Ein ganz besonderes Jubiläum feierte die Freiwillige Feuerwehr Hammelburg am Wochenende. Vor 160 Jahren wurde sie gegründet und ist damit nicht nur die älteste Wehr im Landkreis, sondern auch eine der traditionsreichsten in ganz Bayern. Vorsitzender Peter Sell erläuterte allerdings, dass der Gründung eine Katastrophe vorausgegangen war.

So traf am 25. April im Jahr 1854 Hammelburg das wohl größte Unglück seiner Stadtgeschichte. In der so genannten Döll-Chronik aus dem Jahr 1873 ist zu lesen, dass an diesem Tag gegen 11 Uhr vormittags ein Feuer in der Mitte der damaligen Stadt ausbrach und sich - begünstigt durch den starken Wind - schnell auf den Rest der Stadt ausbreitete. Die Bewohner standen den wütenden Flammen hilflos gegenüber, hatte das Feuer doch gleich zu Beginn die vorhandenen Spritzen und Löschgeräte zerstört. Als sich der Wind gegen 16 Uhr legte, waren etwa Dreiviertel der Stadt niedergebrannt. "Dieses Ereignis führte dazu, dass vier Jahre später unsere Feuerwehr gegründet wurde", so Sell.


Grußwort vom Innenminister

Er freute sich, zu diesem Festakt zahlreiche Besucher und auch prominente Gäste begrüßen zu dürfen. Neben Bürgermeister Armin Warmuth waren auch Landrat Thomas Bold, stellvertretende Landrätin Monika Horcher und Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner zugegen. Ein Höhepunkt am Sonntagvormittag waren die Grußworte des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann, der es sich nicht nehmen ließ, zu diesem ganz besonderen Geburtstag persönlich zu gratulieren. Natürlich trug er sich auch in das Goldene Buch der Stadt Hammelburg ein und überreichte dem Vorsitzenden Peter Sell und Kommandanten Michael Ohmert einen kleinen bayerischen Löwen aus Porzellan.

Bürgermeister Armin Warmuth bedankte sich bei Pfarrer Thomas Eschenbacher für den eindrucksvollen Gottesdienst, der musikalisch vom St.-Johannes-Chor aus Hammelburg mit zeitgemäßen Rhythmen untermalt worden war. "Auch wenn die Wehr hier bereits 160 Jahre alt ist: Von den Kapazitäten her ist sie eine sehr junge Feuerwehr", freute sich der Bürgermeister. Dabei gelte es für die Floriansjünger, ein immenses Pensum abzuarbeiten: Schließlich hat man an die 130 Einsätze im Jahr, was für eine Freiwillige Feuerwehr sehr viel ist.



Warmuth freute sich, Innenminister Joachim Herrmann in der Weinstadt begrüßen zu dürften, die ihm sehr gut bekannt ist. Leistete Herrmann doch unter anderem hier seinen Grundwehrdienst und absolvierte den Unteroffizierlehrgang in der Infanterieschule in Hammelburg. Neben einem Stadtwein hatte Warmuth für den Innenminister auch einen Bildband über Bonnland dabei. "Ich habe einen guten Draht zu Hammelburg: Deshalb habe ich mich auch nicht lange bitten lassen, hierher zu kommen", freute sich der Innenminister, der seine Bundeswehrzeit hier noch in bester Erinnerung hat. Er dankte den Männern und Frauen in der Bundeswehr, die hier Dienst für das Vaterland leisteten.

Außerdem erinnerte er an den verheerenden Brand von 1854. Die Idee zur Gründung einer Feuerwehr falle in die Zeit des demokratischen Aufbruchs: Das Bürgertum nahm das Ruder in die Hand, in der Folge wurden außerdem zahlreiche Vereine gegründet. "Das Ehrenamt, das die Feuerwehrleute leisten, ist etwas Einzigartiges und der Einsatz für die Gemeinschaft sehr lobenswert", so der Innenminister. Ihrer Tätigkeit zollte er den allergrößten Respekt: Opferten die zahlreichen Frauen und Männer doch nicht nur ihre Freizeit, sondern setzten bei der Brandbekämpfung auch ihr Leben aufs Spiel. "Die Feuerwehr ist nicht irgendein Verein: Wir alle verlassen uns Tag und Nacht darauf, dass Männer und Frauen da sind, die alles liegen und stehen lassen, um für andere da zu sein. Auf so viel Engagement kann man stolz sein", sagte Herrmann, und der Applaus aus dem Festzelt zeigte, dass die Besucher dies ebenso sahen.


Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens

Auch die organisationsübergreifende Zusammenarbeit mit den anderen Hilfsdiensten wie dem Roten Kreuz und dem Rettungsdienst sei in den vergangenen Jahren ausgebaut worden. Die Feuerwehren seien immer noch eine kommunale Einrichtung, er dankte dem Bürgermeister und den Stadträten, dass diese dafür sorgten, dass die Wehren so gut ausgestattet sind. Aber auch die finanzielle Beteiligung des Freistaats habe in den vergangenen Jahren zugenommen. "Hierfür müssen wir besonders Sandro Kirchner danken, der im Landtag nicht müde wird zu betonen, wie wichtig die Feuerwehren sind", so Herrmann. Wichtig sei für die Zukunft, dass man eine gute Nachwuchsarbeit betreibe: Denn nur diese stelle sicher, dass die Freiwilligen Feuerwehren auch noch in zehn oder 20 Jahren noch schlagkräftig sind. Er forderte auch die Arbeitgeber auf, die Feuerwehrdienstleistende nach Kräften zu unterstützen. Neben der Brandbekämpfung komme den Feuerwehren aber noch eine andere wichtige Aufgabe zu: Sie sind Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens geworden, in vielen Kommunen und Ortsteilen bildeten sie den zentralen Punkt des Zusammenhalts. "Unsere Feuerwehren sind ein ganz wesentliches Stück unserer fränkischen und bayerischen Heimat", betonte Herrmann.


"Zeichen der Demokratie"

Der Leitspruch "Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr" zeige, dass die Wehren sich auch den Werten den christlichen Nächstenliebe verpflichtet fühlten. Er warb für die ehrenamtliche Tätigkeit in der Feuerwehr, denn das Land lebe davon, dass alle mithelfen: "Dies ist ein Zeichen der Demokratie, dass alle aktiv sind", so der Innenminister.

Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner zeigte sich beeindruckt davon, wie sich die Stadt und auch die Feuerwehr in den vergangenen 160 Jahren entwickelt hat. Er wünschte für die Zukunft alles Gute und Gottes Segen. Landrat Thomas Bold betonte, dass die Hammelburger Feuerwehr im Landkreis ein Leuchtturm sei. Sie verfüge nicht nur über eine sehr gute Ausbildung, sondern auch über eine hervorragende Ausrüstung, was bei den vielen Einsätzen unumgänglich sei.


Vorführungen und Festzug

Vor dem Festzelt gab es verschiedene Vorführungen, unter anderem eine, die zeigte, wie die Jugendfeuerwehr Brände bekämpft. Manuel Wurst zeigte den Kindern, dass man vor Atemschutzgeräteträgern keine Angst haben muss.

Ein Höhepunkt der 160-Jahrfeier war der große Festzug, an dem sich mehr als 40 Gruppen beteiligten. Auch einige historische Fahrzeuge konnte man hier bestaunen, was die an der Straße stehende Zaungäste begeisterte. Und so wurde es ein schönes Fest, die Veranstalter waren auch mit der Resonanz beim Abendprogramm sehr zufrieden. Natürlich durfte der traditionelle Bieranstich durch den Schirmherrn nicht fehlen. Insgesamt fünf Schläge brauchte Bürgermeister Armin Warmuth, bis der kühle Gerstensaft in die Krüge floss, und es hieß: "O'zapft is!". Für das Ortsoberhaupt einer Weinstadt war dies sicherlich kein schlechtes Ergebnis. Das Jubiläum zeigte, dass die Stadt Hammelburg sehr stolz auf ihre Feuerwehr ist. Vorsitzender Peter Sell bedankte sich für die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister und der Stadtverwaltung, für die Unterstützung durch den städtischen Bauhof und die Stadtwerke Hammelburg sowie bei den Sponsoren und allen, die dafür gesorgt hatten, dass ein solch großes Fest stattfinden konnte.