Wer aktuell auf der idyllischen Extratour "Thulbataler" wandert, kann zwischendurch die größte Baustelle im Landkreis aus nächster Nähe besichtigen: Der Wanderweg geht mitten durch die Baustelle. "Auf Wunsch der Gemeinde lassen wir den Weg auch möglichst lange auf", berichtet Hartmut Metz von der Autobahn GmbH des Bundes. Allerdings werde es trotzdem immer wieder Sperrungen geben müssen, spätestens wenn die alte Brücke im Jahr 2023 abgerissen wird. "Wir bitten die Wanderer aber um erhöhte Achtsamkeit", betont Projektleiter Markus Mayer.

Neue Brücken einen halben Meter breiter

Bisher gebe es auf dieser Baustelle keine Verzögerungen wegen Corona, freut sich Metz, bei anderen Baustellen sei es durchaus bereits zu Liefer-Engpässen etwa beim Stahl gekommen. Wegen Mehraufwand lägen der Autobahn GmbH zwar Nachträge vor, Metz geht aber davon aus, dass sich das nicht auf die geschätzten Gesamtkosten von 102 Millionen Euro auswirkt.

Vorgefertigt werden die Brückenteile in Darmstadt, Schwertransporter bringen sie über die Autobahn direkt in den Taktkeller am Behelfswiderlager Süd. Unter Einhausungen werden die Einzelteile dann verschweißt. Anders als bei der Klöffelsbergbrücke, bei der eine vorgespannte Stahlbeton-Konstruktion immer um eine bestimmte Länge vorgeschoben wurde und das Ende dann auch mal frei über dem Tal hing, muss bei der reinen Stahl-Konstruktion immer bis auf den nächsten Pfeiler geschoben werden. Sonst bestehe die Gefahr, dass sich der Hohlkasten verforme. Der Abstand zum ersten Pfeiler beträgt lediglich 45 Meter, über der Thulba stehen die beiden höchsten Pfeiler 90 Meter weit auseinander. Diese Abstände werden so auch beibehalten, um den Gesamteindruck der Brücke zu erhalten.

Lediglich eine geringe Änderung gibt es bei der Breite: Bisher besteht der Überbau der Thulbatal-Brücke aus einem Stück, das auf der Oberseite in einen 19 Meter breiten Abschnitt für die dreispurige Fahrtrichtung Fulda und in einen 15,3 Meter breiten Abschnitt für die beiden Spuren plus Standstreifen nach Süden aufgeteilt ist. In Zukunft gibt es zwei separate Brücken-Bauwerke: In Richtung Fulda eine ebenfalls 19 Meter breite Brücke, in Richtung Süden ein 15,8 Meter breites Bauwerk. "In Richtung Würzburg bleibt die A 7 auf absehbare Zeit zweispurig", widerspricht Mayer Spekulationen über einen sechsspurigen Ausbau der Strecke.

Für 102 Millionen Euro entsteht bis Ende 2026 der Ersatzbau für die Autobahnbrücke übers Thulbatal. Baubeginn war Mitte September, mittlerweile stehen die ersten Bauwerke. Wie in einer Lehr-Werkstatt für Beton-Bauer ragen sechs Pfeiler in verschiedenen Stadien in die Höhe: Am nördlichen Widerlager werden aktuell die Löcher für die Bohrpfähle gebohrt, während der Pfeiler am südlichen Widerlager fast fertig ist. Allerdings weist Hartmut Metz, Leiter des Geschäftsbereichs Brücken in der Außenstelle Würzburg der neu gegründeten Autobahn GmbH des Bundes, auch auf die Vergänglichkeit dieser Bauwerke: "Da wird nicht so auf Schönheit geachtet, weil die alle wieder weg kommen."

Metz hat schon viele Brücken entlang der A 7 erneuert: "Bei der Sinntalbrücke haben wir die neue Brücke ja komplett daneben gebaut, hier muss die neue Brücke genau da stehen, wo die alte stand", verweist er auf den Unterschied. Deshalb werden aktuell östlich der Thulbabrücke Behelfswiderlager und -pfeiler errichtet. In dieser Woche werden die ersten Brückenteile angeliefert. "Wenn alles klappt, können wir Mitte Juni den ersten Takt schieben", berichtet Projektleiter Markus Mayer. Der Überbau werde dann etwa jeden Monat einen Pfeiler weitergeschoben. Wegen der großen Pfeiler-Abstände von bis zu 90 Metern kommt eine Stahl-Verbundbrücke zum Einsatz, also ein rund fünf Meter breiter und 460 Meter langer Stahlkasten, auf den später eine Fahrbahn betoniert wird.

Brücke wird verschoben

Mitte 2023 soll die erste Teil-Brücke befahrbar sein, dann kann die bestehende Brücke bis Frühjahr 2024 abgebrochen werden. Bis Mitte 2026 wird die zweite Brücke für den Verkehr in Richtung Würzburg gleich an der endgültigen Stelle errichtet. Wenn der Verkehr auf dieser Brücke laufen kann, wird in einem letzten Schritt im zweiten Halbjahr 2026 die erste Brücke in ihre endgültige Lage und auf neue Pfeiler verschoben.

Bis Mitte 2027 werden anschließend die Behelfspfeiler und sämtliche Straßen, die provisorische Brücke über die Thulba und die Zufahrt zur Baustelle wieder entfernt. "Wir sind verpflichtet, alles wieder zurückzubauen", sagt Metz, und: "Falls die Straße bleiben soll, müs