Der 63. Geburtstag von Peter Sell am Montag war nicht nur für ihn eine kleine Zeitenwende: "In der Nacht von Sonntag auf Montag hat meine aktive Dienstzeit geendet, das sieht das Bayerische Feuerwehrgesetz so vor", sagt der langjährige Kreisbrandinspektor (KBI). Fast 42 Jahre lang, davon zehn als Kommandant und 14 als KBI, war er bei der Feuerwehr aktiv. Und so ganz wird er das auch nicht ablegen: "Ich unterstütze meine Feuerwehr hier in Hammelburg und auch den Kreis-Feuerwehr-Verband natürlich weiter."


Rückhalt der Familie wichtig

"Ohne den Rückhalt der Familie wäre das alles nicht möglich gewesen", betont Sell. Denn die Kreisbrand-Inspektoren arbeiten ehrenamtlich. Trotzdem beeinflusste die Tätigkeit bei der Feuerwehr auch seinen beruflichen Werdegang: "Ich war 21 Jahre lang bei der Polizei, als die Stadt Hammelburg jemanden für den Bereich öffentliche Sicherheit und Ordnung und zeitgleich einen Kommandanten für die örtliche Wehr suchte", berichtet Sell. Mit dem Schichtdienst in der Polizeiinspektion Hammelburg wäre das nicht vereinbar gewesen. "Es wäre bei größeren Einsätzen zu Kollisionen gekommen, das wurde nicht geduldet."
1991 folgte Peter Sell dem damaligen Kommandanten Max Trunk nach, kurz danach wechselte er im Jahr 1992 ins Hammelburger Rathaus. In seinen Zuständigkeitsbereich fällt seitdem auch der Brandschutz. "Ich habe vieles, was ich in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit aufgenommen habe, im Beruf eingesetzt", berichtet Sell von Synergie-Effekten. Umgekehrt profitierte Sell davon, dass ihn die Stadt als öffentlicher Arbeitgeber ganz selbstverständlich für Einsätze und wichtige Termine freistellte. Während bei der Feuerwehr per Gesetz mit 63 Schluss ist, ist Peter Sell bei der Stadt Hammelburg noch ein Jahr lang für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständig.
Zehn Jahre lang war Sell Kommandant der Hammelburger Wehr. "Das ermöglicht das Gesetz ausdrücklich für Kreisbrand-Meister", kommentiert er die Doppel-Funktion in der Stadt-Wehr und auf Kreis-Ebene. Größtes Projekt war dabei der Neubau des neuen Feuerwehrhauses. Auch wenn die Einweihung bereits in die Amtszeit seines Nachfolgers Winfried Kleinhenz fiel, habe er die Planung über die Bühne gebracht und die Eigenleistung organisiert. "Die Verhältnisse am alten Standort neben dem Rathaus waren sehr beengt", ist sich Sell sicher, dass der Neubau die ideale Lösung war: Hier gebe es keine Behinderungen bei Märkten und Festen, und die Kameraden könnten beim Einsatz das Haus viel besser anfahren.


Großeinsatz in Untererthal

Einen seiner größten Einsätze hatte Sell kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als KBI: Beim Großbrand im Sommer in Untererthal koordinierte er 320 Einsatzkräfte. "Die Leitung solcher Einsätze ist ein wichtiger Inhalt der Lehrgänge für Feuerwehr-Führungskräfte", nennt Peter Sell einen Aspekt zur Bewältigung solcher Herausforderungen. Genauso wichtig sei aber der Kontakt zu den Feuerwehren: "Ohne den guten Zusammenhalt der Kameraden hätte ich meine Arbeit so nicht machen können."

Ab sofort ist Peter Sell in zivil unterwegs: Zum 63. Geburtstag am Montag lief seine aktive Dienstzeit als Feuerwehrmann und Kreisbrandinspektor (KBI) aus. "Ich hätte ihn gerne weiter behalten, aber das steht halt nun mal so im Gesetz", trauert Kreisbrandrat (KBR) Benno Metz seinem langjährigen Stellvertreter nach. "Wir haben uns mehr oder weniger blind und ohne Worte verstanden", lobt Metz die Zusammenarbeit. Und auch Peter Sell ist wehmütig: "Ich habe sehr viel Kameradschaft erfahren und auch Freunde gefunden", blickt er zurück.
Fast auf den Tag genau 33 Jahre lang arbeitete Sell in der Kreis-Feuerwehrführung mit: Am 26. November 1982 wurde er zum Kreisbrandmeister ernannt. "Der damalige Hammelburger Kommandant Konrad Uhlmann hat mir vorgeschlagen, die Belange der Wehr in Bad Kissingen zu vertreten", erinnert sich Metz. 2001 stieg Sell dann zu einem der vier Kreisbrand-Inspektoren auf. "Bei der Ernennung geht es nicht um den Standort oder die Größe der Wehr, sondern ausschließlich um die Person", berichtet Sell. Sein Vorgänger war Helmut Klünspies aus Thulba, und nach Sells Abschied wandert das Amt nun auch wieder in die Gemeinde Oberthulba zurück: Morgen, Donnerstag, wird Thomas Eyrich aus Oberthulba offiziell zum neuen KBI für den Raum Hammelburg ernannt.


Neues Amt als Geschäftsführer

"Ich konnte mich absolut auf ihn verlassen", lobt KBR Benno Metz die Zusammenarbeit mit Sell, und: "Ich hätte keinen besseren Vertreter als Peter Sell haben können." Als Stellvertreter des Kreisbrandrates rückt nun der neue dienstälteste KBI im Landkreis nach: Marco Brust aus Bad Brückenau. Ganz verabschiedet sich Sell auch nicht aus dem Kreisverband: Vor kurzem wurde er zum Geschäftsführer des Kreis-Feuerwehrverbandes gewählt. "Was immer das bedeutet", sagt Sell lachend, denn das Amt wurde neu geschaffen.
Auch die Aufgaben als KBI für den Raum Hammelburg habe Peter Sell bestens erledigt: "Er hat die Kreisbrandmeister und die Feuerwehren in seinem Zuständigkeitsbereich hervorragend betreut", sagt KBR Metz. Der Kontakt zu den Wehren war Sell auch selbst wichtig: "Zu den staatlichen Ehrungen war ich immer persönlich vor Ort, bei Jahreshauptversammlungen versuchen wir, dass mindestens ein Vertreter der Kreis-Feuerwehrführung dabei ist", berichtet er. Deshalb kenne er seinen Beritt auch: Selbst kleinere Wehren wie die in Heiligkreuz habe er immer wieder besucht.
Im Mittelpunkt stehen jedoch die mehr als 600 Einsätze aller Feuerwehren zusammen pro Jahr im Landkreis: "Sobald mehr als zwei Feuerwehren alarmiert werden, erhalten der KBM und der KBI Info-Meldungen", berichtet Sell über den Ablauf. Dann werde nach Sachlage entschieden, ob jemand von der Kreis-Führung benötigt wird. Bei größeren Schadenslagen wie Unfällen mit eingeklemmten Personen oder größeren Bränden sei dagegen immer jemand aus der Führung am Einsatzort. Das bleibe nicht ohne Spuren: "Verkehrsunfälle gerade mit Beteiligung von Kindern sind mir immer lange nachgegangen", berichtet der 63-Jährige. Noch in der vergangenen Woche habe er Rufbereitschaft für den gesamten Landkreis gehabt, das sei jetzt vorbei: "Ich kann mein Handy ausschalten, wann immer ich will", freut sich Sell, schränkt aber auch gleich ein: "Erreichbar bin ich aber trotzdem."

Kreis-Feuerwehr Im Landkreis Bad Kissingen gibt es 115 Freiwillige Feuerwehren, in denen run 5500 aktive Feuerwehrleute organisiert sind. Darunter sind laut Kreis-Feuerwehrverband rund 320 Frauen und 840 Jugendliche.

Führung Oberster Chef der Feuerwehren ist Kreisbrandrat Benno Metz. Sein Stellvertreter war in den zurückliegenden acht Jahren Peter Sell. Insgesamt gibt es vier Kreisbrandinspektoren (KBI): Für Peter Sell rückt ab 1. Dezember Thomas Eyrich aus Oberthulba nach. Er wird für den Raum Hammelburg zuständig sein. Für die Region Bad Brückenau und Burkardroth ist KBI Marco Brust zuständig, der auch neuer Stellvertreter des Kreisbrandrates ist. Weitere KBIs sind der Stadt- und Kreisbrandinspektor Harald Albert aus Bad Kissingen und KBI Edwin Frey aus Nüdlingen. Zur Kreis-Feuerwehrführung gehören zudem 17 Kreisbrandmeister sowie einige Fachberater und Warte.

Info Einen Überblick über Struktur und Aufgaben des Kreis-Feuerwehrverbandes gibt es unter www.kfv-badkissingen.de

Privat Peter Sell wurde 1952 in Hammelburg geboren und ist dort auch aufgewachsen. Seit 1979 ist er mit seiner Frau Irma verheiratet, sie haben zwei Söhne und drei Enkelkinder.

Beruf Peter Sell war 21 Jahre lang bei der Polizei, zuletzt in der Inspektion Hammelburg, bevor er 1992 zur Stadt Hammelburg wechselte. Dort ist er für den Bereich öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständig. Seine Dienstzeit im Rathaus endet voraussichtlich in einem Jahr.
Feuerwehr Peter Sell trat am 1. Januar 1974 in die Freiwillige Feuerwehr Hammelburg ein. Dort durchlief er unter anderem die Ausbildung zum Jugendwart und zum Gruppenführer. Am 26. November 1982 wurde er in Bad Kissingen zum Kreisbrandmeister für die Stadt Hammlburg ernannt, 2001 wurde er Kreisbrandinspektor. Von 1991 bis 2001 war er Kommandant der Hammelburger Wehr.

Politik Peter Sell sitzt seit dem Jahr 2008 für die Fraktion Freie Wähler/Christlicher Bürgerblock im Bad Kissinger Kreistag.