Seit Jahren ist das alte Wasserwerk am Wässerungsweg außer Betrieb. Nun wird das Häuschen zu einer Forschungsstation umgebaut, die neue Einblicke in das Zusammenleben von Bienen ermöglichen soll.

Das Brunnenhäuschen wird Teil des Würzburger Honigbienenprojekts von Jürgen Tautz. Tautz, mittlerweile emeritierter Professor, ist einer der renommiertesten Bienenforscher. Vor zehn Jahren baute er das Forschungs- und Lernprojekt HOBOS (HOneyBee Online Studies) auf.

Dieses soll einerseits Daten für die Grundlagenforschung liefern und anderseits der Allgemeinheit Zusammenhänge und Wissen vermitteln, um sie für die Achtung und den Schutz der Biosphäre zu sensibilisieren. Bienen haben für Tautz dabei eine wichtige Vermittler- und Brückenfunktion. Schließlich sind sie als Bestäuber für die Pflanzenwelt existenziell und damit auch für Landwirtschaft und Nahrungsmittelerzeugung.

Mit einem 486er Computer und einer Kamera, die auf einen Messfühler gerichtet war, hat alles angefangen, erzählt Hartmut Vierle. Als Techniker ist er - mit kurzzeitiger Unterbrechung - von Anfang an dabei. Das HOBOS-Projekt ist mit den Jahren immer ausgefeilter geworden. Mittlerweile seien 120 bis 130 Terabyte Daten angehäuft, sagt Vierle.


Sensoren messen alle Werte

Zu verdanken ist das Stationen in Bad Schwartau und Münchsmünster - und bald auch der in Aura. In diesen werden Bienen mit allerhand Sensortechnik beobachtet.

Vierle erklärt, was im alten Wasserwerk in Aura alles geplant ist: Dort soll ein Bienenschwarm wie in natürlicher Umgebung sein Nest frei bauen. Als Hilfe bekommt er eine Konstruktion aus Holzleisten und Wachsstreifen, die an eine Bienenwaage gekoppelt ist. Außerdem hängen noch verschieden Senoren dran, die Werte aus dem Bienenstock liefern sollen: unter anderem Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Die Überwachung des Bienenvolks geht aber noch viel weiter.

So zeichnen neue Messfühler Vibrationen auf, die die Bienentänze wie der berühmte Schwänzeltanz erzeugen. "Die Tänze sind das Telefonnetz für die Bienen. Sie kommunizieren entweder über Düfte oder Vibrationen", erklärt Vierle. Eine Nachtsichtkamera wird das Geschehen im Verdüsungsraum im Wasserhäuschen verfolgen, und die Bienen bekommen wohl auch Funkchips. Dann können an der Ein- und Ausflugschneise auf dem Dach einzelne Individuen registriert werden. So lässt sich feststellen, bei welchen Bedingungen wie viele Bienen starten und wer mit wem fliegt. Denn da gibt es spezielle Vorlieben: Ältere Bienen rekrutierten sogar jüngere, um sie draußen auszubilden.


Alle Daten sind online zugänglich

Die Sensortechnik ermöglicht die Beobachtung, ohne dass die Bienen durch die Anwesenheit eines menschlichen Beobachters gestört würden, begründet Tautz den Aufwand. "Schon jetzt können wir mit diesem Ansatz einige alte Lehrbuchmeinungen neu bewerten und neu schreiben. Dazu kommt, dass wir bei HOBOS Messwerte erfassen, die der direkten menschlichen Beobachtung nicht zugänglich sind."

Zu der Besonderheit von HOBOS gehört, dass all diese Daten übers Internet frei zugänglich sind. Jeder Interessierte kann sich an der Beobachtung beteiligen und die Forschung auf diese Weise unterstützen. Das soll nicht nur die Öffentlichkeit für das Umweltthema sensibilisieren, sondern es hilft der Forschung die Unmengen an Daten zu sichten. "Das HOBOS-Team erhält durch diese Zuarbeit eine Datenbasis zur weiteren Verfügung in Forschung und Lehre", erklärt Tautz.


Offen für alle

Die Station in Aura soll in ein didaktisches Konzept eingearbeitet werden und zu bestimmten Terminen der Öffentlichkeit offen stehen. Nach dem Umbau soll sie möglichst im kommenden Jahr online gehen. Den Standort in Aura sieht Vierle als ideal. Es gibt nicht nur Streuobstwiesen ringsum, sondern auch Internet mit ausreichender Bandbreite für den Datenstrom.

Neben dem Wasserwerk wird es einen zweiten Standort geben. In einem Nebengebäude auf dem benachbarten Gelände der Firma SVS Elektroinstallation werden Daten aus einem klassischen Bienenkasten erfasst. Geschäftsführer Roland Brand ist selber Imker. Ihm liegen Bienen daher am Herzen.