreibungen beginnen. Bei den Banken laufen z.B. schon jetzt die Bewerbungen. "In der 10. Klasse hatten einige schon im Dezember ihre Zusagen" , berichtet sie.

Christoph (9d) will Koch werden. Das ist für ihn nach drei Praktika sicher. Und auch Klassenkameradin Lisa weiß, dass sie Karosseriebaumechanikerin werden will. Banknachbarin Sina ist unschlüssig, aber dafür gibt es das Berufswahlseminar ja schließlich. Sie informiert sich in verschiedenen Sparten. Und zur Sicherheit will sie danach auch noch ein Praktikum machen.