Getrieben von der Sorge um Corona entwickelte sich eine bemerkenswerte Geschichte in Westheim dank Gerlinde Ebert. Alles fing mit dem Besuch der Fußpflegerin bei Gerlinde Ebert an. Vor Wochen, als Corona für alle noch weit weg erschien, befürchteten sie, dass Corona auch nach Deutschland kommen könne.

Wie kamen Sie auf die Idee Masken zu fertigen?

Gerlinde Ebert: Noch bevor Corona bei uns so richtig ankam, machte ich mir bei den Meldungen aus Wuhan so meine Gedanken und quälte ich mich mit Überlegungen, was könnte ich tun für den Fall, dass Corona Europa und uns erreicht. Da kam mir die Idee mit den Masken und ich nähte mir die Sorgen von der Seele.

Für wen nähten Sie denn so unermüdlich?

Das wusste ich eigentlich selber noch nicht. Meine Tochter Tanja war skeptisch, konnte mich aber nicht stoppen. Erst als mir das Material ausging und ich die Menge an Masken sah, begann ich zu überlegen. Tanjas Geschäft in Bad Brückenau musste geschlossen bleiben, und so suchte ich im Dorf Abnehmer. Ein Aushang in der Kirche lockte gerade mal vier Personen in zehn Tagen! Der Kindergarten in Euerdorf und meine Fußpflegerin waren anfangs die einzigen Abnehmer.

Machte Sie dass nicht mutlos?

Zur Enttäuschung gesellte sich mein Kampfgeist weiterzumachen. Ich fragte Kurdirektorin Andrea Schallenkammer von der Kurverwaltung Bad Brückenau um Rat. Diese gab mir den Tipp mich an das Landratsamt in Bad Kissingen zu wenden. Per Mail sollte ich mich in die örtliche Verteilerliste eintragen. Da ich kein Internet habe, bot dies auch keine Lösung.

Haben Sie dennoch weitergemacht?

Ja, ich konnte gar nicht anders, da ich mir sicher war, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis Corona uns erreicht. Die gefertigten Masken verbannte ich auf einen Tisch vor meinem Nähzimmer mit der Info:"Zum Mitnehmen gegen Spende". Ich war so in mein Nähen vertieft, dass ich das Gebot zur Maskenpflicht nicht sofort mitbekam. So wunderte ich mich, als plötzlich innerhalb von zwei Tagen alle Masken vergriffen waren. Die großzügigen Spenden in der Box überraschten mich noch mehr, und ich hatte plötzlich ein neues Problem.

Problem? Sie hatten doch für alle Masken Abnehmer gefunden.

Der Bedarf explodierte mit der Ankündigung der Maskenpflicht auch für Kinder. Karola Volpert und Gudrun Binder aus Westheim spendierten mir geeignete Stoffe. 14 Tage nähte ich unermüdlich bis spät in die Nacht, gönnte mir kaum Schlaf. Schnell wurde klar, dass die Aufträge mein vorhandenes Material bei weitem überstiegen, dann gingen auch noch die Gummibänder aus. Der Markt war wie leergefegt. Tanja unterstütze mich mit Material aus ihrem Lädchen, und ab dem Zeitpunkt konnte ich die Masken nicht mehr unentgeltlich auf Spendenbasis überlassen. Über Facebook und Instergram bietet Tanja die Masken für 5 Euro an, davon gehen 2 Euro als Spende ab. In Hammelburg unterstützt mich Ulrike Zehner, von Sammeln & Schenken am Kreisel, und gibt die Masken zu den gleichen Konditionen weiter. Ab nächste Woche stehen die Masken im Laden meiner Tochter, "Klara's Traumwelt", im Wandelgang des Staatsbad Bad Brückenau zum Verkauf.

Warum spenden Sie das Geld?

Das Nähen war für mich eine Art Therapie, und Profit hatte ich nie in Erwägung gezogen. Dankbar, dass Corona mich und meine Familie verschont, entschied ich spontan, Geld zu spenden. Es gibt zur Zeit soviel Not. Die Hammelburger Tafel unterstützte ich mit 700 Euro und das Pfarrheim in Westheim mit 200 Euro. Es gibt noch Projekte, die ich mit Spenden unterstützen möchte.

Was machen Sie, wenn die Maskenpflicht aufgehoben wird?

Das hoffen wir natürlich alle, aber ich glaube, diese Masken könnten sich als modischer Trend entwickeln. Passend zum Mundschutz fertige ich inzwischen auch Taschen, quasi als Set. Von den ersten Trendsetterinnen habe ich bereits Bestellungen. Noch ein Hinweis: Den Mundschutz bitte nicht in die Mikrowelle geben. Es befindet sich Draht als Nasenbügel in der Maske, ich drücke die Masken in einem Topf aus.

Das Gespräch führte Bianca Volkert.