Die Bilder aus den Nachrichten schocken. Zerstörte Wohnhäuser und Flüchtlingstrecks, die gen Westen ziehen, sind nur ein Teil des Wahnsinns des Krieges, den Russland in der Ukraine entfachte. Im Landkreis Bad Kissingen und darüber hinaus baute sich in den vergangenen Tagen deshalb eine Welle der Hilfsbereitschaft auf. Die Redaktion hat zusammengetragen, wo gespendet werden kann, und was Menschen vor Ort tun können, um den Ukrainern zu helfen (siehe unten).

Ob Kriegsflüchtlinge im Landkreis ankommen, ist laut Johannes Hardenacke, dem Pressesprecher der unterfränkischen Regierung, bislang noch unklar. Aber: Es sei mit Flüchtlingen in ganz Unterfranken zu rechnen. Wann es soweit ist, ist bisher ebenfalls unklar. Er vermutet, dass die Ukrainer mit verschiedenen Verkehrsmitteln ankommen - darunter möglicherweise die Bahn.

Vorbereitungen für die Aufnahme der Geflüchteten aus der Ukraine

"Die Vorbereitungen für staatliche Unterbringungen bzw. Notaufnahmen laufen", teilt er mit. Aber: Es ist den Ukrainern auch möglich, bei Verwandten, Bekannten oder Freunden unterzukommen. Er fügt an: "Viele ukrainische Flüchtlinge werden voraussichtlich auch entsprechende Kontakte zunächst mal nutzen."

Menschen, die ihr Dachgeschoss oder ihre Ferienwohnung zur Verfügung stellen wollen, können sich mit der Caritas, der Diakonie oder dem Landratsamt in Verbindung setzen. "Die Unterbringung der Flüchtlinge ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Eine Unterbringung bei Verwandten, Freunden, Bekannten oder Helfern ist natürlich möglich und hat Vorrang vor einer staatlichen oder kommunalen Unterbringung."

Der Mann von der Pressestelle fügt an: "Wer sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren will, kann auf die Träger der Flüchtlings- und Integrationsberatung - also Caritas, Diakonisches Werk, Paritätischer Wohlfahrtsverband oder etwa BRK - zugehen." Der Grund seiner Bitte: "Ein koordiniertes Vorgehen ist so gewährleistet." Abstimmungen - etwa dazu, was genau benötigt wird - fallen so zudem leichter.

Landkreis Bad Kissingen richtet Koordinierungsgruppe ein

Im Landkreis Bad Kissingen hat sich laut Anja Vorndran, Pressesprecherin des Landratsamtes, eine Koordinierungsgruppe gebildet. Deren Aufgabe: "Strukturen zu etablieren, um Flüchtlingen aus der Ukraine Hilfe zu leisten." Bislang liegen auch der Behörde keine näheren Informationen vor, was die Anzahl der möglichen Kriegsflüchtlinge betrifft, die in den Landkreis kommen, wie sie anreisen oder wann sie eintreffen.

Dass - wie aus Medienberichten ersichtlich ist - viele Ukrainer ihr Haustier bei der Flucht dabei haben, sei kein Problem. "Da findet sich eine Lösung", heißt es aus der Behörde.

Was die Sammlung von Hilfsgütern betrifft, ist man beim Kreisverband Bad Kissingen des Bayerischen Roten Kreuzes aktuell in der Findungsphase und unter anderem dabei, die Lagerkapazitäten zu planen, wie Kreisgeschäftsführerin Margit Schmaus auf Anfrage berichtet. Bei der Caritas gibt es aktuell ebenfalls noch keine direkte Anlaufstelle für die Sammlung von Hilfsgütern, wie es von dort heißt. Den Flüchtlingsberater würden aber individuelle Anfragen erreichen.

Carsten Bräumer, Leiter des Diakonischen Werks Schweinfurt, erklärt, dass man sich unter anderem mit dem Roten Kreuz abstimmen werde und die Dienste als Partner zusammenarbeiten würden.

Alte Menschen und Mütter mit Kindern flüchten aus der Ukraine

Einer, der täglich Informationen direkt aus dem Grenzgebiet zur Ukraine erhält, ist Kai Handel. Er wohnt in der Gemeinde Oberleichtersbach und ist Mitarbeiter und Vorstandsmitglied beim in Schlüchtern ansässigen Kinderhilfswerk "Das kunterbunte Kinderzelt". Dieses stellt seit über 20 Jahren Hilfsprojekte im östlichen Teil Rumäniens auf die Beine.

"Durch den Ausbruch des Krieges kommen derzeit sehr viele Flüchtlinge an der Nord-Ostgrenze an und müssen versorgt werden", berichtet Handel. Es seien alte, teilweise sehr gebrechliche Leute und Mütter mit ihren Kindern, die über die Grenze kommen. "Sie haben in einem kleinen Rucksack oder Koffer nur das Nötigste dabei", schildert Handel. "Die Situation für diese Menschen ist höchst dramatisch und sehr erschütternd."

Von Aspirin über Decken und Geld bis Zahnpasta: Was alles benötigt wird und wo Sie die Waren abgeben können

Unterkünfte und Sprache Einwohner des Landkreises, die helfen wollen, etwa mit Unterkünften oder ihren Sprachkenntnissen, können sich unter der E-Mail: ukraine-hilfe@kg.de ans Landratsamt wenden. Das Landratsamt bittet darum, Hilfsangebote vorrangig an diese E-Mail-Adresse zu schicken und sich nur in Ausnahmefällen an die Tel.: 0971/801 38 00 zu wenden.

Sachspenden Ukrainer und befreundete Deutsche rufen im Landkreis zu Sachspenden auf, die dann gesammelt an die Grenzen der Ukraine gebracht werden sollen. Benötigt werden: Warme Kleidung; Schuhe; Rettungsdecken; Regenkutten/Regenumhänge; Medizin, Hilfs- und Heilmittel (Ibuprofen, Paracetamol, Analgetika, Antipyretika, Nurofen, Blutbeutel, Tropfer, Katheter, Bandagen, elastische Bandagen, Alkoholservietten, Gaze, Hämostatika und Ähnliches); Hygiene-Artikel für Frauen und allgemeine Hygiene-Artikel (z.B. Zahnbürsten, Zahnpasta, Shampoo, Duschgel, Trockenshampoo, Deo, Handdesinfektion, Windeln für inkontinente Erwachsene, Babypuder, Wundcreme für Babys, feuchte Tücher); Nahrung (länger haltbar; auch für Babys, hier auch Fläschchen, und für Allergiker); Sonstiges: Decken, Bettwäsche, Handtücher, Taschenlampen, Papier, Kerzen, leere Säcke (für Sand), Tragen; Spielsachen, Stifte, Blöcke, Ausmalbücher; einzeln verpackte Süßigkeiten.

Sammelstationen hierfür sind:

• Domstraße 19, 97714 Rottershausen (Dienstag, 1. März; Mittwoch, 2. März; Donnerstag, 3. März: jeweils von 11 bis 13 Uhr sowie 16 bis 18 Uhr);

• Haus erLebenskunst (ehemalige Schule Ramsthal), Raßthaler Weg 14, 97729 Ramsthal (Dienstag, 1. März, und Donnerstag, 3. März: jeweils zwischen 17 und 19 Uhr; Kontakt: 0171 177 81 71)

Update vom 1. März: Kurzfristig kam noch eine weitere Sammelstelle hinzu: Quellenstraße 14, 97723 Oberthulba (Mittwoch, 2. März, und Donnerstag, 3. März: jeweils von 14 bis 15.30 Uhr; Kontakt: 0152 341 39 103).

Geldspenden "Täglich fahren Lkw und Transporter über Bad Kissingen direkt an die Grenzen zur Ukraine. Manche Sachen müssen dringend eingekauft werden, dafür haben wir ein lokales Bankkonto eingerichtet, damit unser Orga-Team sehr schnell und effektiv auf die Bedürfnisse der Betroffenen reagieren kann", berichten die ukrainischen und deutschen Helfer aus dem Landkreis. Geldspenden sind möglich an:

• Paypal: hilfeua@gmx.de

• IBAN: DE77 7935 1010 0031 4319 35; Kontoinhaber: Spenden Ukraine; Sparkasse Bad Kissingen; Verwendungszweck: "Hilfeukraine2022" oder "Spenden Ukraine".

Nähere Informationen zu Geld- oder Sachspenden (siehe vorheriger Absatz) unter Tel.: 0152 341 39 103.

Weitere Sammlung I Das Kinderhilfswerk "Das kunterbunte Kinderzelt" aus Schlüchtern bittet ebenfalls um Sach- und Geldspenden. Ein Team machte sich am 27. Februar bereits mit ersten dringend benötigten Hilfsgütern auf den Weg an die ukrainische Grenze. Der Verein plant schon in der kommenden Woche einen nächsten Hilfsgütertransport. Um diesen mit warmer Kleidung und Matratzen, die bereits auf Lager sind, sowie mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Babynahrung zu bestücken, wird um Spenden gebeten: IBAN: DE62 5305 1396 0000 0888 88; Kreissparkasse Schlüchtern; Verwendungszweck: "Spende Hilfsgütertransport".

Weitere Sammlung II Ein Hilfskonvoi startet in Gollmuthhausen. Verantwortlich dafür ist die Firma Auto Härter. Am Freitag geht es aus dem Grabfeld an die polnisch-ukrainische Grenze. An Bord der Fahrzeuge: Decken, haltbare Lebensmittel, Hygieneartikel, Spielzeug und Süßigkeiten. Annahmestelle für die Hilfsgüter ist in Gollmuthhausen in der Straße "Altdorf 7".

Überregionales Diverse überregionale Initiativen bemühen sich zum Beispiel darum, Unterkünfte bereitzustellen. Darunter etwa die Gruppe Elinor. Wohnangebote lassen sich dort online auf der Website elinor.network/gastfreundschaft-ukraine/ hinterlegen. Gerlinde Kraus, Inhaberin der Schroeder Verlagsbuchhandlung in Wildflecken, verweist indes unter anderem auf einen weltweiten offenen Brief, in den man sich online unter secure.avaaz.org/campaign/de/stop_the_war_loc/?zEpVopb eintragen kann.

Von Johannes Schlereth und Rebecca Vogt