Werkleiter Ullrich Heussner hat die turbulente Geschichte des früheren "Temco"-Werkes miterlebt: Am 1. Oktober 1990 hatte er seinen ersten Arbeitstag im damaligen FAG-Werk, danach folgten Ausgliederungen, Insolvenz, mehrere Eigentümer-Wechsel und schließlich ein stabiles Wachstum unter dem Dach der "Sauerer"-Gruppe (siehe Info-Kasten). Aktuell bereitet sich der 62-Jährige auf den Ruhestand vor. "Das Haus ist gut bestellt", freut er sich, dass die Auftragslage passt und bereits sein Nachfolger feststeht.

Schon kurz nach Heussners Start gab es den ersten Strukturwandel für das Zweigwerk des damals noch eigenständigen Schweinfurter Industrie-Unternehmens FAG Kugelfischer. "1991 haben wir uns von allem getrennt, was mit Wälzlagern zu tun hat", erinnert sich der 62-Jährige. Hammelburg spezialisierte sich auf die Textilindustrie. Die erste große Krise kam 1999: Der Umsatz stürzte von 82 auf 44 Millionen D-Mark ab. Mehrere Finanzinvestoren hätten mit dem Werk spekuliert. "Die Schuldenlast war zu hoch", sagt Geschäftsleiter Jörg Spahlinger, der ebenfalls seit Jahrzehnten im Werk arbeitet. Vor Ort sei immer rentabel gearbeitet worden.

Harter Einschnitt durch Insolvenz

Umso größer sei die Ernüchterung gewesen, als 2005 die Insolvenz kam und mehr als hundert Mitarbeiter ihre Arbeit verloren. Mit 65 Beschäftigten gab es einen Neustart: "Danach ging es sehr erfolgreich weiter", betont Spahlinger. Die Belegschaft sei schnell auf rund hundert gewachsen, mittlerweile arbeiten 150 Menschen im Hammelburger Saurer-Werk: Alleine 90 in der Fertigung, zudem zwölf in der Entwicklungsabteilung. Denn Saurer setzt auf Innovationen, in Hammelburg werden Prototypen gebaut und individuelle Lösungen für Kunden entworfen. "Das ist eine gute Marktnische", berichtet Heussner, und: "Einige unserer Produkte bekommen Sie von keinem anderen." Vor allem extrem platzsparende Lager oder Walzen mit einer Außenrolle aus Carbon zur Verarbeitung von Folien. Auch ein Lager mit Sensoren werde derzeit entwickelt.

Der Markt hat sich stark verändert: "Die Maschinenbauer und die Textilbranche sind nach Fernost abgewandert", sagt Heussner, und: "Die meisten Produkte gehen direkt oder indirekt nach China." Also entweder als Ersatz- und Verschleißteil oder verbaut in einer Maschine. Die größte Stückzahl erreichen die so genannten Friktionsscheiben, sieben Millionen mit dem etablierten Markennamen "Temco" werden jährlich verkauft. "Damit werden Fasern texturiert", erklärt Heussner, also aus einer glatten Kunstfaser ein flauschiges Garn gemacht.

Die Stückzahlen für Lager in der Montage liegen zwischen 50 und 5000. Aktuell würden neue Märkte erschlossen, etwa Maschinen für die Herstellung von Hygieneartikeln. Und Saurer investiert: Im vergangenen Jahr kam bereits eine neue Schleifmaschine, aktuell wird die nächste, 800 000 Euro teure Maschine eingerichtet. Außerdem bildet das Werk aus und übernimmt die fertigen Industrie-Kaufleute und -Mechaniker, Technische Zeichner, Zerspanungsmechaniker und Lagerlogistiker auch gerne. Bis Ende August war die Auftragslage so gut, dass die Geschäftsführung auf Kurzarbeit verzichtete. Das sei mittlerweile aber vorbei: "Jetzt merkt man in der Textil-Branche die Export-Schwäche Chinas", sagt Heussner und schaut mit Sorge auf den Export-Streit zwischen China und USA.