"Bleibt die Kirche im Dorf?" "Ja", heißt es in der Diözese Würzburg. "Die Kirche ist das Erbe des ganzen Dorfes", erklärt der Projektleiter der Immobilienkategorisierung Dr. Jürgen Emmert. Doch die Sache ist kompliziert. Letztendlich geht es um die Frage, wie die 900 Pfarr-, Filial- und Wallfahrtskirchen in Unterfranken so genutzt werden können, dass ihr Erhalt für die Diözese und die Kirchenstiftungen vor Ort finanzierbar bleibt. Der Prozess wird nicht schmerzfrei sein, meint Bad Kissingens Pfarrer Gerd Greier. Damit die Kirche im Dorf bleibt, muss sie sich in manchen Fällen wandeln. Und dies kann im äußersten Fall sogar einen Verkauf bedeuten, um sie für einen weltlichen Zweck zu nutzen. Im Dekanat Bad Kissingen werden die katholischen Gemeinden ab dem Herbst mit der Thematik konfrontiert.

Künftig werden Kirchen in Kategorien unterteilt, von A - bedeutsame pastorale oder historische Kirche - bis E. Die Einstufung regelt, in welchem Umfang künftig Zuschüsse für Sanierungen oder Bauunterhalt fließen werden.

Weltliche Nutzung denkbar

In der vorletzten Kategorie D, der Dorfkirche mit weniger als 100 Katholiken oder ohne regelmäßiges Gottesdienstangebot, werden diözesane Zuschüsse höchstens für die Verkehrssicherheit Innen wie Außen gegeben. Unter die Kategorie E fallen Gotteshäuser, die als Zweitkirchen eingestuft werden. Das betrifft Pfarrgemeinden, in denen zwei Gotteshäuser existieren. Hier muss mittelfristig die Möglichkeit ins Auge gefasst werden, eines davon anders zu nutzen und/oder sogar für rein weltliche Zwecke freizugeben.

Ihre Mittelpunktfunktion im Ort könnte die Kirche so trotzdem behalten, beispielsweise als Gemeindesaal, sagt Jürgen Emmert. Doch selbst die Umwandlung in ein Restaurant ist aus Sicht der Diözese unter Umständen kein Tabu mehr. Die Mitnutzung eines Gotteshauses durch andere christliche Gemeinschaften wird ebenso als Option genannt.

Noch ist nicht bekannt, welche Kirchen im Landkreis in welche Kategorie fallen. Er als Unterfranke wolle, sagt Jürgen Emmert, dass die Region lebenswert bleibt. Die Kirchen gehören für ihn dazu. Doch der Gebäudestand müsse in die Zukunft gebracht werden. Im Herbst sollen in den Pastoralen Räumen des Dekanats die Gespräche beginnen. In anderen Regionen der Diözese wird die Diskussion bereits geführt. Jürgen Emmerts erste Erfahrungen: Es sei schon Verärgerung da. "Aber die Leute wissen, dass die Dinge nicht so bleiben können". Sein Eindruck insgesamt: Es läuft fair, wenn auch mitunter emotional.

Dieser Prozess tue ihm persönlich weh, sagt Pfarrer Gerd Greier. Trotzdem ist es für ihn ein Thema, das eigentlich überfällig ist. Der Handlungsspielraum sei nicht mehr sehr groß, weil der Kirche die Einnahmen wegbrechen. Und die Leute würden ja selbst mitbestimmen, wenn sie ihre Kirche nicht mehr nutzen.

Kreative Lösungen gesucht

Gerd Greier und Peter Kaidel, der Kirchenpfleger der Kissinger Stadtpfarrei, gehen davon aus, dass die Herz-Jesu-Pfarrkirche als sogenannte A-Kirche eingestuft wird. Welche Kategorie für die Jakobuskirche oder die Marienkapelle gelten wird, bleibe abzuwarten. Auch ohne dieses Wissen sagt Peter Kaidel, die Pfarrei könne nicht alle drei Kirchen auf Dauer alleine erhalten. Sie braucht Partner, beispielsweise die Stadt, so Gerd Greier. Und es müssten kreative Ideen entwickelt werden. Für die Marienkapelle gibt es eine solche schon länger. Sie könnte ein Kolumbarium (Urnenkapelle) werden. Noch stärker betroffen sind nach Meinung Peter Kaidels die kleinen Gemeinden mit zwei Gotteshäusern wie in Aura oder in Garitz. Dort, wo in einem Ort zwei Kirchen stehen, weil beispielsweise in der Nachkriegszeit eine neue, größere errichtet wurde, sollen sich die Kirchengemeinden künftig auf eine der beiden fokussieren, heißt es in den Informationen der Diözese. Das könnte Garitz treffen. Dort gibt es die alte Dorfkirche St. Nepomuk und die neue St. Elisabeth-Kirche. Sollten sich die Katholiken im Stadtteil für ein Gotteshaus entscheiden müssen, kann das schwer werden, meint Pfarrer Karl Feser, der Seelsorger des Ortes. Das Thema sei ein heißes Eisen. "Die Menschen hängen an ihrer Kirche". Er hofft, dass die Einschnitte nicht so drastisch sind wie in anderen Gegenden Deutschlands, wo dieser Prozess weiter fortgeschritten ist und tatsächlich Kirchen umgenutzt werden. Ein besonderes Beispiel gibt es in Thüringen: Entlang des Rennsteigs stehen sogenannte "Her(r)bergskirchen". Dort kann man in der Kirche übernachten.

Garitz´ Kirchenpfleger Erwin Hippler hofft, dass die Gemeinde nicht zu einer solchen Entscheidung gezwungen wird. Sein Wunsch: Die Nepomuk-Kirche wegen ihrer Nähe zum Friedhof weiter für Beerdigungen nutzen zu können, während die Elisabeth-Kirche die Pfarrkirche ist. Erwin Hippler verschweigt aber nicht, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher auch in Garitz zurückgeht. Für den normalen Sonntagsgottesdienst böte heute die Nepomuk-Kirche meist wieder ausreichend Platz.

Auf die Diözesan-Verwaltung in Würzburg ist der Garitzer Kirchenpfleger momentan nicht sehr gut zu sprechen. Dort sieht er vorrangig Handlungsbedarf. Die Bürokratie müsste vereinfacht, die Prozesse beschleunigt werden. Das würde ebenso Geld sparen, meint Hippler. Er beklagt, dass Entscheidungen zu nötigen Bauvorhaben in Würzburg zu lange bräuchten; dadurch seien Angebote nicht mehr haltbar, was zu deutlichen Kostensteigerungen führe.