"Bohnen machen schlau, schlank und schön. Erbsen auch. Linsen sowieso", behauptete die charmante Cecilia Antoni. Sie leitete am Freitagabend den Live-Online-Kochkurs. Dieser fand im Rahmen des vom Bayerischen Umweltministerium geförderten Projektes "Das interessiert mich echt die Bohne" in Kooperation mit Naturland und dem Bund Naturschutz statt.

Lange fristeten Leguminosen ein Schattendasein. Dabei sind Hülsenfrüchte, wie die Kochbegeisterten nun wissen "eiweiß- und ballaststoffreiche Kraftpakete". Vor allem die heimischen Sorten möchte man "wieder salonfähig" machen, erklärte Elisabeth Assmann, BN-Mitarbeiterin der Kreisgruppe Bad Kissingen und Projektleiterin. Auch um die Klimaschutzziele zu erreichen: "Leguminosen sind kleine Düngefabriken, die ihren eigenen Stickstoffdünger produzieren und somit mineralischen Dünger einsparen, der mit sehr viel Energie produziert wird."

Eine Woche vor Beginn des Kochkurses hatte Assmann gemeinsam mit Werner Vogt-Kaute, dem Leiter des Naturland-Teams, Päckchen an die 26 TeilnehmerInnen versandt: Gefüllt mit der heimischen Ackerbohne "Fanfare", leckeren Ackerbohnen-Snacks von Antonis Bohnikat, Ackerbohnen-Mehl und Erbsen-Nudeln sowie einer ausgiebigen Anleitung, was vor dem Kochkurs alles zurechtzustellen sei. Am Ende stand tatsächlich ein sensationell gutes Menü auf dem Tisch: Ackerbohnen-Falafel an Sonnenblumen-Creme begleitet von Naan-Brot und frischem Salat an Wildkräutern.

Chaos in der Küche

Der Preis war pures Chaos in der Küche, denn an Aufräumen war während des Kochkurses nicht zu denken. Zum einen wollte man keinen einzigen Kochtipp von Naturland-Beraterin Antoni versäumen. Zum anderen gab es von ihr, Assmann und Vogt-Kaute hoch interessante Hinweise, beispielsweise zu DemoNetErBo (Demonstrationsnetz Erbse Bohne).

"Das Netzwerk ist Teil der Eiweißpflanzenstrategie des Bundes", erklärte Vogt-Kaute. "Ziel des Netzwerks ist, der landwirtschaftlichen und verarbeitenden Praxis anhand von Best-Practice-Beispielen den Erbsen- und Ackerbohnenanbau wieder näherzubringen und zu zeigen, dass dieser mehrfach lohnenswert sein kann."

Und schon machte der Mixer fast schlapp, der die kräftigen Ackerbohnen zerkleinern musste, die zuvor über 24 Stunden in Wasser eingeweicht waren. Jetzt gingen leider einige Infos unter. Zum einen, weil Antonis Stimme einfach zu leise war, zum anderen, weil man gefühlt an 1000 Ecken gleichzeitig beschäftigt war.

Hilfeschrei

Schlussendlich kam eine grob geschrotete Mischung zustande, die vermengt wurde mit sanft geröstetem und im Mörser zerstoßenem Kreuzkümmel und Koriandersamen, Salz, Pfeffer, Knoblauch, Petersilie, etwas Zitronensaft und Dinkelmehl. Im Kühlschrank zog diese Masse erst einmal gut durch. Später entstanden daraus - je nach Fähigkeit - golf- bis tennisballgroße Bällchen, die in Bratfett knusprig ausgebacken wurden.

Und Schwupps: schon hatte man nicht mitbekommen, wie die Konsistenz des Naan-Brotteigs aussehen sollte. Die Finger voll klebrigem Papp blieb nur der Hilfeschrei nach dem Ehegatten, der schnell zur Stelle war, um nun die Sonnenblumenkerne so lange anzurösten bis sie dufteten. Er zauberte daraus eine Sonnenblumen-Creme im Mix mit Öl, Salz, Zitrone und Knoblauch, die jedem Kichererbsen-Humus locker den ersten Rang ablief.

Mehr pflanzliches Eiweiß

Vogt-Kaute berichtete von hiesigen Experimenten mit Kidney- und Sojabohnenanbau. Dieser sei "leider" möglich, "weil sich bei uns die Klimabedingungen ändern, es immer wärmer wird". Doch lobte er vor allem die unterschätzten hier angebauten Erbsensorten, die er besonders gerne esse, "vor allem die olivfarbenen Erbsen". Elisabeth Assmann fügte hinzu, dass der Verzehr von mehr pflanzlichem statt tierischem Eiweiß die CO2-Bilanz der Lebensmittel stark verbessere und so dem Klimaschutz diene.

Sie verwies auf inzwischen vier Verkaufsstellen im Landkreis, die in zertifizierter Ökoqualität Erbsen, Ackerbohnen und Weiße Lupinen anbieten: der Steffeshof in Oberleichtersbach, Familie Vogt in Dittlofsroda, der Steinmühlhof der Familie Petsch in Münnerstadt und der Naturlandhof Pfülb in Fuchsstadt.

Die Online-Kochkurs-TeilnehmerInnen, darunter etliche LehrerInnen, ErzieherInnen und DirektvermarkterInnen kamen hauptsächlich aus dem Landkreis, aber auch aus München, Hamburg oder Marburg. Das Organisationsteam (drei in der Küche, vier an der Technik) ermöglichte einen reibungslosen Ablauf.

Bitte nach Wiederholung

"Ich bin dankbar mit so einem Team zusammenarbeiten zu können, das für Landwirtschaft und Ernährung brennt und enorm viel Wissen um die Geschichte und den Anbau von Hülsenfrüchten mitbringt. Ein Glücksfall für den Bund Naturschutz", lobte Projektleiterin Elisabeth Assmann. Viel Anerkennung gab es auch im begleitenden Chat und die Bitte, solche Kochkurse zu wiederholen.

Cecilia Antoni verwies am Ende nochmals auf die Vorteile der Ackerbohne, die wenig Fett und keine Allergene enthalte im Gegensatz zu Soja und Lupinen: "Wäre die Ackerbohne ein Export, würde sie als Superfood gehandelt."

Info: Sobald es nach den Corona-Bestimmungen wieder möglich ist, finden weitere Veranstaltungen zum BN-Umweltbildungsprojekt "Das interessiert mich echt die Bohne" statt. Geplant sind Exkursionen zu Landwirten oder der Besuch nachhaltiger Klima- und Permakulturgärten. Auch weitere Kochkurse sind geplant unter anderem im Kindergarten und auch Online.