Er herrschte absolute Stille im Proberaum des Musikvereins Thulba/Reith e.V., als dessen Dirigent Jürgen Kunkel die Gesamtprobe mit einem Choral eröffnete. "Mit Chorälen kann man die Musiker hier in die Probe und so aus den Alltagsgedanken holen. Auch Intonations- und Klangschulung funktioniert auf spielerische Art und Weise", so der Dirigent. Ihm machte es sichtlich Spaß danach die Blasmusikstücke vorzustellen, die an dem Wochenende im Mittelpunkt standen. Das war der Auftakt zu einem Vereins-Coaching der besonderen Art.
Jürgen Kunkel, der enge Kontakte in die Blasmusikszene pflegt und selbst regelmäßig an Fortbildungen teilnimmt, hat die Thulbataler Musikanten beim Nordbayerischen Musikbund zum Vereins-Coaching "Traditionelle Blasmusik" angemeldet. An seiner Seite war an diesem Abend mit Christian Baum ein ausgewiesener Spezialist auf dem Gebiet der böhmisch-mährischen Blasmusik anwesend.


Auch die Sitzordnung ist wichtig

Baum, der neben seinem Trompetenstudium in Basel, selbst sehr viele Erfahrungen als Musiker und Dirigent mit namhaften Orchestern sammeln konnte, trat nach einer Stunde selbst an das Dirigentenpult und präzisierte die bereits vorgearbeiteten Parameter. Er erklärte anschaulich, warum gerade eine richtige Sitzordnung zu einer guten Klangbalance führen kann, und welche Rolle die einzelnen Register in einem Musikstück einnehmen.
Schnell war klar, dass der junge Schlagzeuger Jannik Müller zusammen mit dem Dirigenten der eigentliche Chef bei den Thulbatalern ist, da er für das richtige Tempo zuständig und mit der Begleitung zusammen der Herzschlag im Orchester ist.
Am zweiten Tag kam Verstärkung für das Dozententeam. Christian Klüh für die Klarinetten und Florian Unkauf für alle Melodieinstrumente wie Flügelhorn, Tenorhorn, Bariton, aber auch die Saxophone.


Tipps und Tricks

Sie gaben jede Menge Tipps und Tricks für die jeweilig richtige Spielweise den Teilnehmern, welche auch aus umliegenden Vereinen kamen, mit an die Hand. Im Mittelpunkt der Registerarbeit standen neben Phrasenaufbau und Phraseneinteilung, die Stilistik oder auf einfache lockere Art und Weise melodische Schwerpunkte zu setzten. Auch wurde besprochen, wie man im richtigen Moment Platz für andere Register schaffen kann, ohne die Musikalität zu verlieren. Das am Vormittag Erarbeitete wurde dann in der folgenden Gesamtprobe intensiviert und erfolgreich zu einem Ganzen zusammengeführt.
Neben dem musikalischen Aspekt stand auch ein Coaching-Gespräch mit Vorstandsmitgliedern auf dem Programm. Hier gab Baum, der selbst auch eine Musikschule leitet, viele Ideen für die zukünftige Vereinsarbeit mit auf den Weg.
Christian Baum zeigte sich vom spielerischen Niveau des Orchesters und von der klanglichen Ausgewogenheit sehr beeindruckt und wünschte den Musikerinnen und Musikern für die Zukunft viel Spaß. Gleichzeitig sprach er eine Einladung aus, damit es nicht das letzte Aufeinandertreffen war.
Die Instrumentalisten zeigten sich beeindruckt von dem, was in den zwei Tagen konzentrierten Arbeitens unter professioneller Anleitung möglich ist und wünschten sich eine Fortsetzung. Zu hören sind die Thulbataler Musikanten am 30. April zur Maibaumaufstellung in Thulba, am 22. Juni beim Johannisfeuer in Thulba und am 13. Juli beim SaaleMusicum.

Vereins-Coaching Im Rahmen der neuen Fortbildungsreihe "Vereinscoaching" des Nordbayerischen Musikbundes bekommen Musikvereine und Blaskapellen mit Schwerpunkt in der traditionellen Blasmusik die Möglichkeit, mit einem externen Dozenten bzw. Referenten zu arbeiten.
Beim Vereinscoaching Traditionelle Blasmusik werden grundsätzliche stilistische "Regeln" erarbeitet, die bei allen Werken - von Walzer über Polka bis Marsch - angewandt werden können. Angefangen beim Grundgerüst des Orchesters, über die Melodie-Instrumente, bis hin zum Holzregister und der Trompete wird alles bis ins kleinste Detail besprochen und am praktischen Beispiel erarbeitet.