Dass die Corona-Pandemie Einbußen für die Tourismus-Branche bedeutet, war klar, aber: "Wir hatten es schlimmer befürchtet", kommentiert Verena Dotzel, Leiterin der Hammelburger Tourist-Info, die Statistik 2020. Das Statistische Landesamt weist für Hammelburg immerhin noch 44 975 Übernachtungen in Betrieben mit mindestens zehn Betten aus. Das sind 30,6 Prozent weniger als im Jahr 2019. Allerdings lag die Stadt zum Beispiel im Jahr 2014 mit 48 294 Übernachtungen nur leicht über den 2020er Zahlen. Das lässt für die Zeit nach der Pandemie hoffen.

Vor allem Wohnmobilisten scheinen Hammelburg und das Saaletal immer stärker für sich zu entdecken: In den Monaten April, November und Dezember war der Stellplatz im Bleichrasen zwar komplett geschlossen, aber gerade im Sommer gab es eine deutlich bessere Belegung als ein Jahr zuvor: Im August 2019 vergaben die Stadtwerke 718 Tickets für Wohnmobile, ein Jahr später waren es 822. Besonders groß war der Anstieg von September 2019 auf September 2020: von 713 auf 1032. Im Januar 2020 kamen immerhin 113 Wohnmobilisten (2019: 89), im Februar 122 (84). Im März gab es dann den ersten Einbruch (von 200 auf 93), im April war der Platz geschlossen (2019: 542 vergebene Tickets).

Von November bis heute ist der Wohnmobil-Stellplatz geschlossen. "Wir hoffen, dass wir bald wieder öffnen können", sagt Verena Dotzel. Generell würden alle Gastgeber und Gastronomen aktuell auf eine Perspektive für Lockerungen warten. "Wir sind jedenfalls jederzeit bereit", berichtet die Leiterin der Tourist-Info. Die Wochenend-Dienste für den Sommer seien vorgeplant, auch Führungen seien eingeteilt, um den Gästen ein Programm zu bieten. Aktuell ist die Tourist-Info nur telefonisch und per Mail zu erreichen: "Wir merken, dass die Anfragen zunehmen, viele planen jetzt ihren Urlaub im Sommer oder Herbst." Zum Teil würden sich Bundesbürger auf Alternativen zum üblichen Auslandsurlaub einstellen, vor allem aber seien Hammelburg und das Saaletal ein Ziel für Menschen, die ihren Urlaub grundsätzlich eher im Inland verbringen.

"Die meisten Anfragen haben wir nach Wanderungen und Radwegen", berichtet Dotzel. Im vergangenen Spätsommer seien aber auch die Kanus für Touren auf der Fränkischen Saale mehrfach ausgebucht gewesen. Bei den Festen dagegen gebe es gar keine Perspektive: Das Schlossgarten-Fest im Juli sei bereits abgesagt, beim Museumsfest im Juli warte die Stadt noch ab. Ob das für August geplante Höflesfest stattfinde, sei derzeit auch noch fraglich: "Die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln passen halt zu vielen Festen nicht."

Eine Besonderheit in der Übernachtungsstatistik 2020 ist, dass zeitweise nicht alle Betriebe geöffnet hatten: Eigentlich gibt es elf größere Betriebe mit insgesamt 404 Betten. Im Lockdown waren aber zum Teil nur sieben Betriebe mit 242 Betten auf dem Markt. Insgesamt gebe es im Stadtgebiet rund 530 Betten für Besucher. Außer zwei kleinen Anbietern von Ferienwohnungen hätten bislang auch alle trotz der Pandemie durchgehalten. Nach den guten Monaten im Spätsommer würden sich einige jetzt mit Geschäftsreisenden und Monteuren sowie dem Essensverkauf-To-Go über Wasser halten. Positive Rückmeldungen habe sie auch von einigen Winzern, die mit Online-Weinproben Teilnehmer aus ganz Deutschland erreichen.

Homepages wurden neu gestaltet

Auch wenn es "faktisch ein Tourismus-Verbot" gebe, habe er aktuell keine Nachrichten, dass Betriebe wegen Corona aufgeben müssen, berichtet auch Geerd Müller vom Verband "Frankens Saalestück", und: "Die Gastronomen stehen alle in den Startlöchern, die könnten innerhalb weniger Tage hochfahren." Der Verband habe bereits ein Marketing für Besucher vor allem aus einem Umkreis von hundert Kilometern vorbereitet. Den Lockdown nutzten die Touristiker unter anderem für Vorarbeiten: Der neue Wein-Genuss-Weg sei fertig ausgeschildert, der Flyer gedruckt. Außerdem wollen sowohl "Frankens Saalestück", als auch die Stadt noch im Mai mit neuen Internet-Auftritten punkten.